Nach intensiven Tagen in Indien führte mich meine Reise im Juni direkt weiter nach Sri Lanka. Das Hauptziel war, unsere verschiedenen Partnerorganisationen zu besuchen, persönliche Gespräche zu führen und mir ein aktuelles Bild der Situation vor Ort zu verschaffen.
Eine besondere Herausforderung war, dass es meine erste selbständige Sri Lanka-Reise als Länderverantwortlicher war. Projekt-Besuche sind für mich immer besonders wertvoll: Sie ermöglichen nicht nur einen besseren Einblick in die Arbeit unserer Partner, sondern stärken auch die persönlichen Beziehungen, auf denen unsere Zusammenarbeit basiert.
CCS – Eine wichtige Standortbestimmung – und Herausforderung
Der erste Schwerpunkt meiner Sri Lanka-Reise war der Besuch beim CCS (College of Construction Skills) in Trincomalee. Anfang dieses Jahres habe ich die Verantwortung für dieses Projekt übernommen. Deshalb war es mir wichtig, gemeinsam mit Emanuel, einem erfahrenen Schweizer Unternehmer, Berater und SAM global-Volontär, eine fundierte Standortbestimmung vorzunehmen, die als Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit dienen soll. Denn die drei lokalen Leiter und der lokale Vorstand stehen inmitten von Leitungsherausforderungen.

In der Hauptstadt traf ich Emanuel und gemeinsam reisten wir nach Trincomalee, wo wir Gespräche mit den drei Leitungsverantwortlichen Janufan, Kenut und Joshua sowie den Trainees führten. Zwischen den einzelnen Gesprächen werteten wir unsere Beobachtungen laufend aus und erarbeiteten Schritt für Schritt eine umfassende Beurteilung der aktuellen Situation. Auch konnten wir die sechs Auszubildenden bei der Arbeit auf der Baustelle besuchen und mit ihnen über ihre Lebensansichten und Träume sprechen.

Nach ein paar Tagen fand dann das Board-Meeting vom CCS statt. Dort konnten wir unsere Erkenntnisse direkt mit dem gesamten Vorstand besprechen und gemeinsam Erwartungen sowie wichtige Fragen für die weitere Zusammenarbeit formulieren.
Aus den Gesprächen schrieb Emanuel einen ausführlichen Assessment-Bericht, der inzwischen dem CCS-Board, dem Leitungsteam sowie weiteren beteiligten Personen zugestellt wurde. Ergänzend dazu habe ich einen internen Massnahmenplan erarbeitet, der unsere Erwartungen und nächsten Schritte festhält. Ich hoffe, dass diese gemeinsame Grundlage hilft, damit wir das grosse Potenzial, das das CCS mit seinen praktischen Ausbildungen bietet, noch stärker nutzen können und es noch mehr zum Segen werden kann.

Ein Ziel ist es, dass wieder mehr Aufmerksamkeit der qualitativ hochstehenden Ausbildung gewidmet wird und dass mehr Lernende das Programm durchlaufen. Ein wichtiger Schritt ist es, dass wir den lokalen Vorstand stärken wollen. Neben den drei Leitern ist dieser besonders wichtig. So habe ich dem Vorstandspräsidenten Charles L. einige Fragen gestellt. Charles ist schon lange mit dem CCS verbunden. Er ist Seniorpastor und Worship-Leiter, Sänger, Songwriter und Produzent christlicher Musik in Singhalesisch, Tamilisch und Englisch.
Welche Aufgabe haben Sie im CCS-Vorstand und was macht das CCS für Sri Lanka wichtig?
Als Vorsitzender des CCS-Vorstands möchte ich den Vorstand zusammenhalten, die gemeinsame Vision bewahren und die Verantwortlichen zu guter und verantwortungsvoller Arbeit motivieren. Das CCS als eine christlich geprägte technische Ausbildungsstätte bietet jungen Menschen in Sri Lanka nicht nur eine berufliche Ausbildung, sondern auch Unterstützung in Englisch, Mathematik, Ethik und persönlicher Entwicklung.
Was ist das Besondere am CCS im Vergleich zu anderen technischen Hochschulen?
Durch Stipendien und die Bereitstellung von Unterkunft und Verpflegung werden junge Menschen entlastet, die sich eine solche Ausbildung sonst möglicherweise nicht leisten könnten. Ausserdem versuchen wir, den ganzen Menschen anzusprechen – Körper, Seele und Geist.
Andere technische Schulen sind lokal akkreditiert. Beim CCS gibt es zusätzlich eine internationale Komponente: Erfolgreiche Absolventen des zweijährigen Kurses können unter Umständen eine staatliche Schweizer Zertifizierung erhalten.
Welche Herausforderungen stehen beim CCS momentan an und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Die wirtschaftliche Krise in Sri Lanka belastet sowohl die Bevölkerung als auch das CCS. Im Moment erzielt das CCS nicht genügend Einnahmen, um langfristig wirtschaftlich selbsttragend zu sein. Ich wünsche mir eine stärker visionäre und langfristige Führung, die nicht hauptsächlich auf finanzielle Aspekte fokussiert ist, und bin zuversichtlich, dass diese Veränderung möglich ist.
Welche Unterstützung benötigt das CCS ausser finanzieller Hilfe?
Das CCS benötigt vor allem Unterstützung im Administrationsbereich, Fachwissen aus dem Bauwesen sowie Hilfe bei der Modernisierung der Ausbildung, damit sie den aktuellen Anforderungen der Bauindustrie entspricht.

