Guinea

Das tun, was Gott für uns vorbereitet hat

6.7.2026
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5
Min.
Emanuel und Renate vor einigen Jahren

Bald werden es 10 Jahre sein, seit wir die Schweiz und damit auch unsere Töchter und unsere grosse Familie verlassen haben. All unser Hab und Gut hatte sich auf ein paar wenige Kartonschachteln reduziert. Im Herzen zuversichtlich, hoffnungsvoll und mit Freude machten wir uns auf den Weg nach Afrika, genauer gesagt nach Kissidougou in Guinea.

Der Anfang war geprägt durch das Kennenlernen vieler lieber und hilfsbereiter Menschen, durch viel Freude darüber, dass wir so viel Neues entdecken und machen durften, aber auch durch Unsicherheit und manchmal Überforderung. In viele Fettnäpfchen sind wir gestolpert und haben uns nicht kulturell angepasst verhalten. Über einiges schmunzeln wir, anderes tut uns leid.

Diese sechs Lernenden hat Emanuel zu Beginn angetroffen

Sichtbare Veränderungen

Heute, zehn Jahre später, sehen wir Früchte unserer Arbeit. Jugendliche sind persönlich gereift und gute Mechaniker geworden, Frauen und Männer sind in ihrer Persönlichkeit gewachsen, haben gelernt, wie wichtig es ist, dass der Glaube an Jesus Hand und Fuss hat. Menschen haben entdeckt, wie hilfreich Medizinalpflanzen sind. Andere wollen sich in Zukunft gegen die hier übliche Mädchenbeschneidung engagieren. Einige haben Anstellungen gefunden und sind heute sehr respektierte Menschen. Da sind Frauen, die etwas Geld verdienen können, indem sie Salben produzieren und verkaufen, und Männer, die durch ihr an der Bibelschule gelerntes Schreiner-Handwerk eine Akzeptanz als Pastor in einem Dorf finden. Es gibt Leute, die zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben, weil ihre Verbrennung gepflegt und geheilt wurde.

Der Unterricht fand inmitten der Maschinen statt

Wenn wir das Haus verlassen, rufen die Kinder: «Hallo Maman Renate» oder: «Maître Emanuel» – oder ganz einfach: «Toubabou nii» (die Weissen hier). Wir sind die einzigen Weissen unter den 140‘000 Menschen der Stadt und darum nicht übersehbar. Doch wir fühlen uns hier zu Hause. Wir sind Teil der Gesellschaft, sind integriert und vernetzt. Wir sind geschickt im Feilschen auf dem Markt, wir wissen oft, wann wir etwas sagen oder besser schweigen sollten oder wen wir anrufen müssen, um zu dem dringend benötigten Diesel zu kommen, wenn in der ganzen Stadt scheinbar nichts auffindbar ist.

Wir haben aber auch weniger schöne Erfahrungen gemacht: Wir wissen, was es heisst, Malaria zu haben, von Amöben geschwächt zu sein. Wir kennen die Hautfurunkel zur Genüge oder haben gelernt, meistens auch dann Schlaf zu finden, wenn der Lärm der Bar die ganze Nacht durch anhält. Längst ist es normal, dass aus Sicherheitsgründen Tag und Nacht Wächter unseren Hof bewachen. Das ist etwas, was uns manchmal ein wenig die Privatsphäre raubt. Wir haben auch gemerkt, dass einige Leute mehr wegen unserem Geld als wegen uns als Menschen unsere Freundschaft suchen. Wir tun uns manchmal schwer, Menschen zu jeder Tageszeit freundlich zu empfangen und wurden schon oft übers Ohr gehauen.

Es hat etwas mit Gott zu tun

10 Jahre im interkulturellen Dienst – würden wir es wieder tun? Interessanterweise haben wir nie grundsätzlich an unserem Hiersein gezweifelt. Und das, obwohl wir uns fast täglich die Frage stellen, ob es gut ist, wie wir uns hier engagieren. Vielleicht war unsere Berufung stark genug? Oder unsere Persönlichkeiten geben auch in Schwierigkeiten nicht schnell auf? Tatsache ist auch, dass vieles, was wir hier machen können, uns sehr entspricht. Wir können sehr innovativ sein, lieben den Kontakt mit Menschen, erleben auch Wohlwollen und fühlen uns willkommen.

Renate mit Frauen eines Kurses für Medizinalpflanzen

So türmen sich Schönes und Schwieriges gleichzeitig auf. Und ehrlicherweise wollen wir hier nicht sagen, dass das Schöne bei weitem überwiegt. Doch es hat etwas mit unserem Gott zu tun: Wir glauben, dass er uns hierhergebracht hat, er hat uns nicht gestossen, aber er hat hier etwas für uns vorbereitet, wo wir uns mit unseren Gaben einbringen und einen Unterschied machen können. Unser Berufungsvers findet sich in Offenbarung 8,3: «Ich weiss, was du getan und geleistet hast. Sieh, ich habe dir eine Tür geöffnet, die niemand verschliessen kann. Deine Kraft ist klein, doch du hast an dem, was ich gesagt habe, festgehalten und dich unerschrocken zu mir bekannt.»

Wie oft hat uns der Vers hier im Alltag geholfen. Gott sagt: «Deine Kraft ist klein.» Wie oft fühlen wir uns genauso: klein, mutlos, unfähig, nicht qualifiziert.

Da ist es überwältigend zu wissen, dass Gott weiss, dass unsere Kräfte klein sind, dass er uns zumutet, hier zu sein, wo wir sind, und dass er mit uns zusammen am Werk ist. Das relativiert alle Schwierigkeiten.

Wir sind in diesen zehn Jahren hier etwas müde geworden und selbstverständlich auch zehn Jahre älter. Wir müssen unsere Kräfte gut einteilen und achtsam sein. Gerne möchten wir jedoch weiter in Kissidougou leben und arbeiten, «s’il plaît à Dieu», wie man hier zu sagen pflegt. Und wenn es dem liebenden Gott gefällt, dann gibt er uns immer wieder die nötige Kraft und Freude, um das zu tun, was er schon für uns vorbereitet hat.

Von den 34 Lernenden haben dieses Jahr 15 abgeschlossen, darunter 4 Frauen

Herzlichen Dank für all eure Unterstützung und euer Mittragen durch diese vielen Jahren.
Emanuel und Renate W.

SAM global
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