Tschad

Berührt von der Guten Nachricht

17.4.2023
|
10
Min.
Eine Gruppe von jungen Tschaderinnen und Tschadern steht zusammen im Freien

Nach all den dunklen Ereignissen, die das Land seit dem 20. Oktober 2023 durchgemacht hat, ist die Situation im Moment recht ruhig.

Für viele im Tschad scheint Gott abwesend zu sein, aber der geistliche Mensch wagt zu glauben, dass aus der Ruhe und Stille die Erlösung kommen wird. In Jesaja 30,15 heisst es: «Denn so spricht der HERR, der Ewige, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein. Aber ihr habt nicht gewollt!»

Ein neuer Versammlungsraum

Bis zu meiner Hochzeit haben wir uns als Gruppe, die die Weitergabe der frohen Botschaft von Jesus Christus auf dem Herzen hat, bei mir zu Hause getroffen. Es sind etwa 30-40 junge Leute dabei. Sie werden in der Nachfolge von Jesus geschult, wir beten zusammen und bereiten uns auf Einsätze vor, bei denen wir die Gute Nachricht weitergeben. Da mein Wohnzimmer nun nicht mehr im gleichen Masse genutzt werden kann, haben wir Geld gesammelt und auch von SAM global Unterstützung erhalten, um im Hof einen eigenen Versammlungsraum in der Grösse von zehn auf sechs Meter zu bauen. Es hat mich sehr beeindruckt, wie motiviert die jungen Leute mitgeholfen und gemeinsam gearbeitet haben. Sobald die kleine Umzäunungsmauer fertig ist und wir über die nötige Möblierung verfügen, werden wir unsere Aktivitäten wieder aufnehmen.

Gemeinsam anpacken für einen neuen Versammlungsraum

Begleitung von Kindern und Jugendlichen

Inzwischen kümmere ich mich wieder um Strassenkinder und die regelmässige Begleitung einzelner Jugendlicher. Mit Olivier bin ich beispielsweise schon drei Jahre unterwegs. Er konnte nun sein Studium abschliessen und wird sich mit seinem Bachelor in Französisch an der Sekundarschule Mustakhbal Wa Radja’ einsetzen, sobald diese ihre Türen öffnet. Dorigine wird bald die Ausbildung als Elektriker abschliessen und im nächsten Jahr mit dem Studium an der Universität beginnen. Stéphane haben wir regelmässig im Gefängnis besucht. Nun wurde er entlassen und wohnt momentan bei uns. Da seine Vergangenheit in N’Djaména vorbelastet ist, möchten wir ihm ermöglichen, in Kamerun eine Ausbildung zum Automechaniker zu machen. Wir haben entsprechende Kontakte und bereiten das vor.

Wirken nach aussen

Gemeinsam mit der Kirchgemeinde haben wir zwei Filmvorführungen durchgeführt, an denen rund 200 Personen teilnahmen, darunter etwa 30 Gläubige aus muslimischem Hintergrund und zahlreiche Interessierte. Jean Baptiste, zu dessen Ausbildung SAM global auch beigetragen hat, ist von der Kirchgemeinde nach S. ausgesendet worden. Er trifft sich einmal pro Woche mit Jugendlichen, um sie in der Nachfolge Jesu anzuleiten und organisiert auch Treffen mit Jugendlichen in Schulen.
Die Kirchgemeinde wird mit einigen Mitarbeitenden einen Einsatz zur Gründung einer Gemeinde in M. durchführen. Und mit Arbre de vie, einer lokalen Partnerorganisation, planen wir im April eine Veranstaltung zur Weitergabe der Guten Nachricht in T.

