Guinea

Eine Ära geht zu Ende – doch es geht weiter

31.3.2026
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5
Min.
Gruppenbild der letzten Abschlussklasse mit Sandro

Mit dem Ziel, jungen Erwachsenen eine praxisnahe und fundierte Lehre anzubieten, wurde die Handwerkerschule in AV Süd vor mehr als zehn Jahren gegründet.

Der erste Lehrgang im Jahr 2014

Das Vermitteln von Werten wie Fleiss, Ehrlichkeit und gegenseitigem Respekt sollte genauso Bestandteil des Unterrichts sein wie das Einschlagen von Nägeln und das Anrühren von Zement. Ein weiteres Ziel war es, den Lernenden weiterzugeben und vorzuleben, dass Gott sie liebt. Der erste Lehrgang der Handwerkerschule startete im Juli 2014. Im Januar 2023 wurde die operative Leitung an drei guineische Vorarbeiter übergeben. Sie waren Teil des ersten Lehrganges und von da an mit unserem Projekt der Handwerkerschule unterwegs.

Die Vision des Projektes war es immer, dass es einmal ohne Hilfe von aussen funktionieren sollte – also eine Lehrlingsausbildung ähnlich dem dualen Ausbildungssystem in der Schweiz, welches sowohl das praktische Arbeiten im Betrieb als auch den theoretischen Fachunterricht beinhaltet. Nach der operativen Übergabe war es das Ziel, dass sich ActionVIVRE nach ein paar Jahren auch finanziell aus der Handwerkerschule würde zurückziehen können.

Leider mussten wir inzwischen feststellen, dass das duale Ausbildungssystem in Guinea noch nicht Fuss gefasst hat. Die drei Vorarbeiter hatten Mühe, den Lehrbetrieb fortzuführen, obschon sie seit mehr als zehn Jahren mit uns unterwegs gewesen waren. Oft stand der Profit aus Aufträgen im Vordergrund, statt auch Wert auf die Ausbildung der Lernenden zu legen. Ausserdem ist in Guinea eine klare Hierarchie immer noch sehr wichtig. Somit war es für die drei guineischen Vorarbeiter schwierig, die Handwerkerschule gemeinsam zu führen, da keiner von ihnen der Chef war. Dies führte immer wieder zu Problemen untereinander. Auch das Verwalten der Erträge aus geleisteten Arbeiten war eine Herausforderung. Dazu kommt die aktuelle wirtschaftliche Situation, die es fast verunmöglicht, mit Bauaufträgen genug zu verdienen, um auch noch die Lernenden fair entlöhnen zu können. Nach reichlicher Überlegung, vielen Diskussionen und dem Fragen nach Gottes Wille für die Handwerkerschule kamen wir zum Schluss, dass es nicht im gleichen Stil weitergehen konnte.

Stolz und dankbar für das erhaltene Diplom

Etwas anders – aber es gibt eine Fortsetzung

Wir spielten verschiedene Optionen durch und schliesslich haben wir entschieden, die Idee einer Berufsausbildung aufzugeben, da dies, wie oben erwähnt, derzeit nicht realistisch ist. Unser Wunsch war es jedoch, dass die Infrastruktur (Räumlichkeiten, Maschinen usw.) und das vermittelte Wissen weiterhin der Bevölkerung zugutekommen sollte. Deshalb haben wir beschlossen, die Gebäude und die ganze Infrastruktur an einen der drei guineischen Vorarbeiter, Maître Ibrahima, zu vermieten. Er hat sich mit ein paar ehemaligen Lernenden zusammengeschlossen und auch zwei junge Lernende angestellt. Sie führen weiterhin Bauaufträge und Schreinerarbeiten aus. So gibt es eine Fortsetzung, wenn auch nicht genau in dem Sinne, wie wir es uns vor über zehn Jahren vorgestellt haben.

Wir blicken jedoch dankbar auf diese Zeit zurück und freuen uns über jeden Lernenden, den wir in unserer Handwerkerschule prägen konnten. Wir sind auch dankbar für die gefundene Lösung mit Maître Ibrahima, der nun das Atelier selbstständig leitet.

Eine emotionale Feier

Im Dezember konnten die restlichen zehn Lernenden ihre Lehre erfolgreich abschliessen. Dies wurde mit einem kleinen, sehr schönen Fest und der Diplomübergabe gefeiert. Mehrere Eltern, Freunde sowie Behördenvertreter waren anwesend und drückten ihre Dankbarkeit aus. Es wurde sehr geschätzt, dass wir nicht nur praktisches Wissen vermittelt haben, sondern auch gute Werte und Gottesfurcht. Auch bei den Lernenden war die Rührung spürbar, als sie ihre Diplome erhielten. Viele der jungen Menschen, die zu uns kamen, hatten in der Schule Schwierigkeiten gehabt. Den Stolz und die Freude in ihren Augen und denen ihrer Angehörigen zu sehen, hat uns bewegt. Es war ein Privileg, zu erleben, wie sie sich während der Ausbildung weiterentwickelt und an Selbstvertrauen gewonnen haben. Wir beten, dass Gott weiterhin an den Herzen dieser jungen Menschen arbeitet!

Reges Interesse an der Diplomfeier

Erfolgreicher Start der Grundschule

Wir blicken dankbar auf die Eröffnung unserer Schule zurück. Obschon es für unser Team eine grosse Herausforderung war und wir auch teils überfordert waren, sind wir sehr glücklich und danken Gott, dass wir unsere Schule mit fast voll besetzten Klassen starten konnten. Wir haben die maximale Schülerzahl in den drei Kindergartenklassen (jeweils 30 Kinder) und in der ersten Klasse (45 Kinder) erreicht. In der zweiten Klasse sind noch einige Plätze frei. Aktuell sind es dort 29 Schülerinnen und Schüler. Die Schule läuft gut und jeder hat nun allmählich seinen Platz und Aufgabenbereich gefunden. Dafür sind wir dankbar. Eine Herausforderung bleibt für uns, genügend qualifizierte Lehrkräfte für das nächste Schuljahr zu finden, denen es ebenfalls am Herzen liegt, die Gute Nachricht weiterzugeben. Es ist geplant, dass wir für den Schulstart im Oktober unsere Schule mit der 3. und 4. Klasse erweitern möchten.

Die Klassen sind gut gefüllt

Wir sind sehr dankbar für euer Interesse und euer Mittragen, sei es durch Gebet oder durch finanzielle Unterstützung. Herzlichen Dank!
Amélie und Sandro M., Projektleitung

SAM global
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