Unter der Leitung von Manu Dufner und Lukas Bernhardt war eine zehnköpfige Gruppe mit Personen ganz unterschiedlichen Alters vom 10.-24. Januar in Kambodscha unterwegs. Gemeinsam war ihnen der Wunsch nach geistlichem Wachstum, praktischem Dienen und echten Begegnungen. Nachfolgend ein Bericht:
Es gibt Erholungsreisen und es gibt Reisen, die uns innerlich verschieben und verändern. Unser Einsatz in Kambodscha gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Alles begann nicht in Südostasien, sondern im Schnee von Zürich. Enteisung, Sturm, langes Warten und die leise, nagende Frage, ob wir unseren Anschlussflug erreichen würden. Mitten in diese Unruhe hinein stand ein einfaches Gebet: «Danke Jesus, du hast alles in deinen Händen.» Kurz nach 13 Uhr rollte das Flugzeug endlich auf die Startbahn. Die Antwort auf unsere Frage kannten wir noch nicht, aber wir entschieden uns bewusst zu vertrauen. Dieses Vertrauen sollte uns durch die kommenden Tage tragen.

Nach einer ruhigen Zwischenlandung in Singapur, inklusive einer überraschend schönen Orchideensammlung, ging es weiter nach Phnom Penh. Dort empfing uns Lukas Bernhardt. Er ist Schweizer, Mitarbeiter von SAM global und seit rund 20 Jahren mit Kambodscha verbunden, wo auch heute noch ein Teil seiner Familie lebt. Lukas brachte uns mit Tuk-Tuks zu unserer ersten Unterkunft. Müde, aber voller Vorfreude, sassen wir am Abend auf einer Dachterrasse, assen gemeinsam und liessen den Tag ausklingen. Das Gefühl, wirklich angekommen zu sein, machte sich breit. Doch nicht lange, denn Kambodscha nimmt einen sofort hinein ins Leben.

Eine faszinierende Zugreise
Frühmorgens, noch vor Sonnenaufgang, standen wir wieder bereit. Der Zug wartete bereits. Vier Stunden Fahrt nach Pursat lagen vor uns, durch üppige Landschaften und vorbei an Dörfern, in denen Menschen direkt neben den Gleisen leben und arbeiten. Diese Fahrt war weit mehr als ein Transport von A nach B – sie war ein erstes tiefes Eintauchen in eine andere Realität. Im Lighthouse Pursat wurden wir wie Familienmitglieder empfangen. Ein warmes Essen, offene Herzen und ehrliches Interesse gaben uns das Gefühl, willkommen zu sein. 32 Jugendliche leben hier – sie schlafen, lernen, essen, lachen und dürfen wachsen. Viele von ihnen hätten ohne dieses Projekt kaum Zugang zu Bildung und stabilen Lebensstrukturen. Am Nachmittag erzählte Lukas seine Geschichte: Wie Gott ihn als jungen Mann nach Kambodscha führte, wie Lighthouse Battambang entstand und später Lighthouse Pursat. Es war kein perfekter Masterplan, sondern ein Weg des Schritt-für-Schritt-Gehorsams. Am Abend sassen wir in einem Park und beobachteten die Menschen, die Sport trieben, lachten und miteinander redeten. Es sind Menschen, die Krieg, Armut und Hunger kennen – und dennoch eine spürbare Lebensfreude ausstrahlen. Dieser Kontrast hat sich uns tief eingeprägt.

Beeindruckende Hingabe
Weiter ging es nach Battambang. Wieder wurden wir herzlich empfangen, wieder spürten wir diese selbstverständliche Gemeinschaft. Besonders beim gemeinsamen Essen mit den Schülern spürten wir, dass es hier nicht in erster Linie um Programme geht, sondern um Beziehungen. Wir erfuhren mehr über die Arbeit von Lighthouse Battambang, sahen die Schlafräume, Lernorte und Werkstätten. Es hat uns beeindruckt zu sehen, mit wieviel Hingabe sich die selbst noch jungen Leitenden in die Jugendlichen investieren. Am Abend, bei Lukas zuhause, begannen wir unsere eigenen Geschichten zu teilen. Wir erzählten uns von Highlights, von Schwierigkeiten und von unseren Hoffnungen. Dabei wurde spürbar: Gott schreibt mit jedem von uns seine Geschichte – und manchmal wird sie erst im Teilen sichtbar.

Lernen, Freude und Staunen
Beim Besuch der Kingdom School (René und Vanessa P.) öffnete sich für uns eine weitere Welt. Struktur und Kreativität gehen hier Hand in Hand. Die Kinder kommen mit sichtbarer Freude zur Schule und das Lernen ist oft mit Bewegung verbunden. Die Lehrpersonen sind mit ganzem Herzen dabei, das ist offensichtlich. Später standen wir auf dem Hausberg von Battambang. Mit weitem Blick über das Land beteten wir für Kambodscha, für die Projekte und für die Menschen. Gemeinsam sangen wir das Lied «Waymaker». Als plötzlich tausende Fledermäuse aus einer Höhle strömten, entstand ein Moment des Staunens, der sich unauslöschlich einprägte.
Dienen – anders als gedacht
Wir waren nach Kambodscha gereist, um zu helfen, mit anzupacken und zu unterstützen. Doch genau das durften wir oft nicht. Lukas erklärte uns, dass es in diesem Kulturkontext entwertend wirken kann, wenn man praktisch hilft. Dienen bedeutet hier, sich bedienen zu lassen, zu warten und zu lernen – nicht zu bestimmen, sondern zuzuhören. Diese Lektion ging tiefer als jede praktische Arbeit.