Die Ernte ist gross

Dem ProRADJA’-Team geht es gut, trotz der Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind. Die Zusammenarbeit mit den Partnern funktioniert gut. Es gibt immer wieder Zeiten für Gebetstreffen, Seminare und Einkehrtage, in denen Visionen geteilt und füreinander gebetet wird. Wir sehen, wie Gott am Werk ist und viele Menschen von der Guten Nachricht berührt sind. Wir wünschen uns und es braucht dringend noch mehr Mitarbeitende.
Während des Ramadans und bis Ende April haben wir eine besondere Gebetszeit angesetzt, damit der Heilige Geist die Herzen unserer muslimischen Cousins berühren kann und sich ihnen durch Träume und Visionen offenbart.
Wir danken allen, die uns in irgendeiner Weise unterstützen.
N’Djerané N., Mitarbeiter der Kontaktarbeit von ProRADJA’

Die Grundschule von Mustakhbal Wa Radja'

SEKUNDARSCHULE NIMMT FORM AN

Nachdem die Grundschule Mustakhbal Wa Radja’ mit Kindergarten und den sechs Primarklassen gut angelaufen ist, kam der Wunsch nach einer weiterführenden Sekundarschule auf. So haben wir das Projekt «College» erarbeitet und es Andreas Zurbrügg von SAM global unterbreitet. Als Schulkomitee haben wir das Vorgehen geplant und den staatlichen Schulinspektor zur Beratung hinzugezogen. Anschliessend haben wir ein Einladungs- und Informationsschreiben verfasst, um den Eltern der aktuellen und zukünftigen Schüler/innen mitzuteilen, dass das College im September 2023 zum Schuljahr 2023/2024 eröffnet werden soll. An verschiedenen Sitzungen wurde das Rekrutierungsverfahren für neue Lehrpersonen festgelegt, ebenso die Art und Weise der Verwaltung der Schule. Dann haben wir Schritte unternommen, um das weitere Personal (zwei Wächter, einen Buchhalter und eine Person für den Unterhalt) auszuwählen. Ein Teil des Mauerbaus wurde im Januar dieses Jahres fertiggestellt. Wir planen, für den Unterricht die Räumlichkeiten der Grundschule am Nachmittag zu nutzen, bis das Gebäude der Sekundarschule fertiggestellt ist. Um die Qualität sicherzustellen, begrenzen wir die Zahl der Schülerinnen und Schüler auf 120, das heisst 40 pro Klasse in den drei Klassenstufen. Wir würden gerne praktische Arbeiten integrieren, um die Jugendlichen für eine handwerkliche Ausbildung anschliessend an die Sekundarschule zu sensibilisieren.
Samson O.

Ein Teil der Mauer um das Grundstück für die Sekundarschule ist bereits fertig

VIEL GEBET – UND VIEL ARBEIT

Die Einheimischen sprechen von einem schwierigen vergangenen Jahr. Politische Unruhen, brutales Durchgreifen der Militärregierung gegenüber Demonstranten, Entführungen, Korruption u.v.m. brachten die Bevölkerung zeitweise in grosse Bedrängnis. In all dem staunten wir über viele Christen hier. Unermüdlich und voller Vertrauen beteten sie. Regelmässig gab es sogenannte «veilles», wo sie die ganze Nacht hindurch beteten. Darin waren vor allem auch die Jungen sehr stark. Wir bewundern ihre Hingabe.

Im Herzen muss es beginnen

Dieses schwierige Jahr war auch unsere Einstiegszeit/-phase in den Tschad. Langsam fassen wir etwas Fuss in diesem herausfordernden Land. Noch gilt es viele kulturelle Unterschiede zu überwinden und bereits steht wieder die heisse Zeit vor der Tür. Dieses Jahr werden wir für acht Wochen fliehen und einen Heimataufenthalt in der Schweiz geniessen. Im CEFE wurde der Jahreskurs während des laufenden Schuljahres zu einem Zweijahreskurs erklärt. Das war für alle Beteiligten unvorhergesehen, und niemand weiss, wie der Kurs nun genau ausgestaltet werden soll. An Lehrstoff wird es uns nicht fehlen, da es immer wieder zu unvorhergesehenen Stundenänderungen kommt und das Bedürfnis nach Unterricht in Mathematik, Didaktik und Pädagogik riesig ist. Wir unterrichten auch noch Informatik, Hygiene, Gesundheitsthemen und Anatomie. Daneben liebe ich (Hansueli) und auch die Studierenden das gemeinsame Singen. Meistens sind es Lobpreislieder, die wir singen. Aber auch Lieder wie «Prendre un enfant par la main» werden geübt. Der Text spricht passend von dem, was wir den Lehrpersonen mitgeben möchten. In den regelmässigen Andachten folgen wir häufig den Gedanken aus einem Andachtsbuch «Le coeur de l’enseingant». Ein christlicher Lehrer oder eine christliche Lehrerin zu sein, beginnt im Herzen.

