Guinea

«Es ist offensichtlich, dass ihr uns lieb habt!»

31.5.2024
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5
Min.
Expats und einheimische Mitarbeitende beim gemeinsamen Essen

Im vergangenen April reisten Elian und Naemi, die über mehrere Jahre den Kindergarten von AV Nord aufgebaut und begleitet haben, für zehn Tage an ihren alten Einsatzort.

«Ihr habt uns wirklich gern, sonst hättet ihr nicht ein teures Flugbillett bezahlt, um uns in Gaoual zu besuchen, und erst recht nicht im April! Ihr wusstet ja, dass das die heisseste Jahreszeit ist.»

So und ähnlich wurden wir von unseren Freunden begrüsst, als wir ankamen. Unser Ziel war es, mit eigenen Augen zu sehen, wie es im Kindergarten läuft und natürlich auch alte Freunde zu besuchen.

Elian, Daniela und Naemi mit einer Freundin

Hitze und Staub machten uns mehr Mühe als auch schon. Immerhin haben wir uns in den vergangenen anderthalb Jahren wieder an Schweizer Verhältnisse gewöhnt. Die Freude über das Wiedersehen mit vielen Einheimischen war jedoch enorm. Wir gehörten einfach wieder dazu. Täglich brachte man uns Reis und andere feine Gerichte, wir haben zusammen gelacht, manchmal auch ein wenig geweint und einige gute, tiefe Gespräche gehabt.

Naemi und Elian mit dem Team der Kindergartenlehrpersonen

Der Kindergarten läuft gut

Natürlich besuchten wir auch den Kindergarten. Die Klassenzimmer sehen ordentlich aus, es hängen Bilder, Bastelarbeiten etc. Die Vorbereitungshefter und die Hefter der Kinder sind «à jour». Wir waren positiv überrascht vom Unterricht. Die Kinder haben ein gutes Niveau und ihr Verhalten zeigt, dass sie die Abläufe gut kennen. Die Lehrpersonen (auch die neuen) unterrichten weiterhin mit den Methoden, die sie bei uns gelernt haben. Die eingeschriebenen Kinder sind im richtigen Alter (ca. 4-6 Jahre), die Klassen dürften sogar etwas grösser sein. Der Gesundheitszustand von Mr. D., dem Direktor, ist im Moment stabil. Er braucht aber regelmässige medizinische Kontrollen in Conakry oder Dakar, was natürlich teuer ist. Man merkt, dass er nicht mehr die gleiche Energie hat wie früher. Mit den Lehrpersonen gibt es immer noch die gleichen Hochs und Tiefs (unabgemeldete Absenzen, nicht pünktliches Erscheinen etc.). Bei einer eintägigen Weiterbildung machten sie sehr gut mit, brachten ihre Meinungen ein und erzählten, wie sie vor allem die sportlichen Aktivitäten, das freie Spielen und die Lieder mögen. Auch die biblischen Geschichten mit den Bildern werden geschätzt. Die Kinder hören aufmerksam zu und verstehen den Inhalt gut. Nach wie vor ist es eine grosse Herausforderung, genügend Lehrpersonen zu finden. Mit dem Direktor konnten wir auch offen über mögliche Zukunftsszenarien sprechen. Unser Besuch in Guinea war intensiv, aber ein rundum ermutigendes Erlebnis, wofür wir sehr dankbar sind.

Kindergartenzimmer – hübsch und ordentlich

Viel Engagement, aber auch Herausforderungen

In der AV Schule läuft es nach wie vor recht gut. Die Direktion und das ganze Lehrpersonal sind grundsätzlich engagiert. Leider hat Jean F., unser Oberstufendirektor, auf Ende Schuljahr gekündigt. Er kam als Lehrer für Französisch im Jahr 2016 nach AV Nord und hat vor drei Jahren, dem plötzlichen Tod des damaligen Direktors, die Leitung übernommen. Im laufenden Schuljahr sind bei zwei neuen Lehrern einige pädagogische Schwierigkeiten aufgetreten. Wir hoffen, dass sie im Sommer in einem Zusatzkurs in Conakry Neues lernen und dann auch anwenden können. Im Juni werden die Aufnahmeprüfungen der 6. und 10. Klässler für die jeweils höhere Stufe stattfinden. Die zuständigen Lehrpersonen haben sich sehr engagiert und immer wieder Nachhilfeunterricht angeboten. Wir hoffen, dass viele Schülerinnen und Schüler bestehen – denn das ist die beste Werbung für die Schule.

Nach langem Suchen wurde ein geeignetes Grundstück gefunden

Endlich ein passender Ort

Seit Jahren überlegten wir uns immer wieder, ob wir eine zweite Primarschule bauen sollten. Aber wir fanden kein geeignetes Grundstück – mal war es ausserhalb der Stadt, mal war der Preis unfair oder es hatte einen anderen «Haken ». Beim letzten Elternabend im November 23 sprach ich Klartext und sagte, dass wir bereit wären, in eine weitere Primarschule zu investieren. Wenn sie das auch möchten, müssten sie uns jedoch ein faires Angebot machen. Und siehe da – ein Monat später wurden uns vier Parzellen (2’000 m2) im Quartier, wo der Kindergarten ist, zu einem guten Preis angeboten. In der Zwischenzeit haben wir das Land gekauft. Nun ist es an der Schuldirektion, einen Projektbeschrieb zu formulieren und zu überlegen, für wieviel Geld gebaut werden kann/muss und wie der Schulbetrieb in der «Tochterschule» organisiert und gestartet werden könnte. Diesen Projektbeschrieb werden wir prüfen und dann sehen, wie es weitergeht. Ich bin sehr dankbar für diese Entwicklung.

Der Vertrag wird unterschrieben

Die Kraft von Gott erlebt

Binta ist eine junge Frau, die früher im Kindergarten mitgearbeitet hat. Seltsam war, dass sie öfters hinfiel, sobald eine biblische Geschichte erzählt wurde, was die muslimischen Mitarbeitenden weiterhin tun. Der Direktor vermutete eine geistliche Ursache, nahm auf meinen Rat hin noch eine andere Person dazu und sie boten Binta an, für sie zu beten. Binta nahm das das gerne an und erlebte Befreiung. Sie hörte aufmerksam zu, als ihr die Gute Nachricht erklärt wurde und entschied sich, Jesus nachzufolgen. Ihre muslimische Familie akzeptierte das. Nun ist sie in einer anderen Stadt, wo sie verheiratet werden soll. Auch der zukünftigen Schwiegerfamilie erzählt sie offen, was sie mit Jesus erlebt. Er ist der Mittelpunkt ihres Lebens geworden.

Herzlichen Dank für euer Interesse und eure Unterstützung.
Daniela S.

SAM global
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