Kurzeinsatz: Die ersten Wochen in Kambodscha

Nadja ist für sechs Monate im Lighthouse Battambang als Lernhelferin im Einsatz – und erzählt hier von ihren ersten Wochen in Kambodscha:


Gegen Abend kam ich im Lighthouse an – und wurde gleich herzlich von allen Leitern und Studenten begrüsst und die Koffer wurden mir bis ans Bett getragen. Ausserdem wurde mir Essen und sogar Hilfe beim Kofferauspacken angeboten. Bereits an meinem ersten Abend war ich als einzige Ausländerin unter etwa 25 Kambodschanern und ich habe mich wirklich willkommen gefühlt.

Stundenlanges Plaudern mit der Hausmutter

Am nächsten Morgen war ich alleine im Lighthouse und deshalb habe ich die Zeit genutzt, mich mal ein wenig umzusehen. Irgendwann bin ich dann auf Hausmutter Sochai getroffen, die gerade von ihrem täglichen Einkaufen auf dem Markt zurückgekommen ist. Sie hat mir eine Banane angeboten und dann haben wir den ganzen Morgen geplaudert, während sie das Mittagessen auf dem Feuer zubereitet hat. Plaudern ist aber gar nicht so einfach, wenn ich noch kaum ein Wort Khmer kann und es den Anschein macht, als könne sie kaum Englisch.

«Grossmutter dünn» statt «Just Kidding» Vier Wochen später weiss ich, dass sie und und auch die meisten anderen Lighthousebewohner besser Englisch können als zuerst gedacht. Schon am ersten Tage wurde mir erklärt, dass Kambodschaner zu Beginn immer etwas zurückhaltend seien. Wenn sie dir aber einmal vertrauen, lieben sie es, Witze über dich zu machen oder dich reinzulegen. Deshalb war ich irgendwie auch glücklich, als ich nach zwei Wochen herausgefunden habe, dass mir ein falsches Khmer-Wort beigebracht wurde und ich dieses schon eine Woche benutze. Ich dachte, ich sage «Just Kidding» aber, stattdessen habe ich «Grossmutter dünn» gesagt. Seither ist «Je Swat» zu meinem Spitznamen geworden.

Weil der Titel hier eine bedeutende Rolle spielt und man einander auch mit dem Titel statt dem Namen anspricht, wurde ich von Lukas, dem Leiter des Projektes, als «Lehrerin» vorgestellt. Mittlerweile nennen mich aber alle «Schwester», was mir ehrlich gesagt auch viel besser gefällt. Stadt erkunden und Alltag kennenlernen

Meine erste Woche war gleichzeitig auch die letzte Schulwoche für die Lighthousestudenten. Somit konnte ich den Alltag hier erst einmal einfach miterleben und mich ein wenig einleben. Zu einem normalen Tag für die Studenten gehören: Workout um 5.00 Uhr, Schule bis 11.00 Uhr, Hauskreis bis 12.00 Uhr, gemeinsames Mittagessen, Lernen und Freizeit, individuelles Abendessen. Zwischen Workout und Mittagessen habe ich meistens mit dem Velo die Stadt erkundet, eingekauft, eine Wäscherei, eine Bäckerei und den besten Kaffee gesucht. Nach dem Workout habe ich mich aber meist nochmal für ein Stündchen hingelegt. Das Klima, das frühe Aufstehen am Morgen und die vielen neuen Eindrücke machen nämlich müde. Was mir aber am meisten geholfen hat, mich hier zurecht zu finden, waren die Leiter, die kaum älter als ich sind und mir mit sehr viel Geduld gezeigt haben, wie sie kochen, putzen, Töff bzw. Velo fahren, abwaschen und einfach alles, was mir fremd war. Ausserdem haben sie mich immer wieder mit dem Töff mitgenommen. Meistens habe ich nicht mal recht verstanden, wo die Reise hingeht und habe einfach mal zugesagt.


Zu Tränen gerührt in der «Sonntagsschule»

So ging es mir auch am allerersten Sonntag nach einem kambodschanischen Gottesdienst von Pastor Rambo auf dem Lighthousegelände. Varun und Sochai, zwei Leiterinnen, haben mich gefragt, ob ich mit in ihr Heimatdörfchen mitkommen möchte. Zu zwölft auf einem Mini-Pickup mit Metallbänken auf der Ladefläche ging es los. Es wurde viel gelacht, gesnackt und erzählt. Unterwegs wurden immer wieder einige Studenten zuhause abgeladen, damit sie dort den Tag verbringen können. Am Ende blieben noch Sochai, Sovorth (Hausvater), ein Freund aus ihrer Gemeinde und ich. Bei einem kleinen einfachen Häuschen stiegen wir aus und ich wurde einem Ehepärchen mit zwei kleinen Kindern vorgestellt. Sie sind ehemalige Lighthousestudenten. Nachdem wir bei ihnen zu Mittag gegessen hatten, haben wir zusammen in der Bibel gelesen, Anliegen ausgetauscht und füreinander gebetet. Dann sind wir nochmal los und haben im ganzen Dorf Kinder eingesammelt, die dem Auto schon voller Vorfreude und jeder mit Block und Stift entgegen gerannt sind. Als sie mich entdeckten wurde es mucksmäuschenstill und auf dem Rückweg wurde ich von vielen kleinen Kinderaugen gemustert. Sochai hat mir dann erklärt, dass sie so eine Art Sonntagschule machen und am Ende noch ein wenig Englisch lernen werden. Die Kinder können nämlich weder zur Schule, noch gibt es eine Gemeinde in ihrem Dorf. An einem Gebäude für die Sonntagschule wird momentan dank Spenden gebaut. Bis dahin stellt die Familie ihr Haus zur Verfügung. Ich bin zu Tränen gerührt, als ich sehe, wie die Kinder jedes Wort in sich aufsaugen und überglücklich sind, endlich wieder etwas Neues aus der Bibel zu hören. Die Abfahrt nach Battambang verzögert sich um ganze drei Stunden, da die Kupplung des Autos defekt ist. Aber diese drei Stunden sind ein Geschenk für mich, denn die Kinder sind unterdessen nicht mehr ganz so schüchtern und wir haben eine geniale Zeit zusammen. Mit einem riesigen Blumenstrauss in der Hand konnten wir dann die holprige Heimreise antreten.