Mathematik-Unterricht

Beziehungen knüpfen, konkrete Hilfe anbieten

Seit wir hier sind, machen wir abends regelmässig Gebetsspaziergänge ins Dorf. Durch einen Kontakt an einem der ersten Abende entstand eine kleine Physiotherapie bei uns auf der Station. Diese Arbeit eignet sich ideal für unsere Kontakte zu den Menschen im Dorf. Die meisten von ihnen sprechen nur Tschadarabisch. Da sind wir dankbar um die Unterstützung durch unsere Wächter, welche uns mit viel Liebe helfen, die Menschen zu verstehen Und mit ihnen zu beten. Wie gesagt sind wir, wenn ihr diese Zeilen lest, in der Schweiz. Wir freuen uns auf die Zeiten mit unserer Familie, mit Freunden und der Gemeinde und auf die körperliche Ertüchtigung, welche in der Hitze des Tschads zu kurz kommt.
Silvia und Hansueli F.

Kontakte knüpfen auf Spaziergängen ins Dorf

LEHREN UND LERNEN

Vom 13.2. bis am 10.3 hatte ich zum dritten Mal das Privileg, am Lehrerseminar der Evangelischen Kirche in N’Djaména meine Erfahrungen mit zukünftigen Lehrpersonen zu teilen. Meine Frau Doris war zweieinhalb Wochen meine sehr geschätzte Ergänzung, die mit einfachen Papierarbeiten die Leute hier faszinieren konnte. Hansueli und Silvia F. haben uns während der Wochenenden beherbergt und waren unsere Gesprächs- und Gebetspartner. Für mich persönlich war es nicht immer einfach, wenn einige Studierende es an Verbindlichkeit mangeln liessen. Das forderte auch meinen Charakter heraus.

Die Gruppe der Studierenden

Neues entdecken

Ein Highlight waren auch dieses Jahr die Zirkelzeichnungen, etwas, was die Studierenden mangels Zirkel bisher kaum kannten. Wie haben wir gestaunt, welch kreative Ideen da entwickelt wurden.

Mit grossem Interesse wurde auch die Alphabetisierungsmethode mit Mundbildern aufgenommen. Alle bekamen Lernhefte, die speziell für christliche Schulen in Afrika konzipiert wurden. Meine Anliegen umfassten nebst den Fachkenntnissen auch Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung und der Vertiefung und Integration des Glaubens an Christus. Wir haben jeden Tag gebetet und Andachten erlebt und viele spannende Diskussionen geführt über Themen wie: «Wie kann ich das Geld besser managen?» oder «Wie kann ich den Schwachen in der Schule helfen?» Ich habe den Studierenden auch die Möglichkeit gegeben, füreinander zu beten und sich gegenseitig zu segnen. Auch hier sehnen sich alle nach Liebe und Annahme.

Einige Aussagen auf den Auswertungsbögen der Studierenden haben mich bewegt: «Euch als Paar zu erleben war ganz stark, das gibt es im Tschad nicht.» oder: «Ich habe die Weissen gehasst, aber jetzt habe ich meine Meinung geändert.» oder: «Ich habe von dir entscheidende Impulse für einen neuen Glauben an Christus bekommen.»

Gesagt – getan

Letztes Jahr hatte ich eine kleine Bemerkung über den Schmutz hier in der Schule gemacht und wie schade ich fände, dass da niemand einen Unterschied mache. Ein schon ein wenig älterer Student wurde nach der Ausbildung gleich zum Schuldirektor ernannt und er meinte zu mir: «Eine meiner ersten Entscheidungen war, dass die Schüler/innen selbst den Dreck im Schulzimmer und im Hof wegräumen. Seither ist es sauber.» Dass eine kurze Randbemerkung so schnell Frucht getragen hat, lässt mich staunen. Wir danken allen, die für uns gebetet haben, und wir danken Gott.
Andreas und Doris G., Facheinsatz zur Weiterbildung von Lehrpersonen

SAM global
Projekt unterstützenBeitrag drucken