Letzten Juni besuchte ich, Hansjörg M., Kamerun, wo wir als Familie vor 35 Jahren im Einsatz waren. Die allgemeine Situation im Land hat mich sehr beschäftigt. Es gibt immer noch keine Ausbildung in praktischer Landwirtschaft. Das Wissen aus den Versuchsanlagen und den Universitäten wird den Bauern nicht vermittelt. Der Boden wird ausgelaugt, die Erträge sind tief und unregelmässig.
Darum habe ich mir immer wieder Gedanken gemacht, ob es eine Möglichkeit gäbe, Kurse zu organisieren. Die Menschen sollen ermutigt und befähigt werden, ihre schwierige Lebenssituation zu verbessern. Ich bin überzeugt vom grossen Potential, die Felder fruchtbarer und produktiver zu machen. Indem man quer zur Hangneigung arbeitet oder terrassiert, dringt der Regen besser in den Boden ein und die Erde wird weniger weggeschwemmt (Erosion). Durch Integration von Bäumen in die Anbauflächen verbessert sich die Bodenfruchtbarkeit längerfristig (Agroforstwirtschaft).

Zuverlässig arbeiten und nichts verschwenden
Ich konnte mit einer internationalen Organisation Kontakt aufnehmen, die eine erfolgreiche, bodenkonservierende Anbautechnik vermittelt: Farming God’s Way. Dort wurde uns empfohlen, einen Kurs in Ruanda zu besuchen, wo auch in Französisch unterrichtet wird. So besuchte ich im Februar mit vier Schlüsselpersonen (drei Männer und eine Frau) den Kurs in Ruanda. Sie waren bei der Ankunft überrascht: Wir haben ein sauberes und sicheres Land angetroffen, das gut regiert wird, mit wenig Korruption! Die vermittelte Anbautechnik kann mit «schöpfungsgemässer Landwirtschaft» übersetzt werden. Es wird nicht gepflügt und der Boden sollte immer abgedeckt sein. Nichts soll verschwendet werden (kein Abbrennen) und zuverlässige und genaue Arbeit ist wichtig. Das Feld muss vor der Regenzeit vorbereitet werden. Am oberen Rand der Parzelle, im rechten Winkel zum Gefälle, spannt man eine Schnur. Für den Anbau von Mais hackt man alle 60 cm ein Loch. In jedes Loch wird die vorgegebene, abgemessene Menge an Kompost oder Mist, Dünger und Asche hineingegeben. Für die nächste Reihe wird die Schnur im Abstand von 75 cm gespannt. Nach einem guten Regen sät man pro Loch drei Körner. Nach dem guten Aufwachsen wird auf durchschnittlich zwei Pflanzen pro Loch vereinzelt, um eine optimale Bestandesdichte zu erreichen. Nachher ist die Unkrautbekämpfung zum optimalen Zeitpunkt wichtig. Bei gutem Wachstum und Regen wird dann bei jedem Loch die benötigte Menge Stickstoffdünger platziert. Ein wichtiger Punkt für den längerfristigen Erfolg ist der Fruchtwechsel (also jedes Jahr eine andere Kultur anbauen: Erdnüsse, Bohnen, Soja, Baumwolle, Hirse).

Das Wissen unbedingt weitergeben
Die vier Schulungsteilnehmenden aus Kamerun haben sich verpflichtet, je drei Modellparzellen an verschiedenen Orten anzulegen und die Leute zu schulen. Meine Hoffnung ist, dass es gelingt und ein offensichtlicher Unterschied sichtbar wird. Höhere Erträge können andere ermutigen, die Anbaumethode anzuwenden.

Leben und Denken verändern
Das Schulungsprogramm ist ein landwirtschaftlicher Jüngerschaftskurs. Durch das Studium von Bibeltexten und Verheissungen werden die Teilnehmenden ermutigt, ihr Leben und Denken zu verändern. Am ersten Kurstag wurde über die Armut in Afrika und die Abhängigkeit von Hilfe nachgedacht und diskutiert. Am letzten Tag hatten wir eine lange Gebetszeit mit Bitte um Transformation für Afrika und die Länder der Teilnehmenden! Wir haben immer wieder das Lied «Jesus ist gut» gesungen, und zwar in den Sprachen der Teilnehmenden nach einer afrikanischen Gospelmelodie. Weiter wurden der Umgang mit Besitz, Ehrlichkeit, Einnahmen und Ausgaben, Sparen und Investieren sowie gute Verwalterschaft thematisiert. Es wurde vermittelt, dass die Feldarbeit ein Segen und kein Fluch ist. Es ist eine ehrenvolle Arbeit, die Gott uns anvertraut hat. Und sie gelingt noch besser, wenn wir sie mit Freude anpacken.
Danke für das Begleiten im Gebet.
Hansjörg M.