LBCS – Ein langjähriger und verlässlicher Partner
Bevor wir nach Kandy weiterreisten, nutzten wir den frühen Morgen für einen kurzen Besuch des berühmten Sigiriya-Felsens – einem eindrücklichen Wahrzeichen Sri Lankas mit den Ruinen eines Königspalastes aus dem 5. Jahrhundert.
In Kandy traf ich anschliessend Lal und seine Familie sowie das Team von LBCS (Lanka Bible College). Neben dem allgemeinen Austausch verschaffte ich mir auch einen Überblick über die Folgen des Erdrutsches im November 2025 und über notwendige Unterhaltsarbeiten an den Gebäuden. Das College bietet momentan neun Jahres- oder Mehrjahres-Kurse an, wie z.B. Diploma-, Bachelor- oder Master-Kurse in Theologie. Diese wiederum bestehen aus ca. 100 einzelnen Fächern. So bilden sie jährlich ca. 250 Studierende in Theologie weiter. Was mir besonders gefällt, ist, dass diese Bibelschule nicht nur einer Denomination dient, sondern bewusst offen ist für Christen aus verschiedenen Denominationen. Ab nächstem Jahr wollen sie einen Kurs für Lobpreis anbieten, der Musikunterricht, Theorie und Theologie beinhaltet. Ein Novum, das sicherlich zum Segen für viele Gemeinden wird. Besonders schätzte ich aber auch die Gespräche mit Lal. Durch seine langjährige Erfahrung und weise Einschätzung der Situation in Sri Lanka ist er für uns ein wichtiger und vertrauenswürdiger Partner, der uns auch hilft, Sri Lanka besser zu verstehen.

Children Ministry – Hoffnung für Kinder in Armut
Zurück in Colombo traf ich Faith und Krishan T. Auch diese Partnerschaft besteht schon seit vielen Jahren. Im Mittelpunkt unseres Austausches stand diesmal ihr neu gestartetes Engagement mit Kinderclubs für Kinder aus sehr schwierigen familiären und sozialen Verhältnissen. Diese Arbeit ergänzt ihre bisherige Ausbildung von Sonntagsschulleitern auf wertvolle Weise. Besonders beeindruckt hat mich, wie sich Faith den Kindern zuwendet, die unter schwierigen Lebensbedingungen in einem oft gefährlichen und teils kriminellen Umfeld aufwachsen und kaum Hoffnung haben.
SAIT / HOMSA – offene Fragen bleiben bestehen
Auch konnte ich mich mit Sam und seiner Frau Regina treffen. SAM global unterstützt das SAIT in den Teeplantagen-Hügeln in Norton Bridge seit vielen Jahren. In einfachen Gebäuden werden Gläubige aus den umliegenden Dörfern in Theologie unterrichtet. Jeden Monat kommen die Männer und Frauen für ein paar Tage ins Zentrum, wo sie unterrichtet werden und dann das Erlernte sofort wieder umsetzen können. Obwohl Sam schon sehr betagt ist, leitet er das Seminar enthusiastisch und denkt nicht ans Aufhören.

Mein Fazit
Ich bin dankbar, dass die Reise wie geplant durchgeführt werden konnte und alle vorgesehenen Treffen möglich waren. Die vielen persönlichen Begegnungen haben mir einen guten Überblick über die aktuelle Situation unserer Partnerorganisationen gegeben.
Solche Besuche bestätigen mich immer wieder darin, wie wichtig persönliche Beziehungen für eine nachhaltige Zusammenarbeit sind. Sie schaffen Vertrauen und helfen, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen. Auch bilden sie die Grundlage dafür, unsere Partner auch in Zukunft gut begleiten und unterstützen zu können.
Herzlichen Dank für euer Interesse und eure Unterstützung.
David Keller, Länderverantwortlicher Asien





