Tschad

Wichtige Schritte Richtung Unabhängigkeit

24.8.2026
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Min.
6 Männer halten gemeinsam einen grossen Schlüssel aus Karton vor sich

Der Tschad belegt seit Jahrzehnten einen der letzten Plätze des humanitären Entwicklungsindexes HDI. Man würde den Tschad kaum als ausgesprochen friedliches Land betiteln und der grösste Teil der Bevölkerung erlebt Leid – welches meist in materieller oder geistlicher Armut wurzelt.

Da macht die Prophezeiung aus Jer. 29,11 über eine bessere Zukunft und Hoffnung (arab. Moustakhbal wa Radja) hellhörig: «Denn ich allein weiss, was ich mit euch vorhabe: ich, der Herr, habe Frieden für euch im Sinn und will euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung. Mein Wort gilt.»

Unser langjähriger Mitarbeiter Florent erzählt: «Seit Jahrzehnten setzen sich Mitarbeitende von SAM global in AmSénéna ein. Sie haben für die Bevölkerung Brunnen gegraben, bei Hunger Nahrung und bei Unwetter Matten, Decken oder Wellbleche verteilt und viele Kranke behandelt. Irgendwann begannen wir uns zu überlegen, wie der lokalen Bevölkerung langfristig geholfen werden könnte. Die Idee, eine Schule aufzubauen, war naheliegend. Gemeinsam mit den Familien Moser und Lacombe wurde der Traum von einer Schule Realität.»

Der Schulpräsident bei seiner Ansprache

Auch wenn die Schule im Namen der Kirche registriert wurde, hatte sie wegen ihrer Initianten, wegen der Finanzierung aus der Schweiz, wohl aber auch wegen der soliden Bauweise und der straffen Führung den Ruf der «Schule der Weissen». Das hatte zur Folge, dass einige Eltern dachten, es sei nicht wichtig, das Schulgeld für ihre Kinder zu zahlen, SAM global würde dann schon schauen. Auch einige Lehrkräfte stellten immer mal wieder erhöhte Ansprüche an ihren «angeblichen» Arbeitgeber. Es herrschte ein unklares oder falsches Bild, wem diese Schule gehört. SAM global will keine Schule «besitzen». Wir arbeiten lieber mit etablierten Partnerorganisationen zusammen – und die evangelische Kirche im Tschad ist eine solche.

Eine Vertreterin der Mitarbeitenden unterzeichnet ein Protokoll

Feierliche Übergabe

Aus diesem Grund fand am 10. Juli eine von langer Hand vorbereitete, offizielle Übergabe der Schule von SAM global an das Bildungsdepartement der EET (Partnerkirche im Tschad) statt. Die öffentliche Zeremonie mit viel prominenten Anwesenden war feierlich, gespickt mit viel Dank und Anerkennung der Leistung der ehemaligen Einsatzleistenden und der zahlreichen Mitarbeitenden. Der Kirchenpräsident hob, zu Recht, die Initiative von Florent hervor. Er war der Motor und hat die Schule durch alle Hochs und Tiefs begleitet. Mich persönlich hat die Aussage eines muslimischen Elternvertreters berührt:

«Es ist wegen des gelebten Glaubens, dass wir unsere Kinder an diese Schule schicken.»

Das meist friedliche und respektvolle Miteinander von muslimischen und christlichen Kindern ist für mich ein Zeichen von Hoffnung auf eine Generation, wo verschiedengläubige Menschen im Frieden gemeinsam ein Land voranbringen. Wir wünschen an dieser Stelle den neuen Verantwortlichen des evangelischen Schulkomplexes Moustakhbal wa Radja’ viel Weisheit. Es geht darum, das motivierte und gut ausgebildete Personal weiter zu beschäftigen, neues Personal zu rekrutieren, die Werte zu prägen, die Finanzen transparent zu verwalten und die Qualität des Unterrichts immer wieder zu fördern. SAM global bleibt Partner des Bildungsdepartements der EET und unterstützt als Entwicklungspartnerin den weiteren Aufbau der Schule. Initiative, Verantwortung und Vison muss aber vom lokalen Partner kommen.

Die Gäste finden sich langsam ein

Vergrösserung der Schule

Die Schule umfasst bereits Kindergarten, Primarschule und sechs Klassen der Sekundarstufe. Mit dem Bau von zusätzlichen Klassenzimmern, einer Bibliothek, einem Werk- und Handarbeitsraum sowie Büroräumlichkeiten soll eine Grösse erreicht werden, die langfristig eine selbsttragende Finanzierung ermöglicht. Für diesen Ausbau fehlt jedoch noch ein Betrag von CHF 30‘000 (siehe beiliegenden Flyer).

Im Flyer kommt ein Schüler, Ababou, zu Wort. Wir möchten ihn hier noch etwas näher vorstellen und was es für ihn bedeutet, diese Schule besuchen zu können:

«Hallo. Ich heisse Ababou und bin 15 Jahre alt. Ich habe einen grossen Bruder und einen kleine Schwester. Seit drei Jahren besuche ich die Sekundarschule MWR. Vorher war ich an mehreren anderen Schulen, aber MWR ist die beste Schule, die ich je besucht habe. Der Unterricht ist gut verständlich, ich fühle mich wohl und lerne gerne. Besonders gut gefallen mir die Fächer Kunst, Informatik und Werken. Im Fach Kunst zeichnen wir Dinge in Perspektive. In Informatik lernen wir, einen Text auf dem Computer zu schreiben. Wir haben auch einen Vortrag für die Klasse vorbereitet. Im Werken lernen wir verschiedenen Materialien und Werkzeuge kennen. Momentan arbeiten wir mit Holz, Hammer und Nägeln. Das kann ich später gut brauchen.
Mein Berufswunsch ist jedoch Geologe. Dafür möchte in an der Uni studieren, später Bodenschätze im Land finden und so mithelfen, dass sich unser Land gut entwickelt.»  