WG-Leben

Mittlerweile fühlt sich das Leben im Lighthouse ein bisschen an wie in einer WG. Dieses Gefühl hat sich noch verstärkt, seit ich an einem Nachmittag ganz spontan gebeten wurde, das Volontärzimmer auszuräumen und zu den drei Leiterinnen zu ziehen. Innerhalb von nur fünf Minuten war mein Umzug dann erledigt. Die Beziehungen zu meinen drei Mitbewohnerinnen konnten dadurch noch mehr wachsen und ich schätze es sehr, mit ihnen ein Zimmer zu teilen.


Bitte nie wieder Penne kochen! Am meisten Unterstützung brauche ich hier definitiv beim Essen zubereiten. Schon das Einkaufen auf dem Markt ist die ersten Male eine absolute Herausforderung. Den genannten Preis habe ich nicht verstanden und konnte so einfach nur ein Nötli hinhalten, schauen wie viel ich zurückbekomme und hoffen, dass die Preise einigermassen stimmen. Irgendwann habe ich dann die Preise einigermassen verstanden. Trotzdem wollte ich einmal 25000 Riel (ca. 6 Franken) statt den 2500 Riel (ca. 60 Rappen) für 1 Kilo Poulet bezahlen. Naja, zumindest winkt mir die Pouletfrau jetzt schon von Weitem und lacht.

Meistens kann ich mich beim Kochen mit jemandem zusammenschliessen, worüber ich sehr froh bin. Dann stehe ich jeweils daneben und übernehme Jöbli. Im Reiswaschen bin ich deshalb bereits Profi. Am meisten Spass macht aber immer das gemeinsame Abwaschen. Auch das musste mir am Anfang gezeigt werden, denn sie haben ein ganz ausgetüfteltes System, um möglichst wenig Wasser zu brauchen. Ich bin sehr dankbar, dass ich im Lighthouse so viel Hilfe und Unterstützung bekomme. Aber auch ausserhalb merke ich immer wieder, wie mir Menschen zur Seite gestellt werden. Zum Beispiel jemand, der übersetzen kann oder jemand, der mich unter sein Dach einlädt, wenn ich wieder einmal vom Regen überrascht werde.

Erst einmal habe ich angeboten, für ein Vierergrüppchen Nudeln zu kochen. Allerdings wurde ich dann aufgeklärt, dass Penne doch keine Nudeln sind! Obwohl sie alle gut gegessen haben, wurde ich dann gebeten, nie mehr dieses, für sie unbekannte, Essen zu kochen, da sie es nicht gut vertragen. Der Bananenkuchen aus der Pfanne kam dafür umso besser an und so sassen wir am Ende zu acht um den Teller.


Start in den Unterricht

Obwohl in der Schweiz und auch hier noch Ferien waren, haben wir schon zwei Wochen früher mit Englischunterricht und eine Woche früher mit dem «normalen» Unterricht begonnen, um ein wenig Struktur in unseren Alltag hier zu bringen. Auch wir sind in den letzten Tagen umgezogen und machen den Unterricht von nun an draussen. Ich bin sehr froh, dass Janic, Jona und auch Lias gerne zu mir in die Schule kommen. So macht es auch mir grossen Spass und ich freue mich, sie in den nächsten Monaten zu begleiten.


Menüplan Frühstück

  • Kambodschaner: Reis

  • Ich: Haferflöckli, Milch, Früchte und Pulverkaffee

Zmittag

Reis mit...

  • Porridge = Fischsuppe

  • Gemüsesuppen

  • Poulet (da wird auch nichts weggeschnitten – also mit Hirn & Herz!)

  • Schwein

  • Fisch und Fischeier

  • Seekrebse

  • Allerlei Gemüse (von dem ich vieles noch nie gesehen habe)

alles immer inklusive Chilisauce!

Snack

  • Reis

  • Saure Mango mit ChiliZucker-Dip

  • Baguette mit scharfer Füllung nach Wahl

  • Allerlei Früchte und Smoothies

Abendessen

  • Siehe Mittagessen


Ich bin gespannt, was mich sonst noch so erwartet! :)


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