Anfang dieses Jahres habe ich die Verantwortung für Sri Lanka von Andreas Zurbrügg übernommen. Da ich noch nicht sehr viel Sri Lanka-Erfahrung habe, helfen mir Gespräche mit Ausbildnern und Lernenden am CCS, um Einblicke in die Arbeit vor Ort zu erhalten. Diese teile ich gerne hier mit euch:
Das CCS gibt jungen Menschen eine zweite Chance – beruflich, aber auch im Leben. Joshua (32) ist seit fast 15 Jahren mit dem College for Construction Skills verbunden, zuerst als Lernender und heute als Ausbildner und Leiter. Zusammen mit den anderen beiden Leitern betreut er derzeit acht Lernende, von denen sechs kurz vor ihren ersten Prüfungen stehen und zwei neu dazugekommen sind.

Eine grosse Chance
Am CCS lernen die Jugendlichen über ein Jahr hinweg mehrere handwerkliche Fähigkeiten in den Bereichen Elektrik, Maurer-, Schreiner- und Sanitärarbeiten. Dabei wird auch ein Schwerpunkt auf Disziplin, Zeitmanagement und Teamarbeit gelegt und allgemeine Lebenskompetenzen vermittelt. Joshua ist sehr engagiert und empfindet seine Aufgabe als persönliche zweite Chance. Er möchte die Lernenden inspirieren, sich ebenso zu engagieren. Der Tagesablauf am CCS ist klar strukturiert: Am Morgen Start mit Gebet, dann praktische Arbeit mit den Lernenden, Mittagessen, Theorie-Unterricht oder Aufgaben im College, abends lernen oder gemeinsame Aktivitäten. Joshua beobachtet, dass die Lernenden am Anfang sehr herausgefordert sind, sich aber Schritt für Schritt verändern. Sie entwickeln bessere Gewohnheiten und machen Fortschritte bei der Disziplin und Arbeitsethik ebenso wie in Englisch und Mathematik. Die Tatsache, dass nicht nur Skills, sondern auch Werte vermittelt werden, macht das CCS in den Augen von Joshua zu einem einzigartigen Ausbildungszentrum in Sri Lanka. Er ist dankbar, hier mitarbeiten zu können.

Lernen und persönlich wachsen
Für die Lernenden ist das CCS eine grosse Chance, eine Ausbildung und damit eine Perspektive für ihr Leben zu erhalten. Sathish* (17) sagt: «Ich wollte nicht zu Hause bleiben – beim CCS fühlt es sich ruhig und friedlich an, und ich mag die Arbeit im Team.» Kumar* (19) schätzt die gemeinsame Arbeit, das Lernen neuer Fähigkeiten und Freizeitaktivitäten wie Cricket oder Singen. Neben fachlichen Fertigkeiten entwickeln die beiden auch Lebenskompetenzen: Sathish hat gelernt, ruhig zu bleiben und schlechte Gewohnheiten, wie beispielsweise der Konsum von Drogen, zu vermeiden. Kumar betont die Wichtigkeit von Zeitmanagement, Selbstorganisation und respektvollem Verhalten. Beide merken, wie sie persönlich gewachsen sind. Sie haben auch bereits einige Zukunftsträume: Sathish möchte die Ausbildung erfolgreich abschliessen, Kumar will Elektriker werden, anderen helfen und sein eigenes Haus bauen. Danke an alle, die diese Ausbildung möglich machen. Eure Unterstützung schenkt Fähigkeiten, Selbstvertrauen und neue Perspektiven – jeden Tag ein Stück mehr.
David Keller
*Namen der Lernenden geändert

