Guinea

Ein Jahr mit Hindernissen

8.4.2021
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5
Min.

Wie überall auf der Welt durchkreuzte Covid-19 auch unsere Planung. Als ganzes Team mussten wir vor einem Jahr fast von einem Tag auf den anderen Guinea verlassen und gleichzeitig wurden alle Bildungseinrichtungen geschlossen.

So endete das letzte Kindergartenjahr ganz abrupt, verfrüht und ohne Abschlussfest. Als wir im Herbst endlich zurück nach Guinea reisen konnten, verzögerte sich auch der Start des neuen Kindergartenjahres. Grund war nicht die Pandemie, von der Guinea bis zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise grösstenteils verschont geblieben war, sondern die Präsidentschaftswahlen und die Befürchtung von damit verbundenen Unruhen. Wir profitierten von der freien Zeit, um zwei 3-tägige Schulungen durchzuführen. 13 motivierte neue und bewährte Kindergarten-Mitarbeitende nahmen daran teil.

Die Teilnehmenden mit ihrem Zertifikat am Schluss der Schulung

Wir haben Pädagogik und Didaktik unterrichtet und ganz viel praktisch geübt. Wie kann ich beispielsweise eine Geschichte verständlich und spannend erzählen? Wie lernt man französische Wörter kreativ und abwechslungsreich, anstatt nur monoton Wörter nachzusprechen? Wie kann ich in der Klasse Disziplin herstellen, ohne die Kinder zu schlagen? Oder was macht man mit einem Puzzle? – Was für ein Schweizer Kindergartenkind völlig klar ist, ist für einen erwachsenen Guineer, der noch
nie ein Puzzle gesehen, geschweige denn zusammengesetzt hat, gar nicht so einfach. Es bereitete uns viel Freude, mit dieser Gruppe zu arbeiten und wir hofften, bald mit ihnen ins neue Kindergartenjahr starten zu können.

Es wird fleissig gebastelt und geübt

Ein harziger Start

Im Dezember war es dann endlich soweit: Wir konnten die Kindergartentore wieder öffnen. Doch die monatelange Pause ist an den Kindern und deren Eltern nicht spurlos vorübergegangen. Nur sehr zögerlich schrieben die Eltern ihre Kinder ein und die Klassen füllten sich langsam. Im Hauptkindergarten haben die Klassen inzwischen eine normale Grösse erreicht und wir sind froh, dass wir zwei neue motivierte Mitarbeiterinnen haben. Somit haben wir dieses Jahr genügend, ja sogar eher zu viele Lehrpersonen. Etwas weniger erfreulich lief es in unserem zweiten Dorf, das seit zwei Jahren eine Kindergartenklasse führt. Seit Beginn war es schwierig, genügend Kinder für eine Klasse zusammenzubekommen. Trotz verschiedenen Gesprächen konnten wir die Gründe dafür nicht wirklich herausfinden. Erkennen die Eltern den Wert des Kindergartens nicht? Sind sie skeptisch? Fehlt ihnen das Geld? Oder macht der Lehrer zu wenig Werbung? Liegt es daran, dass der Imam, der unsere Anliegen unterstützte, nicht mehr lebt? Wir wissen es nicht genau. Dieses Jahr stellten wir dem Dorf jedenfalls ein Ultimatum: Wenn sich bis zu einem bestimmten Datum nicht 15 Kinder (normalerweise sind es 25 Kinder pro Klasse) eingeschrieben hätten, würden wir den Kindergarten vorübergehend schliessen. Am festgelegten Tag war die Liste immer noch leer und so war die Entscheidung gefallen, obwohl es uns nicht leicht fiel. Der Lehrer, Monsieur C., der gute Arbeit leistet, arbeitet nun im Hauptkindergarten mit.

Monsieur C. im Hauptkindergarten

Ein Wunder im Dorf

Im ersten Dorf führen wir inzwischen zwei Klassen. Doch auch hier gestaltete es sich dieses Jahr schwierig, die Klassen zu füllen. Wir sind jedoch zuversichtlich, denn die Dorfältesten unterstützen das Kindergarten-Projekt nach wie vor. Sie setzen sich dafür ein, dass Hütten baut werden, in denen Unterricht stattfinden kann und dass genügend Lehrpersonen zur Verfügung stehen. Dieses Jahr ist sogar der Koranlehrer mit dabei. Er hat an der Schulung teilgenommen und hilft nun im Unterricht mit, sobald er in der Koranschule fertig ist. Madame F., die seit Beginn dabei ist und die Hauptverantwortung trägt, wurde kürzlich verheiratet. Normalerweise wird die Frau nach der Hochzeit ins Dorf ihres Ehemannes gebracht, um dort zu leben. Bei Madame F. wurde aber darauf geachtet, dass sie jemanden innerhalb ihres eigenen Dorfes heiratete, damit sie weiter im Kindergarten arbeiten kann.
Ein besonderes Highlight war, dass wir miterleben durften, wie eines unserer Kindergartenmädchen nach langer Krankheit geheilt wurde. Diankemba lag während fünf Monaten krank im Bett und konnte schliesslich nicht mehr aufstehen und laufen. Als wir sie besuchten, bat man uns, für das Mädchen zu beten, was wir gerne taten. Anschliessend zeigten wir der Familie verschiedene Bewegungsübungen, doch wir hegten ehrlich gesagt keine grossen Hoffnungen. So war ich ganz erstaunt, als Diankemba eine Woche später bereits deutlich besser aussah. Nach nur einem Monat konnte sie wieder laufen und inzwischen springt sie wieder fröhlich herum. Das ist ein Wunder!
Naemi

Alle Plätze belegt

Wir sind dankbar, dass die Action VIVRE-Schule seit anfangs Dezember sehr gut läuft. Alle vorhandenen Plätze sind besetzt und die Lehrpersonen sind auch vor Ort – das ist leider nicht selbstverständlich hier. Daniela konnte einige Weiterbildungen zur Klassendisziplin und zum Lese- und Rechenunterricht durchführen. Nun ist es an den Lehrpersonen, das Gelernte im Alltag umzusetzen und die Hilfsmittel und das Anschauungsmaterial auch einzusetzen. Ab Sommer 2021 suchen wir einen neuen Buchhalter für die Schuladministration.

Plötzlich fast zu viele Bewerber am CAMAV

Wir hatten dieses Jahr in der Berufsschule zu Beginn viel Mühe, Auszubildende zu finden, welche eine Lehre machen wollten. Nachdem sich dann jedoch die Behörden für uns stark gemacht haben und wir das Radio für die Werbung nutzen durften, hatten wir plötzlich viel zu viele Kandidaten. Im Dezember haben wir dann mit knapp 30 Auszubildenden angefangen, welche interessiert sind und motiviert lernen.Das ist natürlich sehr erfreulich!
Wir danken euch herzlich für euer Interesseund eure Unterstützung.
Tobias

Technisch-Zeichnen-Unterricht am CAMAV

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SAM global
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