Sosthène N. ist der Koordinator der landwirtschaftlichen Entwicklungsorganisation Wity-Agro, die Landwirte im effizienten und nachhaltigen Anbau ihrer Felder unterstützt und fördert. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.
Sosthène, du bist Experte für Agrarökologie. Was inspiriert und motiviert dich in diesem Bereich?
Was mich vor allem inspiriert, ist die Möglichkeit, konkrete Lösungen für die Probleme zu bieten, mit denen die Landwirte tagtäglich konfrontiert sind. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem die Landwirtschaft den Lebensunterhalt der meisten Familien sichert. Schon sehr früh habe ich gesehen, wie hart Landwirte arbeiten, oft ohne die erhofften Ergebnisse zu erzielen – aufgrund der Verschlechterung des Bodens, fehlender Mittel oder klimatischer Schwankungen.

Angespornt hat mich der Erfolg bei den «Wityculteurs». Das sind Landwirte, die ausgewählt wurden, um agroökologische Techniken in den Dörfern umzusetzen. Einige von ihnen standen den neuen landwirtschaftlichen Praktiken sehr skeptisch gegenüber. Nach der Einführung von Kompostierung und agroökologischen Praktiken übertrafen die Erträge bei Tomaten, Salat und Peperoni alle Erwartungen derjenigen, die unsere Anweisungen befolgt hatten.
Es sind diese real sichtbaren Verbesserungen, die mich motivieren.
Als SAM global dich 2022 bat, eine Machbarkeitsstudie durchzuführen, war Wity-Agro eher eine Organisation auf dem Papier und hatte noch nicht viele Aktivitäten. Trifft dieser Eindruck zu?
Ja, im Grossen und Ganzen schon. Wir hatten damals viele Ideen, viel Energie und einen starken Tatendrang, aber noch wenig Mittel, um unsere Vision vollständig umzusetzen. Wity-Agro war eine junge Organisation, die fest an das Potenzial der Agrarökologie glaubte, sich aber erst noch beweisen musste. Die von SAM global in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie war einer der ersten grossen Vertrauensbeweise, die unserer Organisation zuteil wurden. Sie gab uns die Gelegenheit, unsere Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und einen wichtigen Schritt in unserer Entwicklung zu machen.
Die Umsetzung des PARA-PS-Projekts (Ertragssteigerung auf kleinen Anbauflächen) stellte anschliessend einen echten Wendepunkt dar. Sie ermöglichte es uns, unsere technischen, administrativen und organisatorischen Kapazitäten schrittweise auszubauen und unsere Präsenz in den Dörfern zu stärken. Innerhalb von fünf Jahren hat sich Wity-Agro zu einer Organisation entwickelt, die in der Lage ist, Teams, Ressourcen, Infrastrukturen und Partnerschaften langfristig zu verwalten. Heute hat Wity-Agro zehn fest angestellte Mitarbeitende und bietet rund vier Praktikumsplätze pro Jahr an.

Was waren für dich als Projektleiter in den vergangenen Jahren die grössten Herausforderungen? Was hast du persönlich daraus gelernt?
Zuerst mussten wir das Vertrauen der Dorfgemeinschaften gewinnen. Wenn man neue Anbaumethoden vorschlägt, ist es normal, dass die Produzenten erst Ergebnisse sehen wollen, bevor sie sich voll und ganz darauf einlassen. Ich erinnere mich zum Beispiel an ein Dorf, in dem die Bauern uns baten, ihnen chemische Dünger zu bringen, da sie nicht davon überzeugt waren, dass sie mit natürlichen Produkten gute Erträge erzielen könnten. Dort mussten wir vor Ort präsent sein, zuhören und gemeinsam mit ihnen die Pfumwudza-Technik (in Simbabwe entwickelte Intensivanbaumethode) anwenden. Die spektakulären Ergebnisse sprachen dann für sich.
Mir persönlich ist bewusst geworden, dass es nicht ausreicht, über Fachwissen oder gute Ideen zu verfügen. Man muss auch wissen, wie man eine solide Organisation aufbaut, ein Team begleitet, Ressourcen verantwortungsbewusst verwaltet, Partnerschaften aufbaut und eine langfristige Vision im Blick behält. Das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis, die ich aus den letzten Jahren mitnehme.
Wity-Agro hat sich zu einer in der Branche bekannten Organisation entwickelt. Welche Faktoren haben dazu beigetragen, dass die Organisation sichtbar und bekannt geworden ist?
Der erste Faktor ist die Qualität und Relevanz der Arbeit vor Ort. Von Anfang an haben wir konkrete Lösungen angeboten, die auf die Gegebenheiten der Produzenten zugeschnitten sind und sichtbare sowie nachhaltige Ergebnisse liefern – bis heute haben wir 2’456 Produzenten in drei Zonen (Ouagadougou, Loumbila und Pabré) begleitet. Auch unsere regelmässige und langfristige Präsenz hat eine wesentliche Rolle gespielt. Wir haben Wert gelegt aufs Zuhören, auf den Dialog und eine nahe Begleitung. Das schuf Vertrauen und hat ganz natürlich zu einer positiven Mund-zu-Mund-Propaganda geführt.
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Unsere Glaubwürdigkeit wurde gestärkt durch den Aufbau des agroökologischen Zentrums von Loumbila, den Erhalt der SPG-Bio-Zertifizierung, unserer Teilnahme an zahlreichen Fachworkshops, Messen und Fachausstellungen sowie durch die im Laufe der Jahre erhaltenen Auszeichnungen: 1. Preis in der Kategorie «Nachhaltige Landwirtschaft» an der Nationalen Woche der Grünen Wirtschaft im Jahr 2024 und 2. Preis für die Herstellung von biologischen Pflanzenschutzmitteln an den zweiten Nationalen Tagen der Agrarökologie im Jahr 2025. Unser Engagement als Vorstandsmitglied im CNABio (nationaler Verband biologischer Landwirtschaft) hat zudem unsere institutionelle Position im Bereich des biologischen Landbaus und der Agrarökologie gefestigt.
Hat der gute Ruf von Wity-Agro zu neuen Projekten, Dienstleistungen oder Engagements geführt?
Ja, auf jeden Fall. Heute werden wir regelmässig gebeten, Schulungen durchzuführen, unsere Erfahrungen weiterzugeben und Initiativen im Bereich der Agrarökologie und der nachhaltigen Entwicklung zu begleiten. Wir hatten insbesondere die Ehre, in der Elfenbeinküste und im Tschad Schulungen durchzuführen. Diese Erfahrungen haben bestätigt, dass die Herausforderungen der Produzenten von Land zu Land oft ähnlich sind: Bodendegradation, Klimawandel, Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit oder die Suche nach nachhaltigen und zugänglichen Lösungen. Wir konnten unsere Erfahrungen weitergeben und gleichzeitig viel über die Realitäten und Innovationen in anderen Kontexten lernen.

