Jede Behandlung – ein kleiner Sieg

Aktualisiert: 3. Dez 2018

In vielen Regionen fehlt es heute noch an medizinischer Versorgung. Einfache Krankheiten führen zu Komplikationen, zu Arbeitsunfähigkeit, zu lebenslangen Schäden. Kranke Erwachsene können monatelang nicht arbeiten, haben kein Einkommen, können ihre Familien nicht versorgen. Kranke Kinder fallen in der Schule aus, verpassen den Anschluss, sterben oft an längst heilbaren Krankheiten. Krankheit verstärkt Armut – und Armut macht krank. Deshalb ist jede medizinische Behandlung, jede Präventionsmassnahme, jede ausgebildete Fachperson ein kleiner Sieg gegen Armut, wie die folgenden Geschichten zeigen.

... ist ein kleiner Sieg gegen Armut

Ehemaliger Leprapatient versorgt Leprakranke

Lepra ist in einigen Regionen in Guinea immer noch ein grosses Problem. Durch Entzündungen verlieren Betroffene häufig Finger oder Zehen. Sie werden oft von Familie und Freunden verstossen und leben isoliert und in Armut. Das blühte auch Robert: Eines Tages stellte er einen helleren Fleck auf seiner Haut am Oberschenkel fest. Er entschied, zu einem traditionellen Heiler in den Wald zu gehen. Eine monatelange «Behandlung» folgte, aber leider ohne Erfolg. Im Gegenteil, seine Hände wurden gefühllos und er verletzte sich, ohne dabei Schmerzen zu empfinden. Durch Entzündungen verlor er Teile seiner Finger. Im Jahr 1986 reiste er nach Macenta ins Centre Médical (heute CHRS). Dort wurde ihm erklärt, dass es sich um Lepra handelte. «Es war nicht einfach, diese Diagnose zu akzeptieren, denn ich wusste, dass das Isolation und Ausgrenzung bedeuten würde. Doch ich erhielt die richtige Behandlung, welche ein Jahr lang dauerte. Als man mich als geheilt erklärte, stellte das CHRS mich als Hilfsbursche im Verbandraum an. Dies ist bis heute meine Tätigkeit.» Robert ist einer von drei ehemaligen Leprapatienten, die heute im CHRS angestellt sind.

«Ich liebe meine Arbeit. Es gibt manchmal auch schwierige Patienten, welche grosse Probleme haben. Sobald man ihnen mit einem guten Wort antwortet, hilft es ihnen, sich zu beruhigen. Einige hatten etwas Angst, sich von einem Mann ohne ganze Finger behandeln zu lassen, das ist ganz normal. Aber ich arbeite nur, wenn ich selber keine Wunden habe.» Robert führt einfache Arbeiten aus, die der ausgelernte Pfleger ihm erklärt. Da er selber von Lepra geheilt ist, kann er vor allem den Leprapatienten viele praktische Tipps geben, die ihnen helfen, ohne Wunden ihr Leben zu leben. «Ich erkläre den anderen Leprapatienten gerne, wie sie ihren Körper beobachten und pflegen können.»

Auf die Frage, ob es ihm etwas ausmache, die oft grossen, stinkenden Wunden zu behandeln, antwortet er: «Nein. Eines Tages, während ich eine grosse, eitrige Wunde am Knöchel eines Mannes reinigte, fiel der Fuss ab – so verfault war alles! Aber das ist eben Teil meiner Arbeit.»

Die Mitarbeitenden von SAM global sind regelmässig auch in verschiedenen Dörfern unterwegs, um ehemalige Leprapatienten zu betreuen, ihnen dabei zu helfen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren, und um das Umfeld zu sensibilisieren und gegen die Stigmatisierung von Leprakranken anzukämpfen. Martha, ProESPOIR, Guinea


Vom Rollstuhl ins Ministerium

Linda wurde in den 80er-Jahren Jahren durch einen Schuss an der Wirbelsäule verletzt. Ihre Beine waren danach vollständig gelähmt. Entsprechend hoffnungslos war ihre Perspektive: Invalide Personen leben in Angola häufig in grosser Armut in Slums – ohne Aussicht auf einen richtigen Job, ein geregeltes Einkommen und Selbständigkeit.