LEBHAFTER UNTERRICHT UND HERZLICHE BEZIEHUNGEN
Vom 14.-28. Februar waren Cornelia B. und Regine F. zum 10. Mal für einen gemeinsamen Schulungseinsatz in Sri Lanka. Sie erzählen:
Nach unserer Ankunft und einer Nacht in Colombo holt uns der uns bekannte Taxifahrer Daniel ab und bringt uns ans SAIT/HOMSA in Norton Bridge. Wir werden wieder sehr herzlich empfangen und richten uns in unserem Zimmer ein. Die Verkabelung mit den verschiedenen Steckdosen und Steckern ist jeweils eine kleine Herausforderung, die wir aber mit Routine meistern. Beim Abendessen lernen wir den pensionierten Anglikaner Bischof Shanta und seine Frau Darshini kennen, die seit sechs Monaten auf dem Gelände wohnen – sehr nette Leute, die hier etwas mithelfen und bleiben wollen. Am nächsten Tag beginnt unser Unterricht für die aktuell 22 Studentinnen und Studenten. Wir unterrichten je drei Stunden pro Tag zu unseren Themen ‘Gesundheit und Immunsystem’ und ‘Theologie des Leidens’ und werden auf Singalesisch und auf Tamilisch übersetzt. Die Studierenden kommen aus dem Estate (Teegebiet) und nur eine Studentin kann etwas Englisch. Sie kommen jeweils für drei Tage pro Monat ans Institut.
Seit der Gründung des SAIT/HOMSA (South Asia Institute of Theology) von Dr. Sam T. im Jahr 1989 wurden rund 1’800 Männer und Frauen ausgebildet. Viele gründeten nach ihrer Ausbildung sogenannte Rural Churches (Kirchen in ländlichen Gebieten). Dr. Sam T. ist immer noch der Leiter des Instituts und wohnt jeweils während der Unterrichtswochen vor Ort. Er erzählt uns viel aus seinem langen, interessanten Leben, von der Bekehrung seiner Mutter, von der Evangelisationskonferenz in Lausanne 1974 und seiner Verbindung zu sehr vielen Leuten und Organisationen weltweit, auch mit SAM global.

Spontan mitfeiern
Am Donnerstag fahren wir nach einer herzlichen Verabschiedung mit Sam und seine Frau Regina dem üblichen ‘Come again’ mit dem Taxi los nach Hatton. Dort besuchen wir Joshua I., den neuen Leiter des Maranatha Children’s Home, den wir vom LBCS her kennen. Wir dürfen mit 40 Kindern überraschenderweise seinen Geburtstag mitfeiern. Später geht es weiter nach Kandy ans LBCS (Lanka Bible College & Seminary), wo wir vom Direktor Lal und seiner Frau Lalitha begrüsst und zum Mittagessen nach Hause eingeladen werden. Danach bekommen wir von Lael, dem Interims-Registrationsverantwortlichen, den Stundenplan und die Namen der Studenten.

Fürs Abendessen fahren wir zu Deepthi und Raj, den Leitern der Campus Crusade-Arbeit an der Universität Peradeniya. Tags darauf unterrichtet Regine die Studenten, mit denen sie unterwegs sind. Auf dem Rückweg am Abend regnet es in Strömen. Wir können nachvollziehen, wieviel Schaden durch die Überflutungen im vergangenen November an Häusern und Mauern entstanden ist und dass Menschen ums Leben kamen. Es werden immer noch viele Verschüttete vermisst.
Reger Austausch und grosse Heiterkeit
Nach einem Tag mit Vorbereitungen startet am 23. Februar der Unterricht am LBCS – Cornelia zum Thema ‘Suffering: Physical and Emotional Ways’ für M.Div.-Studenten, Regine zum Thema ‘Theology of Suffering: Biblical and Theological Perspective’ für BTH-Studenten. Wie so oft gibt es bei der Klassenzusammensetzung noch Überraschungen. Fünf Personen auf der Liste tauchen nicht auf, dafür kommen sechs andere spontan bei Regine dazu. Erfreulicherweise waren sechs schon letztes Jahr dabei. Bei Cornelia ist die Anzahl von acht auf zehn gestiegen. Alle Teilnehmenden machen gut mit. Vor allem bei Cornelia gibt es viele gute, angeregte und kontroverse Gespräche unter den schon etwas älteren Pastoren, auch mit Gelächter dazwischen, das man bis in den oberen Stock hört. Dieser rege Austausch über die Themen wird von allen geschätzt. Mit den Verantwortlichen sprechen wir anschliessend über Erfahrungen und Wünsche zum Unterricht. Die Unterrichtstage sind lang und kosten Kraft, denn es ist heiss. Ein kleiner Spaziergang am Abend ist im Gestank des Abendverkehrs nicht ganz so erholsam, die Bewegung tut jedoch gut.

