Wenn man in Guinea lebt, könnte man den Eindruck haben, dass man «die Welt retten» muss: zu viele Bedürfnisse, die tagtäglich auf uns einstürmen. Zu viel Armut, die vor unserer Haustüre lauert. Da ist es immer wieder wichtig, dass wir uns auf Gottes Kraft, auf seinen Geist und auf sein Wirken besinnen. Wir können viel tun und bewirken und doch ist es immer wieder Stückwerk – manchmal gelingt es, manchmal aber war unser Wirken nur wenig oder nicht erfolgreich. Von Gottes Liebe, die heilend, ermutigend und aufbauend wirkt, wollen wir in diesen News berichten.

Das grosse Vertrauen bleibt nicht unbelohnt
L. ist eine Frau, die gelernt hat, mitten im Sturm zu stehen – und dennoch nicht zu zerbrechen. Als Mutter von drei Kindern trägt sie die Last des Alltags allein auf ihren Schultern. Ihr Leben ist geprägt von Verantwortung, von Verzicht, aber auch von einer bemerkenswerten inneren Stärke. Aufgewachsen in einer streng muslimischen Familie, war ihr Glaube für sie nie nur Tradition, sondern tief empfundene Pflicht und ehrliche Hingabe. Schon als kleines Mädchen fastete sie im Ramadan – nicht, weil sie musste, sondern weil sie es wollte. Und doch blieb immer eine leise, nagende Leere. Trotz aller Gebete, trotz aller Disziplin fehlte ihr etwas, das sie lange nicht benennen konnte: die persönliche Nähe zu Gott. Der Glaube, der ihr Halt geben sollte, fühlte sich zunehmend als Druck und Pflicht an. Dann kam dieser eine Moment, der alles veränderte. Eine Nachbarin schenkte ihr eine Bibel. L., die schon immer eine grosse Liebe zum Lesen hatte, begann darin zu lesen. Vieles verstand sie zunächst nicht, doch die Geschichten von Jesus berührten etwas tief in ihr. Sie fand das, was sie nie zuvor so erlebt hatte: Liebe, Nähe, ein Gott, der nicht fern ist, sondern der ein Gott der persönlichen Beziehung ist. Die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, kostete sie fast alles. In einer Gesellschaft, in der die Gemeinschaft über dem Einzelnen steht, bedeutete ihr Schritt nicht nur einen Glaubenswechsel, sondern einen Bruch mit allem Vertrauten. Ihr Ehemann wandte sich ab, nahm eine zweite Frau, und Lamarana stand plötzlich allein da. Weil sich die zweite Ehefrau weigerte, ihre Kinder aufzunehmen, konnte L. mit ihnen wegziehen. Gemeinsam fanden sie Zuflucht bei ihrer Schwester, die denselben mutigen Weg gegangen war. Doch mit dieser Freiheit kam auch die volle Verantwortung: für das tägliche Brot und für die Zukunft ihrer Kinder.

Als sich die Tür zur Hauswirtschaftsschule öffnete, ergriff L. diese Chance mit ganzem Herzen. Seit Oktober besucht sie den sechsten Kurs – und sie blüht auf. Mit grossem Interesse, mit Fleiss und einer spürbaren Freude am Lernen bringt sie sich in den Unterricht ein. Auch in der praktischen Arbeit zeigt sich ihr Talent und ihr Engagement. Schon bald ergab sich eine weitere Möglichkeit: eine Anstellung in einer chinesischen Firma, die Nahrungsergänzungsmittel herstellt. Trotz Sprachbarrieren – der Geschäftsführer spricht kein Französisch, L. kein Chinesisch – verstehen sie sich auf erstaunliche Weise. Ein einfacher Handy-Übersetzer wird zur Brücke zwischen zwei Welten. Doch was wirklich zählt, muss man nicht übersetzen: L. wird respektiert und geschätzt. Und sie bekommt regelmässig ihren Lohn und kann damit ihre Kinder ernähren und deren Schulgeld bezahlen. Diese Frau hatte den Mut, Jesus nachzufolgen, im Vertrauen darauf, dass er sie führt. Neulich sagte sie mir, wie dankbar sie für dieses neue Leben in Fülle ist – in Leben in Würde, im Glauben und voller leiser, aber kraftvoller Hoffnung.
Accueil & Admin – was ist das eigentlich?
Accueil bedeutet Empfang, Begrüssung, Aufnahme – Menschen willkommen heissen. Genau dafür schlägt unser Herz. Peter und ich sind seit Jahrzehnten Gastgeber aus Überzeugung. Mit Freude öffnen wir Haus und Hof für die unterschiedlichsten Menschen: Gäste, die für eine Nacht bleiben und dann weiterziehen genauso wie Kinder, die mit Monsieur Pierre im Büro ihre Hausaufgaben machen. Es kommen Studierende, die Rat suchen und Menschen mit medizinischen Anliegen. Unser Alltag ist geprägt von einem lebendigen Kommen und Gehen, von Begegnungen, Austausch und gegenseitiger Unterstützung – ein Geben und Nehmen.

Admin hingegen steht für Administration, Finanzen und Logistik – die stille, aber unverzichtbare Grundlage unserer Arbeit. Vieles davon liegt in Peters Händen. Ein grosser Teil betrifft die Finanzen: Seit Januar 2026 arbeiten wir mit einem neuen Buchhaltungsprogramm, das zunächst zusätzlichen Aufwand bedeutet, uns aber langfristig entlasten soll. Mitte März konnten wir zudem den Jahresabschluss 2025 erfolgreich abschliessen und die Revisionsstelle in der Schweiz hat ihre Zufriedenheit ausgedrückt – ein wichtiger Meilenstein.

Die administrativen Aufgaben hier in Guinea bringen jedoch oft besondere Herausforderungen mit sich. Verzögerungen und unerwartete Pannen in öffentlichen Büros gehören zum Alltag. Umso wichtiger ist es, einen kühlen Kopf zu bewahren, flexibel zu bleiben und Geduld mitzubringen. So ergänzen sich Accueil und Admin: das Herzliche und das Organisierte, das Sichtbare und das Unsichtbare – beides zusammen trägt unsere Arbeit.
Herzlichen Dank für euer Interesse und euer Mittragen.
Peter & Cornelia F.




