Wir haben eine ausgiebige Regenzeit hinter uns. Nun sind auch bei uns die Tage etwas kürzer und wir haben die kältesten Nächte des Jahres. Trotzdem sagt man der Trockenzeit lustigerweise Sommer.
Momentan bilden wir mit Pascal ein Dreierteam. Pascal ist unser 20. Kurzzeitmitarbeiter. Dass schon so viele junge Menschen eine kürzere oder längere Zeit hier mit uns verbracht haben, freut uns. Wir denken, dass es für die meisten ein wichtiger Lebensabschnitt ist. Pascal studiert Naturwissenschaften an der ETH Zürich und hat sich bei uns vor allem der Produktion von Kompost gewidmet. Einerseits machte er mit verschiedenen Komponenten Kompostmischungen, die dann in der Schweiz auf ihre Inhaltsstoffe geprüft werden. Andererseits versucht er Kunden zu gewinnen, die den Kompost kaufen, um ihre Böden zu verbessern.

Das grosse Interesse spornt an
Auch in der Arbeit mit den Pflanzen ist uns Pascal behilflich. Wir sind dran, die Pflanzen im Garten detaillierter zu beschriften. Ebenso arbeiten wir daran, dass per QR-Code die Eigenschaften der jeweiligen Pflanze gehört werden können. Es hat sich nun etwas etabliert, dass wir jeweils im Mai und November ein dreitägiges Seminar machen. In den Monaten dazwischen bieten wir einzelne Thementage, wozu alle, die an einem Seminar teilgenommen haben, eingeladen werden. Im letzten Seminar im November waren einige Teilnehmende, die nun schon das dritte oder vierte Mal mitgemacht haben. Das hat mich besonders gefreut. Sie sind sehr engagiert und man sieht, dass sie immer besser werden in den Pflanzenkenntnissen. Überhaupt waren alle Teilnehmenden sehr interessiert, das war ermutigend. Wir haben neue Salben ausprobiert und das erste Mal eine Tinktur gemacht. Auch gingen wir als Gruppe gemeinsam in den Wald. Dort suchten wir nach Pflanzen und konnten den Teilnehmenden neue und altbekannte Pflanzen zeigen und erklären.
Meine grosse Freude sind die Thementage. Da haben wir, wie der Name sagt, jeweils ein Thema: sei es die gründliche Auseinandersetzung mit einer Pflanze wie beispielsweise der Papaya oder eine Aktivität wie die Herstellung eines Produktes mit Kurkuma. Ein wichtiger Teil dabei ist immer der Austausch der Teilnehmenden über ihre Erfahrungen bei der Anwendung des Gelernten. Das vertieft das Wissen, kann korrigieren und ist vor allem sehr ermutigend. Es hilft auch uns Leitenden, unser Wissen zu erweitern, insbesondere wenn neue Rezepte von verschiedenen Personen angewandt werden und sie ihre Erfahrungen weitergeben. Ich bin sehr dankbar für diese Tage!

Madeleine, eine Teilnehmende, berichtet: «Wenn man etwas zum ersten Mal hört, besonders wenn es sich um Pflanzen im Wald handelt, kann man es schnell wieder vergessen. Aber wenn man dann wieder in den Wald geht, erinnert man sich und beginnt es auszuprobieren. Jedes Mal gibt es auch neue Pflanzen, die man sieht und kennenlernt. Am besten ist es, wenn man etwas sofort anwendet, beispielsweise eine neue Salbe oder Pflanzenmischung. Mein Problem ist, dass ich manchmal nicht genug Geld habe, um das nötige Öl zu kaufen.»

«Dass ich das noch erleben darf!»
Pastor David erzählt: «Seit über 60 Jahren arbeite ich mit den Pflanzen. Man kann sagen, dass ich mein ganzes Leben lang meine Familie damit ernährt habe. Bis heute suchen immer noch viele Menschen bei mir Hilfe bei Krankheiten. Immer öfter verweise ich sie an Pasteur Esaïe. Er ist jung und kann mich gut ersetzen. Als ich die Ausbildung als Pastor machte, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es einmal Seminare über die natürliche Medizin geben würde. Es erfüllt mich mit grosser Freude, dass ich das noch erleben darf.»

Sehr wertvoll ist die Zusammenarbeit mit Anamed (Aktion Natürliche Medizin). Das ist eine deutsche, christlich orientierte Organisation, die weltweit Hilfe zur Selbsthilfe durch natürliche Medizin in Entwicklungsländern anbietet. Das geschieht, indem sie lokale Heilpflanzen und traditionelles Wissen vermittelt, um erschwingliche Medikamente herzustellen und die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Pasteur Esaïe und ich können viele ihrer Dokumentationen übernehmen, was unsere Arbeit sehr erleichtert. Die meisten der von ihnen beschriebenen Pflanzen gibt es bei uns. Begehrte Lehrstellen Emanuels Arbeit mit den Mechanik-Lernenden läuft gut. Die Nachfrage für Lehrlingsplätze ist immer gross. Wir müssen jeweils eine Auswahl von 30 jungen Frauen und Männern treffen. Dies ist die Limite für die Ausbildner und auch im Blick auf den zur Verfügung stehenden Platz. Zurzeit ist die Reisernte in vollem Gange. Das bedeutet, dass die Lernenden der Landwirtschaftsmechanik keine Ferien haben, sondern Kundenaufträge ausführen oder Maschinen reparieren.
Auf dem Weg der Versöhnung
Auch an der Bibelschule in Télékoro sind wir mit unserem üblichen Unterricht dran. Ein Lichtblick ist, dass der jahrelange Streit in der Kirche nun beigelegt werden konnte. Das ist für die Bibelschule und auch für uns eine grosse Freude, sind wir doch Teil der Kirche und in grossen Entscheidungen von ihr abhängig. Mitte Januar soll eine neue Leitung gewählt werden. Wir beten und hoffen auf eine gute Wende. Wir bedanken uns sehr für euer Interesse an unserer Arbeit. Möge Gott euch reich segnen.
Emanuel & Renate W.