Dass Wity-Agro diesen Weg zurücklegen konnte, verdanken wir dem Engagement unseres Teams, dem Vertrauen der Dorfgemeinschaften und der Unterstützung von Partnern wie SAM global, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben, als wir noch ein junges, im Aufbau befindliches Unternehmen waren. Wir sind dankbar für den zurückgelegten Weg und umso motivierter, gemeinsam in den kommenden Jahren noch viel zu erreichen.
Weiterbildung - wertvoll für das CEFM
Kibsa D. ist akademischer Leiter und einer von zwei hauptamtlichen Lehrern am CEFM (Evangelisches Zentrum für transkulturelle Arbeit). Seit drei Jahren studiert er berufsbegleitend am IMAF (Institut Missiologique d’Afrique Francophone) und arbeitet aktuell an seiner Bachelor-Arbeit. Er berichtet:
Ich danke Ihnen, dass Sie mir die Gelegenheit geben, zu erläutern, wie die Ausbildung am IMAF mein Leben, meine Sichtweise auf die Weitergabe der Guten Nachricht und mein Engagement am CEFM geprägt hat und inwiefern mir das Studium dabei geholfen hat, meinen Unterricht zu verbessern und zu konkretisieren. Zunächst einmal werden uns am Institut verschiedene Fächer von qualifizierten Doktoren vermittelt. Wir sind begeistert, weil die Vorlesungen qualitativ hochwertig sind und auch in ihrem Umfang unseren Erwartungen entsprechen.
Bereits während des ersten Studienjahres im Jahr 2024, anschliessend an das erste sechswöchige Modul, begann ich, unsere Unterlagen für die Sensibilisierung der Pastoren für die transkulturelle Arbeit zu überarbeiten. Die Ausbildung verlieh mir Grundkenntnisse und genug Selbstvertrauen, sodass ich das Dokument inhaltlich vertiefen konnte. Dabei gestaltete ich auch die Titelseite und das Inhaltsverzeichnis neu und bereicherte das Dokument mit passenden Bildern. Die Pastoren, die an die Sensibilisierungsveranstaltungen kommen, berichten, wie diese Ausbildung ihnen geholfen hat, nicht nur die transkulturelle Arbeit zu verstehen, sondern sich auch in der Unterstützung der Mitarbeitenden zu engagieren.
Dieses Studium hat die Qualität des Unterrichts, den ich am CEFM halte, verbessert. Die Planung eines Moduls oder die Erstellung von Lehrmaterial ist für mich einfacher geworden.
Kibsa D.

Die Frauen engagieren sich
Am CEFM werden seit anderthalb Jahren Pastoren der EE/SIM für den wichtigen Auftrag der transkulturellen Arbeit sensibilisiert. In Ouagadougou sind es jedoch die Frauen, die (bereits zum dritten Mal) aktiv wurden. In einer grossen Spendenaktion haben sie über vier Millionen FCFA (über CHF 6000.-) mobilisiert. Damit konnten sie Motorräder für fünf Einsatzleistende finanzieren. Bei einer grossen Übergabezeremonie am 23. Mai gab es zudem Lebensmittel und Umschläge mit Bargeld für 10 Familien, dazu viele Kleider und 200 Hepatitis-Schnelltests. Das Departement für transkulturelle Arbeit der Kirche erhielt einen neuen Beamer und an einem Standort konnte ein Brunnen gebohrt werden. Das schreibt der Präsident der Kirche.
Wir sind beeindruckt von dieser erfolgreichen lokalen Initiative und gratulieren den beteiligten Frauengruppen. Es ist ermutigend zu sehen, dass die lokale Kirche Verantwortung übernimmt und wir das Anliegen der kulturübergreifenden Arbeit in Burkina Faso und den angrenzenden Ländern gemeinsam tragen.
Andreas Zurbrügg, Länderverantwortlicher Sahel


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