WIEDER IN KAMERUN
Sara M. ist nach mehr als 12 Jahren wieder nach Kamerun gereist, weil sie von SAM global angefragt wurde, im Witwenprojekt mitzuarbeiten. Sie berichtet von ihren Eindrücken:
Ich dachte nicht, dass mein Weg nochmals nach Kamerun zurückgehen würde. Bevor die Anfrage kam, ob ich im Witwenprojekt mithelfen möchte, war ich im letzten Mai Moussa und Yougouda in der Schweiz begegnet. Es war ein grosses «Hallihallo». Ich spürte, wie frühere Emotionen wieder hochkamen. Ich glaube, dass mich diese Begegnung auf die Anfrage vorbereitet hat. Schlussendlich reiste ich mit gemischten Gefühlen: Die Vorfreude auf ein Wiedersehen war gross. Gleichzeitig war ich etwas unsicher, ob wieder Ängste hochkommen würden, da sich die politische Lage in Nordkamerun nicht verbessert hat.

Die Fahrt vom Flughafen auf die Station war speziell und ich hatte das Gefühl, nach Hause zu kommen. Das Gewühl auf der Strasse, der Muezzin, der von Blättern gereinigte Boden auf der Station... Aber vor allem war es ein Ankommen, als ich meine Freundinnen nach so vielen Jahren umarmen konnte. Ich hätte nie gedacht, dass ich sie wiedersehen würde und umso grösser war die Freude. Ich fühle mich in diesem Umfeld immer noch wohl und bin gerne mit den Leuten zusammen.

Das Herz nicht verbittern lassen
Zugleich war es auch eine sehr wertvolle Erfahrung, bei der Retraite der Leiterinnen des Witwenprojektes dabei zu sein und sie kennenzulernen. In Jesaja 61 bekommen wir den Auftrag, den Elenden gute Botschaft zu bringen, zerbrochene Herzen zu verbinden und Trauernde zu trösten. Wir haben viel vom Leid, der Ungerechtigkeit und den existenziellen Nöten dieser Frauen erfahren. Ich habe mehrmals mit ihnen geweint und mit ihnen ihre Last vor Gott gebracht. Ihr Mut und ihre Stärke, weiterzumachen, haben mich beeindruckt. Ich habe erlebt, wie sie durch den Glauben Hoffnung finden und ihr Herz nicht verbittern lassen. Trotz allem Leid finden sie Freude. Das hat mich sehr berührt. Julia von Rings of Hope hat mit den Frauen angeschaut, mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben. Die Witwen sind in kleineren Gruppen (in der Regel 12 Frauen) miteinander unterwegs, ermutigen sich gegenseitig, lesen das Wort Gottes, sparen Geld und helfen sich untereinander. Das Geld hat bisher jedoch jede Einzelne für sich verdient. An der Retraite haben wir erarbeitet, dass sie gemeinsam mehr Gewinn erzielen können. Nun wird in beiden Regionen ein grösseres Feld gekauft. Ich bin gespannt, wann sie die erste grosse Bestellung von Erdnüssen in die Hauptstadt liefern können. Ich freue mich, die Frauen im Dezember wieder zu besuchen und zu sehen, wie sich die Arbeit entwickelt hat.
Sara M.

