In dieser Ausgabe berichten wir über unsere drei Fit2Work-Projekte: ProEDUCATION Solid Foundations, ProEDUCATION Skills Training und ProEDUCATION Selbsthilfe-Projekt für Frauen. Zum Schluss folgt ein Bericht aus dem ProEDUCATION Teacher Training, welches kein Fit2Work-Projekt ist.
Unsere Fit2Work-Projekte werden in unterschiedlichen Regionen Nepals umgesetzt. Sie erreichen verschiedene Zielgruppen, verfolgen jedoch ein gemeinsames Ziel: Menschen werden dabei unterstützt, ihre Fähigkeiten zu entwickeln, eine nachhaltige Einkommensquelle aufzubauen und ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Die Partnerorganisationen verbinden fachliche Ausbildung mit praktischer Unterstützung und individueller Förderung. Besonders gefreut hat uns, dass wir die Projektleitenden mehrerer Fit-2Work-Projekte in diesem Jahr erstmals zusammenbringen konnten. Während einiger Tage tauschten sie Erfahrungen aus, diskutierten Herausforderungen und lernten voneinander. Dabei entstanden neue Ideen und wertvolle Synergien, von denen alle Projekte profitieren. So entwickeln wir Fit2Work gemeinsam mit unseren lokalen, nepalischen Partnern weiter – über einzelne Projekte und Grenzen hinaus.
Neue Perspektiven für junge Menschen
Bei unserem ersten Fit2Work-Projekt, dem ProEDUCATION Solid Foundations, erhalten junge Erwachsene aus einer abgelegenen Himalaya-Region in Westnepal eine Chance, die über eine klassische Berufsausbildung hinausgeht. Nach einem sorgfältigen Auswahlverfahren ziehen die Teilnehmenden nach Kathmandu, wo sie in Schlafräumen unserer Partnerorganisation wohnen und marktorientierte Ausbildungen absolvieren – beispielsweise in den Bereichen Schneiderei, Bäckerei, Elektrik, Barista oder Handytechnik. Gleichzeitig erwerben sie wichtige Kompetenzen für ihren Alltag: Kommunikation, Teamarbeit, digitales Wissen, Finanzplanung, Unternehmertum und Persönlichkeitsentwicklung gehören ebenso zum Programm wie Mentoring und Coaching. Das Vorleben des Glaubens fliesst auf natürliche Art mit ein. So werden die jungen Leute während rund sechs Monaten auf ihrem Weg in ein selbstständiges Berufsleben begleitet.

Freudig, voller Ideen und mit einem festen Ziel
Alle Teilnehmenden stammen aus einer Bergregion, in der Armut, Arbeitsmigration und fehlende Perspektiven den Alltag prägen. Eine von ihnen ist Sita. Sie ist 28 Jahre alt und wenn man sie erlebt, sieht man eine junge Frau, die lacht, Fragen stellt und voller Ideen ist. Dass das nicht immer so war, lässt ihre Lebensgeschichte erahnen.
Schon als Mädchen musste Sita Verantwortung übernehmen. Als sie die 8. Klasse besuchte, verlor ihre Familie bei einem Brand fast den gesamten Besitz. Kurz darauf starb ihre Mutter. Ihr Vater kämpfte mit einer Alkoholabhängigkeit und war gewalttätig.
Mit gerade einmal 13 Jahren begann Sita, Steine zu zerhacken, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Mit 16 wurde sie verheiratet – nicht aus freiem Entschluss, sondern weil die Familie keinen anderen Ausweg sah. In den folgenden Jahren arbeitete sie gemeinsam mit ihrem Mann in Indien auf Baustellen und als Tagelöhnerin. Die harte körperliche Arbeit hinterliess Spuren, dazu kamen gesundheitliche Probleme und mehrere Fehlgeburten. Trotzdem gab Sita nie auf. Ihr grösster Wunsch war immer, ihrem Sohn Jeevan einmal ein besseres Leben zu ermöglichen. Über die Lehrerin ihres Sohnes erfuhr sie von unserem Ausbildungsprogramm. Sie bewarb sich und überzeugte mit ihrer Motivation und ihrem Talent. Nun lebt Sita seit zwei Monaten im Wohnheim in Kathmandu und lernt dort das Schneiderhandwerk – und mit jedem Tag wächst etwas, das sie lange verloren glaubte: Vertrauen in sich selbst. Sie ist offener geworden, blickt hoffnungsvoll nach vorne und wagt es wieder, Pläne zu schmieden. Ihr Traum ist es, nach der Ausbildung in ihrer Heimat ein kleines Schneideratelier zu eröffnen. So möchte sie den Lebensunterhalt ihrer Familie sichern und ihrem Sohn die Bildung ermöglichen, die ihr selbst verwehrt blieb. Beten wir, dass sie Hoffnung für ihr Leben finden können.

