SAM global arbeitet seit 1981 in Guinea. Seit dieser Zeit besteht eine Partnerschaft mit der evangelisch protestantischen Kirche Guineas (Eglise Protestante Evangélique de Guinée = EPEG). Diese Zusammenarbeit umfasst viele Bereiche: Projekte im Gesundheits- und Bildungswesen wurden unterstützt, aber auch die Ausbildung von (Laien-) Pastoren und einheimischen Mitarbeitenden, die in andere Landesteile entsandt wurden.
Etwa seit dem Jahr 2020 hat sich in der guineischen Kirche eine Leitungskrise zugespitzt, die immer auswegloser erschien. Eine Gruppierung innerhalb der Kirche war mit ihrem gewählten Präsidenten nicht mehr einer Meinung. Auch wenn sie in manchen Punkten nicht unrecht hatten, so war doch die Art und Weise der Kritikäusserung nicht angebracht.
Da jeder an seiner Position festhielt und einen Teil der knapp 100’000 Mitglieder zählenden landesweiten Kirche hinter sich hatte, hat sich die Kirche schlussendlich selbst gelähmt. Mit Ausnahme der sonntäglichen Gottesdienste kamen die meisten anderen Aktivitäten und Dienste zum Erliegen.

Versöhnung unmöglich!?
Über die Jahre gab es verschiedene Vermittlungsbemühungen: kirchenintern, mit internationaler Unterstützung durch die westafrikanische Leitung der Denomination oder mithilfe des staatlichen guineischen Sekretariats für christliche Angelegenheiten. Es wurden Übergangskomitees eingesetzt, die aber nur einseitig anerkannt wurden und daher auch nicht den gewünschten Erfolg erzielen konnten. Auch Jürg und Ousmane haben verschiedene Initiativen unternommen, um die Oppositionsparteien an einen Tisch zu holen. Aber die Umstände schienen festgefahren und Versöhnung unmöglich. Aber manchmal muss eine Situation gefühlt schon an die Wand gefahren sein bzw. Lazarus beerdigt sein (Lukas 18,27), bevor Gott eingreift und zeigt: Menschen hätten gar nichts mehr ausrichten können, aber Er ist allmächtig. Und genau das durften wir erleben!
Das Wunder geschah
Ab Dezember 2024 kam plötzlich wieder Bewegung in die Sache und es gelang, ein einseitig besetztes Versöhnungskomitee so zu erweitern, dass sich alle repräsentiert fühlten.
Ousmane wurde in dieses Komitee berufen, da er als von der EPEG ausgebildeter und ordinierter Pastor die Kirche bestens kennt. Er kommt aus einem anderen kulturellen Hintergrund, so dass er ethnisch neutral ist. Ausserdem ist er nicht von der Kirche angestellt, sondern hat eine unparteiische Position als Entsandter von SAM global. So starteten wöchentliche Telefonkonferenzen mit dem gesamten Komitee sowie in Teilgruppen. Kirchliche Verantwortungsträger wurden zu Onlinegesprächen eingeladen und Stück für Stück konnten die Weichen neu gestellt werden.
Bei einer Konferenz aller Pastoren im September 2025 wurden 30 Jahre alte Konflikte ans Tageslicht geholt, so dass endlich Busse geschehen und Vergebung ausgesprochen werden konnte.
Nun konnte der Ablauf des Erneuerungsprozesses festgelegt werden: Das Versöhnungskomitee hat die Kirchenstatuten überarbeitet und anschliessend wurden Bewerbungen und Vorschläge für die Neubesetzung der Kirchenämter entgegengenommen. Eine Dreiergruppe, bestehend aus Ousmane, einem promovierten Theologen und einem Laien in hoher staatlicher Funktion hat jede Bewerbung geprüft. Für manche Posten gab es gar keinen regelkonformen Bewerber, so dass die Gruppe aktiv wurde, um geeignete Kandidaten zu suchen. Wo es mehrere Kandidaten gab, hat schliesslich das Los entschieden.

Im April dieses Jahres wurden die so vorgeschlagenen Kandidaten von der Vollversammlung der Pastoren bestätigt und dann im Mai offiziell in ihre neuen Ämter eingesetzt. Wir sind sehr dankbar, dass Gott dieser über 100 Jahre alten Kirche einen Neuanfang geschenkt hat und beten, dass der Erneuerungsprozess die Kirche komplett durchdringt, so dass sie wieder Licht und Salz in der mehrheitlich muslimischen Gesellschaft sein kann und ihre wichtigen diakonischen Aufgaben im Bildungs- und Gesundheitswesen wieder landesweit aktiv wahrnimmt und weiterentwickelt. Wir wünschen uns, dass unsere Zusammenarbeit ein neues Niveau erreicht, so dass wir gemeinsam Gottes Vision für Guinea erkennen und sie Hand in Hand umsetzen können.

Ein Gedanke zur Selbstreflexion, passend zu diesem Thema:
Wo bin ich stolz auf meine Position oder beharre auf meinen (vermeintlichen) Rechten, so dass ich nicht mehr in der Lage bin, auf andere zuzugehen? (vgl. Phil 2, 3-4)
Herzlichen Dank für euer Mittragen und eure Unterstützung.
Ousmane und Gitte D.
Der Arbeitsschwerpunkt von Familie Diallo liegt in der Zusammenarbeit mit der EPEG auf verschiedenen Ebenen so wie in der Unterstützung und Begleitung von Christen, die aufgrund ihres Glaubens benachteiligt oder verfolgt werden. Dazu führt Ousmane unzählige stundenlange Telefonate von Deutschland aus und reist mehrfach im Jahr für mehrere Wochen nach Guinea.




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