Was schwimmt da in der Suppe?
An einem Tag ohne vorgegebenes Programm besuchten wir den Markt, machten kulturelle Entdeckungen oder erholten uns am Pool. Am Abend genossen wir ein gemeinsames Essen mit dem Lighthouse-Team, inklusive einer Suppe mit ungewohnten Zutaten. Da war etwas Mut gefordert. Am Sonntag erlebten wir einen kambodschanischen Gottesdienst. Pastor Vanna predigte über Versuchung, Identität und Heimat und erinnerte uns daran, dass unser eigentliches Zuhause nicht diese Welt ist, sondern der Himmel.
Zur rechten Zeit anpacken
Gegen Ende unseres Einsatzes durften wir dann doch ganz praktisch mithelfen. Wir gingen auf den Markt, kauften ein und kochten. Andere kümmerten sich um Reparaturen, flickten Netze und ersetzten Wasserhähne. Noch wertvoller als die Arbeit selbst waren jedoch die Geschichten, die wir hörten: Wege ins Lighthouse, veränderte Leben und neu gewachsene Hoffnung. Am Schluss beteten wir füreinander, segneten uns und erlebten eine Gemeinschaft, die trägt.

Schönheit und Elend
Per Boot ging es weiter nach Siem Reap. Wir sahen gleichzeig zwei verschiedene Seiten Kambodschas: atemberaubende Natur und bittere Armut. Häuser auf dem Wasser, grosszügige Gastfreundschaft – und überall Plastik. Da wurden unsere Herzen schwer. Angkor Wat und Ta Prohm sind mehr als Sehenswürdigkeiten. Sie zeigen auf, wie untrennbar Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen.


Was bleibt?
Dieser Einsatz hat uns verändert. Nicht, weil wir ein Land bereist haben, sondern weil wir Menschen begegnet sind. Weil wir Hoffnung gesehen und gespürt haben, dass Gott am Werk ist. Wir lernten unterschiedliche Einsatzarten kennen: eine langfristige Entwicklungszusammenarbeit und eine Kirchenarbeit, die sich nach aussen richtet. Unterschiedlich und doch gemeinsam, das hat uns begeistert. Unsere Herzen brennen weiter für Einsätze, fürs Dienen und für Menschen. Und wir wissen, dass dies nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass wir so einen Einsatz wagten.
Manu Dufner und Team
Bist du dabei?
Du möchtest auch so etwas erleben? Nächstes Jahr ist wieder eine Einsatzreise unter der Leitung von Lukas Bernhardt geplant. Provisorisches Datum: 17.-30. Januar 2027. Interessiert? Melde dich bei: lukas.bernhardt@sam-global.org
VIELE MENSCHEN KÖNNEN (NOCH) NICHT NACH HAUSE ZURÜCKKEHREN
Dass die Einsatzreise im vergangenen Januar überhaupt stattfinden konnte, war aufgrund der politischen Situation bis kurz vorher unklar. Entlang der rund 800 Kilometer langen Grenze zu Thailand war es im vergangenen Jahr zu bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen, bei denen Soldaten und Zivilisten ums Leben kamen. Zehntausende Menschen mussten ihre Dörfer verlassen. Auch wenn der Waffenstillstand zu einer gewissen Beruhigung führte, leben viele Familien bis heute in Unsicherheit. Da Thailand Gebiete für sich beansprucht, können sie noch immer nicht in ihre Häuser zurückkehren. Verminte Landstücke und militärische Sperrzonen erschweren eine Rückkehr zusätzlich. Dies bringt eine hohe psychische Belastung mit sich und für viele Kinder bedeutet das der Unterbruch ihrer Schulbildung.

Der Wahlausgang in Thailand könnte die Lage kurzfristig eher verhärten. Nationale Sicherheit und Grenzschutz spielten im Wahlkampf eine wichtige Rolle, was politische Kompromisse nun wahrscheinlich schwieriger macht. Gleichzeitig betont die kambodschanische Regierung unter Premierminister Hun Manet, dass sie auf diplomatische Lösungen und die Wiederaufnahme der gemeinsamen Grenzkommission setzt.
Für unsere Arbeit und unsere Mitarbeitenden in Kambodscha heisst das: Stabilität ist keine Selbstverständlichkeit. Besonders in fragilen Grenzregionen sind Bildungsangebote, Berufsbildung und Einkommensperspektiven entscheidend, damit junge Menschen Zukunftschancen erhalten und Familien trotz politischer Spannungen Hoffnung bewahren.

Menschen in Not nicht alleine lassen
Durch das Nothilfe-Mailing, das wir Anfang Jahr verschickt haben, kamen bis jetzt rund CHF 3’000 zusammen. Mit dieses Geld planen wir weitere punktuelle Hilfe an Personen, die nicht in ihr Zuhause zurückkehren können.
Vielen Dank für euer Interesse und dass ihr diesen Weg mit uns weitergeht.
David Keller, Länderverantwortlicher Kambodscha