Grad noch geschafft
Nach den letzten Unterrichtsstunden fahren wir am 27. Februar nach einem herzlichen Goodbye zurück nach Colombo. Noch ein kurzer Besuch bei Sam und Regina T., dann geht es mit dem Taxi zum Flughafen für den Morgenflug um 2.40 Uhr nach Dubai. Wir sind sehr dankbar, dass wir trotz des Angriffs der USA und Israels auf den Iran nicht in Dubai gestrandet sind. Um 12.35 landen wir pünktlich in Zürich, während in der Zwischenzeit alle Flüge von und nach Dubai gestrichen wurden. Wir haben nicht nur unsere vielen Koffer, sondern auch wieder wertvolle Begegnungen und Erfahrungen im Gepäck.

Wir freuen uns, wie sich die Beziehungen mit den Leitern vom SAIT und dem LBCS über die Jahre immer weiter vertieft haben. Wir fühlen uns bei ihnen immer sehr willkommen und auch von den Studentinnen und Studenten geschätzt. Wir beobachten aber jedes Mal auch Veränderungen, dieses Mal besonders auf der Führungsebene vom LBCS. Sowohl beim SAIT/HOMSA mit inzwischen ca. 25 Studenten pro Monat als auch dem LBCS mit 60 Diplomstudenten und etlichen BTH- und M.Div.-Studenten bleibt die Nachfolge in der Leitung ein brennendes Thema.
Cornelia und Regine
ERNEUT STARKER REGEN
Der Zyklon Dithwa hat Sri Lanka Ende November mit voller Wucht getroffen. Viele Menschen haben alles verloren und es gab über 600 Todesopfer. Der Wiederaufbau der Mauer an der Bibelschule LBCS hat sich verzögert – zum einen wegen des anhaltend schlechten Wetters, zum anderen, weil es schwierig war, zeitnah Statiker zu bekommen. Durch die vielen Katastrophen in der Region sind qualifizierte Ingenieure derzeit stark gefragt und entsprechend ausgelastet. Nach einer längeren Pause konnten die Bauarbeiten endlich starten. Doch dann mussten sie wegen heftiger Regenfälle erneut gestoppt werden. Am Tag des starken Regens waren Cornelia und Regine beim LBCS vor Ort und haben die Situation selbst miterlebt. Der Starkregen hat nicht nur die Bauarbeiten unterbrochen, sondern auch die Situation nochmals verschärft: Ein weiterer Teil der bereits beschädigten Mauer ist eingestürzt.

Unterstützung dank Nothilfefonds
Beim CCS in Trincomalee, wo der Sturm unter anderem Teile des Dachs weggerissen und Wasserschäden verursacht hatte, konnten die Reparatur des Daches erst provisorisch erfolgen, da sie mit den grösseren Reparaturen bis zum Ende der Regenzeit warten wollten. Doch wir sind dankbar, dass der Lehrbetrieb regulär stattfindet. Menschen vor Ort berichten, dass der Staat rasch reagiert habe. Strassen wurden freigeräumt und wichtige Verkehrsverbindungen instandgesetzt, um die Versorgung wiederherzustellen. Doch viele Menschen fühlen sich auch allein gelassen mit dem Wiederaufbau. Dank des Nothilfefonds von SAM global konnten wir schnell helfen und unseren Partnern und in ihrem Umfeld finanzielle Mittel für dringendste Arbeiten und Anschaffungen zur Verfügung stellen. Von Herzen danken wir euch für alle Unterstützung!
David Keller, Länderverantwortlicher Sri Lanka