Berufsausbildung schafft Einkommen vor Ort
Viele junge Menschen in Nepal verlassen ihre Heimat auf der Suche nach Arbeit im Ausland. Unser zweites Fit2Work-Projekt, das ProEDUCATION Skills Training, eröffnet eine Alternative, nämlich eine berufliche Qualifizierung direkt vor Ort. In drei ländlichen Gemeinden erhielten in den vergangenen Monaten 101 Frauen und Männer eine praxisorientierte Ausbildung als Maurer, Sanitärinstallateur oder Kosmetikerin. Die Teilnehmenden stammen aus Familien, die von Landwirtschaft oder Gelegenheitsarbeit (Tagelöhner) leben, nur über ein sehr geringes Einkommen verfügen und ihre Familien kaum über Wasser halten können.
Neben der praktischen, fachlichen Ausbildung lernen sie auch, wie sie eine Geschäftsidee entwickeln und sich eine eigene Existenz aufbauen können. Die ersten Absolventinnen und Absolventen haben bereits eine Anstellung gefunden oder den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.
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Mit Selbstvertrauen in die Zukunft blicken
Für Purna bedeutet das Projekt einen echten Neuanfang. Weil seine Familie kaum vom kleinen Landwirtschaftsbetrieb leben konnte, arbeitete er mehrere Jahre als Hilfsarbeiter in Indien und Katar. Trotz grosser Anstrengungen kehrte er ohne Ersparnisse nach Nepal zurück. Im Projekt absolvierte er die Ausbildung zum Sanitärinstallateur und blickt heute hoffnungsvoll in die Zukunft. Sein Ziel ist es, als ausgebildeter Handwerker in Nepal zu arbeiten und seine Familie dauerhaft unterstützen zu können.
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Hilfe zur Selbsthilfe
Gemeinsam mit unserer neuen Partnerorganisation haben wir Anfang 2026 unser drittes Fit2Work- Projekt gestartet: ProEDUCATION Hilfe zur Selbsthilfe für Frauen – ein Projekt im kleineren finanziellen Rahmen. Manchmal braucht es nur eine Chance, damit sich ein Leben verändert. Genau das erleben derzeit 35 Frauen aus Dörfern im Süden von Nepal. Die meisten Teilnehmerinnen leben mit ihren Familien von saisonaler Landwirtschaft oder Gelegenheitsarbeiten. Das Einkommen reicht oft kaum für den Alltag. Viele der Frauen hatten bisher nie die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen oder selbst Geld zu verdienen. Bei meiner letztjährigen Projektreise war ich vor Ort und konnte mit den Frauen diskutieren. Ihr Wunsch war klar: «Wir wollen unser eigenes Einkommen verdienen. » Dass daraus bereits ein handfestes Pilotprojekt entstanden ist, freut mich ganz besonders! Die Freude der Frauen ist gross, nun neue Fähigkeiten zu erlernen: Sie flechten Körbe und Teematten, andere besuchen eine Schneiderausbildung – Fertigkeiten, mit denen sie später von zu Hause aus ein Einkommen erzielen können. Doch in der Ausbildung geht es über das Erlernen eines Handwerks hinaus. Die Frauen gewinnen Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und entdecken neue Perspektiven für sich und ihre Familien. Aus anfänglicher Unsicherheit wächst Hoffnung, Zuversicht und der Mut. Ein besonderer Moment war der Dorfbasar zum Abschluss der Ausbildung. Dort konnten die Frauen ihre selbst gefertigten Produkte zum ersten Mal verkaufen. Dieser Augenblick hat vielen gezeigt: Ich kann etwas. Meine Arbeit hat Wert.

