Burkina Faso

Menschen und Natur sollen aufblühen

31.1.2024
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10
Min.
Ein Ehepaar mit ihren beiden Mädchen stehen in einem Gemüsefeld

Vom 6. bis 15. November 2023 reiste Andreas Zurbrügg, Länderverantwortlicher von SAM global, mit Hansjürg Mannale (Agronom) und mir, Helmut Grob – beide Mitglieder der Supportgruppe – nach Burkina Faso, um die von SAM global unterstützten Projekte zu besuchen. Aus Sicherheitsgründen konnten wir weder die Partnerkirche EE/SIM noch das Evangelische Bildungszentrum für transkulturelle Arbeit (CEFM) oder einheimische transkulturelle Mitarbeitende an ihrem Wirkungsort besuchen. Es wäre für alle Beteiligten zu gefährlich gewesen. Daher trafen wir die Verantwortlichen der Partnerkirche sowie weiterer ihrer Institutionen in der Hauptstadt Ouagadougou.
Wir konnten jedoch die seit rund einem Jahr unter ProAGRO Burkina Faso laufenden einheimischen Landwirtschaftsprojekte PARA-PS in der Nähe von Ouagadougou sowie Permakultur im Westen von Burkina besichtigen.

PARA-PS mit Wity-Agro

Das junge Team von Wity-Agro besteht aus fünf gläubigen Agronomen, die seit einem Jahr in zwei Flüchtlingsdörfern mehrere Gruppen von je 8 bis 20 Personen ausbilden, wie man mit selbst hergestelltem Biodünger und -pestiziden sowie speziellen Anbaumethoden eine Ertragssteigerung auf den Feldern erzielen kann. In einem der beiden Dörfer erklärte uns die Frau des Dorfältesten:
«Seit wir die Anbaumethoden von Wity-Agro anwenden, ist unsere Ernährung vielseitiger geworden, denn wir pflanzen jetzt nicht mehr nur Hirse an, sondern unterschiedliche Getreide und Gemüse. Zudem bleibt am Ende des Jahres noch genügend Saatgut übrig, so dass wir keines kaufen müssen.»
Geschätzt werden auch die ‘Pneu-Gärten’: In ausgedienten Pneus werden Saucenblätter und Gewürze gezüchtet, was ebenfalls viel Geld spart. Eine Herausforderung für das junge Team ist es, die frohe Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben – durch unsere Gebete können wir sie unterstützen, damit sie auf vorbereitete Herzen stossen.

Sorgfältig gehegte und gepflegte Pneugärtchen

Permakultur mit Wêndbenedo

Bei der Ankunft auf der Farm kam ich mir vor wie im Garten Eden. Mit der dort unterrichteten biologischen Anbaumethode kann unfruchtbarer Boden innerhalb eines Jahres fruchtbar gemacht werden, sodass eine Hektare Land eine ganze Familie ernährt. Zudem wird der Bevölkerung wöchentlich eine medizinische Sprechstunde angeboten, die rege genutzt wird. Die Wirkung von natürlichen Mitteln wird erklärt und auch Gebet wird oft und gerne in Anspruch genommen. Abschliessend ist zu erwähnen, dass auch die Partnerkirche EE/SIM erkannt hat, dass neben der Verkündigung der frohen Botschaft von Jesus Christus auch das Wissen über eine naturnahe und trotzdem ertragssteigernde Landwirtschaft nötig ist. Sie hat daher u.a. auf dem Gelände des CEFM Mustergärten angelegt. Aber auch in vielen christlich geführten Schulen wird den Schülern in Schulgärten beigebracht, wie sie umweltschonend Gemüse züchten können.
Diese zukunftsweisenden Projekte könnten für Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Erde, in geistlicher wie auch in ernährungstechnischer Hinsicht eine grosse Chance sein. Leider sind die Bevölkerung und die einheimische Kirche nicht in der Lage, alle nötigen finanziellen Mittel selbst aufzubringen. SAM global lanciert deshalb eine spezielle Kampagne und ist dankbar für Unterstützung.
Helmut Grob

Jede Pflanze wird einzeln gedüngt

FRUCHTBARER BODEN – GEWUSST WIE

Auf der Wêndbenedo-Farm, geleitet von Daniela und Pierre K., wohnen und arbeiten einheimische Ehepaare mit ihren Kindern. Sie lernen, wie der Ackerboden verbessert und nachhaltige Landwirtschaft betrieben werden kann.
Osée, der Anthropologie studiert und ein dreimonatiges Praktikum in Permakultur macht, hat drei Ehepaare gefragt, was sie an diesem Projekt beeindruckt und wie die Teilnahme an der Ausbildung ihr Leben verändert hat. Eine Zusammenfassung:

Ganzheitliche Zuwendung

Es hat uns berührt, dass die Projekt-Mitarbeitenden einen Kranken bei sich zu Hause besucht haben. Ausserdem haben sie bei einem Ehepaar vermittelt, wo der Ehemann seine Frau aufgrund ihres Glaubens verstossen hatte. Durch Gespräche und mit Gottes Hilfe haben sich die Eheleute versöhnt und leben wieder zusammen. Weiter beeindruckt es uns, dass Mitarbeitende intern vertriebene Menschen aufsuchen und sie darin unterstützen, den Boden nachhaltig zu bearbeiten, sodass genügend Nahrungsmittel produziert werden können.