KURZNACHRICHTEN
COLPROMA:
Anfang Januar ist der Direktor KouboubéLambert nach einer mehrereMonate dauernden Krankheit verstorben– ein schwerer Schlag für die Schuleund die Kirche. Seit Beginn des Kalenderjahreswird die Schule von dendrei Personen weitergeführt, die seitAnfang dabei waren. Als neuer Direktorwurde Lamberts Stellvertreter, Edmond J., bestimmt. Der ausgebildete Lehrer bringt viel Erfahrung mit. Es ist nicht einfach für die Verantwortlichen, doch wir hatten einen guten Eindruck von ihnen. Erfreulich ist, dass es 2025 zum ersten Mal kein Defizit gab.
Es haben auch prozentual mehr Schüler die Examen bestanden (Abschluss wie bei uns Sekundarstufe und Matur).
ISTEM
Die Bauarbeiten der Wohnhäuser für den Direktor und den Studiendirektor sind bis auf kleine Arbeiten abgeschlossen. Bis zum Empfang dieser News sollten die beiden Familien eingezogen sein. Wir freuen uns mit ihnen, dass sie von den baufälligen Räumen in ein schönes Haus ziehen können. Nebst SAM global und SAHEL LIFE hilft eine holländische Organisation bei der Finanzierung für weitere Bauten. So soll in diesem Jahr auch für die Studierenden mehr Wohnraum gebaut und die Aussenmauer fertiggestellt werden. Die Klasse auf Niveau IB schliesst dieses Jahr ab. Die Studentenfamilien kehren fürs zweijährige Praktikum in ihre Gemeinde zurück. Ich durfte während einer Woche die Männer und Frauen auf dem Bachelor-Niveau zum Thema Trauma und auch über Gesundheit unterrichten. Das ist gut angekommen. Nach den Sommerferien beginnt eine neue Klasse auf dem Niveau IB.

Witwenprojekt
Anfangs Januar trafen sich die Frauen vom Witwenprojekt: zwei Frauen der Organisation «Rings of Hope» (Bern) sowie Sara M. und ich (Helen M.). Die beiden kamerunischen Leiterinnen brachten je drei Frauen mit, die sie künftig tatkräftig unterstützen sollen. Sie sollen auch in die weitere Planung einbezogen werden. Eine weitere Frau, Habiba C., konnte für die Buchhaltung und Esthere E. für die Administration (vorgesehen für Projektmanagement) gefunden werden. Die letzteren haben eine fundierte Ausbildung und wohnen in Maroua. Sie sind keine Witwen, sollen aber vor Ort das Projekt besser begleiten. In der Region Mora konnte ein Gelände gekauft werden, damit die Witwen, welche selbst keine Felder mehr haben, Erdnüsse pflanzen können. Inzwischen gehen die Gründungen neuer Gruppen und die Schulungen im Bereich Kleinunternehmen weiter. Bis zur Erscheinung dieser News sollte es ca. 60 Gruppen mit je 12 Frauen geben.
Allgemeines
Die Parlamentswahlen hätten im März stattfinden sollen. Bis jetzt ist nicht bekannt, wann sie durchgeführt werden. Die Sicherheit im ganzen Land hat sich weiter verschlechtert. Vor allem in den verschiedenen Grenzregionen kommt es immer wieder zu Entführungen mit Lösegeldforderungen und gibt Überfälle, bei denen immer wieder Personen ums Leben kommen. Da die Ausfuhr von Getreide verboten wurde, ist der Getreidepreis stark gesunken. So haben viele Landwirte und Händler (auch die Witwen) mit den Getreidebanken Verluste gemacht. Die tiefen Preise sind gut für die Armen, doch schwierig für die Produzenten.
Kirche
Die Generalversammlung in Kousseri ist gut verlaufen. Im Vorfeld gab es viele Diskussionen über die Anreise (Entführungsgefahr). Schliesslich entschieden sich die Verantwortlichen, im Konvoi der tschadischen Grenzen entlang in den Norden zu fahren und nicht über den üblichen Weg der nigerianischen Grenze entlang.
Wir freuen uns, dass die Subventionen für die Schulen nun wieder an der Basis ankommen. Präsident Salomon H. setzt sich als Präsident der CEPCA (Allianz der evangelischen Kirchen in Kamerun) dafür ein, dass alles korrekt läuft. Über 30 Primarschulen wurden in den letzten zwei Jahren von verschiedenen Gemeinden gegründet.
Helen M.
Herzlichen Dank für euer Interesse und eure Unterstützung!
Andreas Zurbrügg, Länderverantwortlicher Sahel