Ein Leben für die Bildung, ein Herz für die Menschen

Aus einem ausführlichen Interview mit Professor Bendiman K., dem langjährigen Bildungsfachmann und abtretenden Präsidenten des CNEET, dem Netzwerk Evangelischer Schulen im Tschad, ist dieser persönliche Rückblick entstanden.

Mein Name ist Bendiman K. Ich bin 72 Jahre alt und meine Frau Suzanne und ich haben sieben Kinder im Alter zwischen 24 und 47 Jahren. Meine berufliche Laufbahn begann Ende 1977 als Mathematiklehrer im staatlichen Bildungswesen. Im Laufe der Jahre unterrichtete ich an verschiedenen Gymnasien, leitete Mathematikabteilungen, begleitete junge Lehrpersonen und arbeitete als pädagogischer Berater und Inspektor. Später unterrichtete ich an Hochschulen Didaktik, Mathematik und Micro- Teaching, sass in Prüfungskommissionen, leitete Abiturzentren und wirkte an Lehrplänen und Mathematikbüchern mit. Mein Herz brannte für eine gute Schulbildung und ich habe mich voll eingesetzt. 2019 wurde ich pensioniert.

Trotz Erfolg und Einfluss ist Bendiman bescheiden, demütig und nahbar geblieben

«Es geht darum, Herzen zu formen»

Schon vorher hatte ich im Rahmen der Kirche verschiedene Ämter inne, aber dann übernahm ich das Präsidium des CNEET. Zu jenem Zeitpunkt war die Organisation noch quasi unbekannt. Viele Schulen und Kirchen wussten nichts von ihr. Wir haben Lehrpersonen und Schulleitungen an immer mehr Orten geschult, beim Aufbau oder der Verbesserung der Infrastruktur geholfen, Partnerschaften aufgebaut und erlebt, wie junge Leitungspersonen begannen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Heute hat das CNEET ein Büro mit einer funktionierenden Verwaltung, führt zahlreiche und regelmässige Schulungen durch und wird von vielen leitenden Akteuren im Bildungswesen ernst genommen.

Bendiman (in blau) ist ein Teamplayer - hier mit dem ehemaligen CNEET-Vorstand

Dass ich 41 Jahre lang im Bildungswesen gearbeitet habe, hat uns viele Türen geöffnet. In Afrika, und besonders bei uns im Tschad, sind Beziehungen sehr wichtig. Ich treffe überall ehemalige Schüler, Kollegen oder Menschen, die meinen Namen kennen und wissen, dass man sich auf mein Wort verlassen kann. Als wir beispielsweise zusätzliche Mitarbeitende brauchten, konnten wir dadurch über kirchliche und staatliche Stellen Personen für die evangelische Bildungsarbeit gewinnen.

Gute Schulen brauchen Bücher, saubere Räume, ausgebildete Lehrpersonen und starke Leiter, davon bin ich überzeugt. Aber am wichtigsten finde ich, dass da Menschen sind, die Kinder als Individuen wertschätzen und ihnen mit Geduld und Liebe begegnen. Dadurch können die Herzen der Kinder geformt und mit guten Werten geprägt werden. So können sie zu kompetenten und integren Frauen und Männern heranwachsen, die im Dienst an ihren Mitmenschen und ihrem Land stehen.

Das CNEET unterstützt punktuell Schulen mit Büchern und Lehrmitteln

Natürlich ist in diesen sechs Jahren meines Präsidiums nicht alles gelungen. Die finanzielle Eigenständigkeit bleibt eine grosse Aufgabe. Auch verlässliche Schulstatistiken fehlen noch, und an einer starken nationalen Direktion für evangelische Bildung muss weitergearbeitet werden. Die Partnerschaft mit dem internationalen Netzwerk christlicher Schulen ACSI ist jedoch ein Zeichen dafür, dass ein solides Fundament besteht, auf dem weiter aufgebaut werden kann.

Meinem Nachfolger Saloum M. wünsche ich Mut und Ausdauer. Er kennt die Prioritäten und ist selbst ein Mann der Beziehungen. Wenn er seine Gaben mit Weitblick nutzt, wird er das CNEET prägen und stärken.

Meine Vision bleibt gross: Im Jahr 2035 sehe ich ein CNEET mit einem festen Team, finanziell unabhängig und mit gut ausgebildeten und engagierten Lehr- und Führungskräften. Ich sehe Kinder, die in sauberen, würdigen Räumen lernen und nicht nur Wissen aufnehmen, sondern in ihrem Charakter geformt werden. Ich sehe Menschen, die sich ihrer Pflicht gegenüber ihren Mitmenschen bewusst sind und Gott treu bleiben.

Wir danken Professor Bendiman K. sehr herzlich für seinen wertvollen Einsatz und wünschen ihm und seinem Nachfolger Saloum M. alles Gute und Gottes Segen!

Herzlichen Dank für euer Interesse und eure Unterstützung.
Andreas Zurbrügg, Länderverantwortlicher Sahel

SAM global
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