Wir persönlich haben gelernt, dass es möglich ist, einen unfruchtbaren, dürren Boden wieder aufzubauen und anzureichern, sodass eine Fläche von einem Hektar eine fünfköpfige Familie ernähren kann. Das hat unsere Denkweise verändert und bei uns das Bewusstsein geweckt, wie wichtig es ist, die Umwelt zu schützen und die Böden durch Permakultur wiederherzustellen und sorgfältig zu bewirtschaften. Wir sind sehr motiviert, das Gelernte in die Praxis umzusetzen und dieses kostbare Wissen an andere weiterzugeben.
Natabzanga und Sara

Der nachhaltige Anbau funktioniert

Ohne Chemie?!

Bei unserer Ankunft waren wir überrascht, viele Kinder und Frauen zu sehen. Wir erfuhren, dass sie gekommen sind, um sich kostenlos behandeln zu lassen. Die Menschen erhalten pflanzliche Heilmittel (beispielsweise Ingwer, Kurkuma, Honig, Knoblauch usw.) und, wenn sie das möchten, wird für sie gebetet. Das hat uns beeindruckt und noch mehr, dass viele dieser Personen später zurückgekommen sind, um zu berichten, dass sie gesund geworden sind. Wir haben hier gelernt, dass durch die Permakultur jeder Boden nutzbar gemacht werden kann. Und wir lernten den Nutzen von Pflanzen und Kräutern kennen, die wir für nutzlos hielten. Sie können als Heilmittel verwendet werden oder um natürlichen Dünger oder Pflanzenschutzmittel herzustellen. Anfangs glaubten wir nicht, dass man heutzutage ohne Chemikalien produzieren und kultivieren kann, aber wir sehen, dass es möglich ist. Wir werden unser Wissen an unseren Einsatzorten anwenden und der Bevölkerung weitergeben. Ich werde auch meinen jüngeren Bruder ausbilden, damit er mit Permakultur die Fläche von einem Hektar bewirtschaften kann.
Paul und Marie

Den Kindern geht es besser

Die Kinder sind gesünder

Wir sind beeindruckt davon, dass es im Projekt nicht darum geht, Geld zu verdienen, sondern den Menschen ganzheitlich zu dienen. Durch unsere Ausbildung in Permakultur lernten wir sehr nachhaltige und praktikable Lösungen zur Produktion von gesunden Nahrungsmitteln kennen. Gleichzeitig können wir Kosten sparen, indem wir natürlichen Dünger aus Pflanzen und Harnstoff selbst herstellen. Sogar das Geflügel wird mit Pflanzen gefüttert und gepflegt, was wir vorher nicht kannten.
Der Unterricht über Heilpflanzen und die Verwendung von natürlicher Medizin hat unser Leben sehr verändert. Vorher waren unsere Kinder oft krank und die Behandlung im Spital und mit Medikamenten hat uns finanziell sehr belastet. Nun können wir die natürlichen Heilmittel selbst anwenden und unsere Kinder werden nicht mehr so oft krank. Sobald wir eigenes Land haben, werden wir das Gelernte dort umsetzen und die Umwelt nicht mehr zerstören oder wahllos Bäume fällen, denn jede Pflanze und jeder Baum ist nützlich. Deshalb hat Gott sie erschaffen.
Barthélémy und Elisabeth

GEMEINSAM DEN HERAUSFORDERUNGEN BEGEGNEN

Mit dem Ziel, Führungspersonen in Kirchen und Schulen zu stärken, um dem Bevölkerungswachstum in Afrika und den damit verbundenen Herausforderungen zu begegnen, veranstaltete ACSI vom 21. bis 25. August 2023 in Kigali, Ruanda, den 4. Afrikanischen Runden Tisch (ART4) unter dem Hauptthema «Gemeinsame Vision von christlicher Kirche und Schule für das Afrika von 2050». Die Diskussionen waren konstruktiv mündeten in die ART4-Erklärung zu christlicher Erziehung, Leiterschaft, Kirche, Schule und Familie. Der Kongress hat viele Führungskräfte beeindruckt, darunter Rev. Tao Vaïleck Élysée, Präsident der Evangelischen Kirche im Tschad. Er meint: «Dieser Runde Tisch war ein von Gott inspirierter Rahmen für die Kirche in Afrika. Auf der Grundlage der Erklärung von ART4 werden die Generalversammlungen der Schulen der Evangelischen Kirche des Tschad, deren Präsident ich die Ehre habe zu sein, durchgeführt werden. Auch unsere zweijährliche Generalversammlung, die den gesamten Tschad, Teile Kameruns und Nigerias umfasst, wird 2024 auf diesem Thema basieren.»

236 Teilnehmende aus 30 afrikanischen Ländern und 7 weiteren Nationen

Um die Erklärung von ART4 in konkrete Taten umzusetzen, werden im Mai 2024 und im August 2024 in Kinshasa bzw. Abidjan subregionale Runde Tische für die nationalen Verbände christlicher Schulen in Zentralafrika und im französischsprachigen Westafrika organisiert. Die Ergebnisse dieser subregionalen Runden Tische werden es ACSI ermöglichen, die nationalen Netzwerke christlicher Schulen bei der Zertifizierung von Lehrkräften und der Dokumentation von Bildungsressourcen besser zu coachen und zu begleiten.
Sylvain M.O.

Herzlichen Dank für euer Interesse und eure Unterstützung!
Andreas Zurbrügg, Länderverantwortung Sahel

SAM global
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