Selbstvertrauen, Würde und Hoffnung
Eine der ausgebildeten Frauen ist Gayetri, Mutter von zwei Kindern. Ihr Mann findet nur unregelmässig Arbeit als Tagelöhner. Durch das Projekt lernte sie das Korbflechten und verkaufte ihre ersten selbst hergestellten Produkte auf dem Dorfbasar. Der Verdienst war zwar klein, doch die Wirkung war gross. Heute blickt sie mit neuer Hoffnung nach vorne und möchte von zu Hause aus weiterarbeiten, um das Einkommen ihrer Familie zu stärken und ihren Kindern bessere Zukunftschancen zu ermöglichen.

Die Begeisterung der Teilnehmerinnen ist ansteckend. Ergänzend zur praktischen Ausbildung lernen sie auch, wie sie ihre Produkte kalkulieren, vermarkten und ein kleines Geschäft aufbauen können. Wir beten, dass ihre Herzen berührt werden. Auf meiner nächsten Reise möchte ich schauen und mithelfen, dass die Frauen ihre Produkte konstant und selbständig verkaufen können.
Bildung beginnt bei den Lehrpersonen
Während unsere Fit2Work-Projekte Jugendliche und Erwachsene auf ihrem Weg ins Berufsleben begleiten, setzt unsere Partnerschaft mit ProEDUCATION Teacher Training bereits viel früher an: in den Schulen und ihren Lehrpersonen und dadurch auch bei den Kindern.
In den abgelegenen Bergregionen rund um Pokhara besuchen viele Kinder einfache Schulen mit sehr wenigen Mitteln. Manche Kinder legen täglich mehrere Stunden zu Fuss zurück, um überhaupt am Unterricht teilnehmen zu können. Gut ausgebildete Lehrpersonen sind entscheidend, damit diese Kinder trotz schwieriger Bedingungen faire Bildungschancen erhalten.

Mit dem über die letzten Jahre aufgebauten Kindergarten- und Lehrerseminar unterstützen wir nun fünf öffentliche, abgelegene Schulen im Himalaya auf ihrem Weg zu einem kindgerechten Unterricht. Lehrpersonen absolvieren dazu mehrwöchige Weiterbildungen, erhalten regelmässiges Coaching im Klassenzimmer und entwickeln neue Unterrichtsformen, die aktives und spielerisches Lernen fördern. Gleichzeitig werden Schulleitungen und Behörden in Schulentwicklung und Qualitätsmanagement geschult. Die Veränderungen sind bereits sichtbar: Klassenzimmer werden zu lebendigen Lernorten mit Leseecken und einfachen, selbst entwickelten Unterrichtsmaterialien. Die Kinder beteiligen sich aktiver am Unterricht, die Lehrpersonen gewinnen Sicherheit und Motivation und die Schulen entwickeln gemeinsam konkrete Zukunftspläne. Unser Engagement umfasst zudem Stipendien für Lehrpersonen aus benachteiligten Regionen sowie die Ausbildung weiterer Fachpersonen. Damit erreichen wir eine nachhaltige Wirkung weit über die fünf Projektschulen hinaus. Denn gut ausgebildete Lehrpersonen verändern langfristig das Leben ganzer Gemeinschaften.
Herzlichen Dank für euer Interesse und eure Unterstützung.
David Keller, Länderverantwortlicher Asien




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