Guinea

Junge Frauen ergreifen die Chance

27.9.2021
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5
Min.

Junge Frauen haben hier auf dem Land fast keine Möglichkeit, eine Ausbildung mit Diplom zu machen. Viele Mädchen verlassen die Schule ab der achten Klasse und werden verheiratet. Nach der Hochzeit kommen meistens schnell die ersten Kinder und dann ist ihr Alltag mit Hausarbeit und Kinderbetreuung ausgefüllt. Im Nachhinein denken viele junge Frauen, dass sie gerne eine Ausbildung gemacht hätten oder machen würden.

Ein übliches Bild in Guinea

Vor vier Jahren haben wir von einer guineischen NGO das Angebot erhalten, an unserer Berufsschule 10 Ausbildungsplätze pro Lehrgang für junge Frauen zu subventionieren. Das haben wir gerne angenommen, denn es entspricht auch unserem Anliegen.

Es hat noch Platz für mehr

Im aktuellen Lehrgang haben wir sechs junge Frauen in Ausbildung. Trotz intensiver Werbung und Sensibilisierung via Radio, Meetings mit den wichtigen Personen in den verschiedenen Dörfern und Mund-zu-Mund-Werbung hatten wir bis anhin noch nie 10 junge Frauen in der Ausbildung. Grund dafür ist neben dem mangelnden Interesse, einen «männlichen» Beruf zu erlernen, die viele Arbeit, die sie zu Hause verrichten müssen. Und ein wichtiges Kriterium, um sich einschreiben zu können, ist der Abschluss der zehnten Klasse. Aber wir machen auch immer mal wieder eine Ausnahme.

Wenn die Mädchen ihre Ausbildung bei uns beginnen, bedeutet das für sie und ihre Familien eine grosse Veränderung im Alltag. Bis dahin hatten sie zu Hause bei diversen Aufgaben geholfen wie: Wasser aus dem Brunnen holen, Kleider waschen, auf die kleinen Geschwister aufpassen und Mittagessen kochen. Doch nun sind sie an sechs Tagen in der Woche entweder in der Schule im CAMAV oder in der Werkstatt am Arbeiten. Dies braucht häufig eine Eingewöhnungszeit für alle Beteiligten. Danach können sie sich voll und ganz auf die Ausbildung konzentrieren.

Automechanikerin mit guten beruflichen Aussichten

Eine dieser jungen Frauen ist Mariama. 2018 begann sie nur halbwegs freiwillig bei uns. Sie hatte die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium nicht bestanden und ihr Vater fand es eine gute Idee, dass sie eine Ausbildung zur Automechanikerin absolvierte. In den praktischen Arbeiten merkte man sofort, dass sie sich bis zu jenem Zeitpunkt nicht mit Mechanik auseinandergesetzt hatte, und auch die Theorie fiel ihr nicht leicht. Aber sie blieb dran und der Lehrmeister merkte, dass Mariama in der Autogarage wirklich mitarbeiten und lernen wollte. So gab er ihr immer mehr und auch schwierigere Arbeiten.

Die jungen Frauen packen kräftig an

In der Mitte ihrer Ausbildungszeit durfte sie den Übertrittstest für das Gymnasium wiederholen und bestand ihn. Nun stand sie vor einem Dilemma: Sollte sie die Ausbildung abbrechen und ins Gymnasium wechseln? Ihre Mutter wollte dies. Wir vom CAMAV rieten ihr jedoch, das zweite und letzte Jahr durchzuziehen und erst danach weiter die Schulbank im Gymnasium zu drücken. Zu unserer Freude entschied sie sich dafür, ihre Lehre bei uns abzuschliessen.

Keine Angst vor schmutzigen Händen

Im Sommer 2020 war es dann soweit: Mariama bestand die Abschlussprüfung und erhielt ihr Diplom. Wie mit uns abgesprochen, trat sie im folgenden Herbst ins Gymnasium ein. Aber sie blieb nicht lange dort, denn für einige Schulfächer waren keine Lehrer vor Ort und die Chance, das Gymnasium erfolgreich abzuschliessen, war darum sehr gering. Wie froh war sie, dass sie ihre Ausbildung bei uns abgeschlossen hatte. Heute arbeitet sie in Conakry in einer Autogarage als Mechanikerin und hat sich bei einer grossen Firma um eine Stelle beworben. Die Aussichten stehen gut, dass sie genommen wird!

Simon, Ausbildner Berufsschule

Die begehrten Diplome - harte Arbeit zahlt sich aus

Kinder stärker fördern

Das letzte Kindergartenjahr hatte wegen den Wahlen etwas später begonnen. Doch dann konnten wir ohne Unterbrechungen bis Ende Juni unterrichten, die Kinder fördern und gut auf die Schule vorbereiten. Zurzeit befinden wir uns in den langen Sommerferien. Zwei Kindergarten-Lehrpersonen besuchen den Sommerkurs einer Partnerschule in der Hauptstadt. Wir hoffen, im Oktober mit einem neuen Dorfkindergarten starten zu können. Zudem ist ein weiteres Dorf ernsthaft an einem Kindergarten interessiert und möchte Leute ins Praktikum schicken.

Neues Lehrmittel und biblischer Unterricht

Wir sind sehr dankbar, dass wir das letzte Schuljahr an der AV Schule ohne Unterbrüche durchführen konnten. Bei den staatlichen Aufnahmeprüfungen für die Oberstufe haben 41 von 51 Sechstklässler/innen bestanden und fürs Gymnasium sogar 33 von 34 Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse.

In den laufenden Sommerferien nehmen fünf Primarlehrpersonen an einer Weiterbildung in der Hauptstadt teil. Wir freuen uns darauf, im kommenden Schuljahr bei der 1./2. Klasse ein neues Lehrmittel für den Lese- und Schreibunterricht einzuführen, das unsere Partner in Conakry erarbeitet haben. Und neu werden wir auch in der Oberstufe regelmässig biblischen Unterricht erteilen.

Neue Mitarbeitende gesucht

Wir brauchen dringend neue Mitarbeitende (u.a. Teamleiter/in, Handwerker/in, Lehrpersonen) mit einem starken Anliegen, die Gute Nachricht weiterzugeben, da im Sommer 2020 zwei Familien in die Schweiz zurückkehren werden. Bitte betet und helft bei der Suche, damit wir bis Ende 2021 neue Mitarbeitende für AV Nord in Aussicht haben. (Siehe unter: Projekt/actionvivre-nord#mitarbeiten)

Herzlichen Dank für eure Unterstützung.

Tobias, Projektleiter

SAM global
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