Guinea

Mutige Menschen – offene Türen

11.4.2024
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5
Min.
Viele Menschen warten auf ihren Motorrädern an einer Tankstelle

Die Lage in Guinea war in den letzten Monaten turbulent. Im Dezember löste die Explosion des wichtigsten Treibstofflagers in Conakry eine landesweite Krise aus.

Lange warten an den Tankstellen oder auf dem «Schwarzmarkt» tanken

Glücklicherweise führte die Regierung wirksame Notfallmassnahmen ein, die es ermöglichten, das Land relativ schnell wieder mit Treibstoff zu versorgen. Die Auswirkungen dieser Krise sind jedoch noch immer spürbar (unregelmässige Versorgung an den Tankstellen, Stromausfälle usw.). Darüber hinaus wurde der Internetzugang eingeschränkt und einige Medien waren während mehrerer Wochen blockiert. Vor kurzem löste der Übergangspräsident die Regierung auf und ernannte einen neuen Premierminister. Diese verschiedenen Ereignisse spiegeln die latenten Spannungen im Land wider. Wir spüren auch eine gewisse Müdigkeit in der Bevölkerung. In mehreren Städten des Landes finden Streiks und Demonstrationen statt.
Trotzdem sind wir immer wieder aufs Neue überrascht, wie belastbar und anpassungsfähig die Menschen hier sind. Ihre Fähigkeit, trotz aller Herausforderungen des Alltags weiterhin zu lachen und die kleinen Freuden des Lebens zu geniessen, beeindruckt uns. Wir finden, dass sie sehr mutig sind.

Die Menschen lassen sich die Freude nicht nehmen – trotz schwieriger Umstände

«Könnt ihr uns unterstützen?»

In unserem Quartier ist eine neue Privatschule gegründet worden und wir waren zur Einweihung eingeladen. Kurz darauf wollte uns unser Quartierchef, der zur Schulleitung gehört, treffen. Er fragte uns, ob wir beim Unterrichten im Kindergarten mithelfen könnten, da wir in diesem Bereich bereits Erfahrung haben. So kam es, dass Amelie seit einigen Monaten einmal pro Woche in diese Schule geht, um die Kindergärtnerinnen zu coachen und ihnen Anregungen zu geben. Was für eine tolle Möglichkeit!

Die Kindergartenklassen sind sehr gross

Schwierige Voraussetzungen

Im Kindergartenzimmer dieser Schule sitzen die drei- bis sechsjährigen Kinder dicht gedrängt in den Schulbänken. Als einziges Material haben sie eine Schiefertafel und eine Kreide in ihrem Rucksack. Neben den Bänken besteht das gesamte Mobiliar des Klassenzimmers aus einer grossen Wandtafel, einem Pult und einem Stuhl für die Kindergärtnerin. Es gibt kein Spielzeug und keine Unterrichtsmaterialien. Die drei Kindergartenstufen sind in einer einzigen Klasse mit etwa 80 Kindern zusammengefasst. Die Kinder sitzen den ganzen Vormittag auf ihren Bänken, singen, rezitieren oder machen einige Schreibübungen auf ihrer Schiefertafel. Sie können zwar bis 20 zählen, haben aber keine Ahnung, wofür die Zahlen stehen. Wenn man sie auffordert, drei Steine zu nehmen, sind nur wenige dazu in der Lage.

Unterricht in kleinen Gruppen, damit die Kinder verstehen, was sie lernen

Abwechslung in den Lernprozess bringen

Es ist eine Herausforderung, den Kindergärtnerinnen die Notwendigkeit einer praktischen und konkreten Anwendung des Gelernten zu vermitteln. Wir versuchen, das Klassenzimmer zu teilen, um Aktivitäten in kleineren Gruppen mit sehr einfachem Material durchzuführen: Steine oder Stäbchen zählen usw. Die Kinder sprechen nur Pular, ihre Muttersprache. Da der Unterricht auf Französisch stattfindet, ist dies eine zusätzliche Herausforderung. Ein Grossteil der Unterrichtsstunden ist dem Erlernen der Sprache gewidmet. Wir nutzen dazu das Material, das das Team von ActionVIVRE Nord entwickelt hat. Mithilfe einer einfachen Geschichte und farbigen Bildern werden viele französische Wörter gelernt. Die Lehrerinnen sind begeistert, dass sie dieses schöne Material verwenden können, das etwas Abwechslung in den Lernprozess bringt.
Wir hatten den Eindruck, dass Gott die Tür öffnet, um mit der Arbeit in dieser Schule zu beginnen, und wir sind gespannt, wie die Zusammenarbeit weitergehen wird.

Treue trotz grossem Leid

Wie wir in den letzten NEWS geschrieben haben, hat das ProAGRO-Team in den letzten Monaten viel durchgemacht. Pierre und Véronique, die im Oktober ihren Sohn verloren haben, beweisen viel Mut und engagieren sich weiterhin treu in unserer Stadt. Véronique hat die Verantwortung für die Versorgung von Menschen mit Verbrennungen wieder übernommen. Es ist rührend, mit wieviel Liebe und Mitgefühl sie die Menschen pflegt. Anne, Fayas Frau, ist nach einem längeren Aufenthalt in Conakry, um die nötige medizinische Versorgung zu erhalten, wieder zu Hause. Ihr Gesundheitszustand hat sich etwas verbessert, aber sie befindet sich immer noch in ärztlicher Behandlung.

Die treuen Mitarbeitenden von ProAGRO

Bereit zum Engagement!?

Das ProAGRO-Team in unserer Stadt hat seit einigen Monaten einen neuen Leiter. Es handelt sich um Ibrahima, der aus dem Süden Guineas stammt. Er hat inzwischen eine Unterkunft gefunden und richtet sich ein. Seine Familie wird am Ende des Schuljahres nachkommen. Wir freuen uns über jeden Christen, der bereit ist, sich hier in unserer Stadt zu engagieren und zu helfen, die gute Nachricht von Jesus Christus weiterzugeben. Jeden Sonntag treffen wir uns mit dem Pro-AGRO-Team und Bienvenu, dem Leiter des Studienzentrums, um uns über einen Bibeltext auszutauschen und gemeinsam zu beten. Das ist eine Ermutigung für uns alle.

Wir sehen weiterhin viele Bedürfnisse in unserer Stadt. Die Möglichkeiten, sich zu engagieren, sind beträchtlich und wir brauchen dringend Mitarbeitende in unserem Projekt. Wer ist bereit, sich uns anzuschliessen, um Gottes Liebe auf konkrete Weise mit den Menschen dieses Volkes zu teilen, von dem so wenige Jesus kennen? Stellenbeschreibungen siehe unter: www.sam-global.org/projekt/actionvivre-sud#mitarbeiten. Bitte meldet euch.

Herzlichen Dank für euer Interesse und euer Mittragen.
Amélie und Sandro M., Projektleitung

SAM global
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