Doch nach und nach kam wieder etwas Kraft in Lindas Beine. Sie erhielt die Möglichkeit, das Rehabilitationszentrum in Kalukembe zu besuchen, das zum Spital der Kirche gehört. Über Jahre wurde sie dort behandelt und einige Muskeln wurden versetzt, damit sie wieder aufstehen konnte. Schliesslich lernte sie, an Krücken zu gehen – und begann 1994, in der angegliederten Krankenpflegeschule als Sekretärin zu arbeiten. Im gleichen Jahr musste sie wegen des Brügerkriegs fliehen und landete in Benguela, wo sie im regionalen Sekretariat der Kirche Aufnahme und Arbeit fand.

Um sich weiterzubilden, entschied sich Linda für ein Studium an der Universität. Vor zwei Jahren hat sie das Studium abgeschlossen und arbeitet jetzt im Ministerium für Sozialhilfe. Sie plant, weiterzustudieren und ihren Master zu machen. Was wäre wohl aus ihr geworden, wenn sie nie die Chance auf eine Behandlung, nie Rehabilitation erhalten hätte?

Der Weg aus Armut und Krankheit ist oft lang. Umso mehr, da es in Angola wenig Hilfe für invalide Menschen gibt. Mit einem eisernen Willen, der möglichen Therapie und dem Vertrauen auf Jesus Christus wird aber scheinbar Unmögliches möglich. Elisabeth, Reha-Arbeit, Angola

Germana kann wieder sehen!

Frau Germana João war wegen grauem Star an beiden Augen erblindet und wurde in der Augenklinik Boa Vista in Angola operiert. Sie hatte vorher nur noch Staub gesehen und ihren Mann einzig an seiner Stimme erkannt. Heute kann sie wieder ganz alleine in die Kirche gehen und selbständig ihr kleines Feld bepflanzen und damit zum Einkommen in der Familie beitragen.

Boa Vista, Angola


Jedes Jahr werden in der Boa Vista über 2700 Personen wegen grauem Star behandelt. Sie erhalten dadurch ihr Augenlicht – und damit Lebensqualität und die Chance auf Arbeit.

Eine Behandlung – lebenslange Auswirkungen

S. ist ein mittlerweile 55-jähriger Mann, der als junger Erwachsener an Lepra erkrankte. Leider bekam er damals zu spät eine Behandlung, weshalb er schwerwiegende Verstümmelungen an den Händen und Füssen erlitt. Nach der erfolgreichen Behandlung der Lepra konnte er 1996 als 33-jähriger im damaligen Centre Médical in Macenta (jetzt CHRS) eine Arbeit finden, und zwar als «Medikamenten-Abzähler» in der Apotheke. Im CHRS werden Medikamente aus Kostengründen in grossen Dosen mit je 1000 Tabletten eingekauft. Anschliessend müssen diese Medikamente für die Abgabe an die Patienten in kleine Säckchen abgepackt werden. Trotz seinen verstümmelten Finger hat S. eine grosse Fingerfertigkeit entwickelt – die Präzision und Geschwindigkeit, mit der er die Medikamente abfüllt, ist erstaunlich. Dank dieser Aufgabe und dem festen Einkommen konnte er heiraten und eine Familie gründen. Leider waren seine Probleme noch nicht ausgestanden. Trotz aller Präventionsmassnahmen und Spezialschuhe entwickelte er hartnäckige Infektionen an den gefühllosen Fussstümpfen. Schlussendlich musste der Chirurge im CHRS vor ein paar Monaten schweren Herzen eine Unterschenkelamputation auf einer Seite vornehmen. Da das CHRS über eine Orhopädie-Werkstatt vergüt – die einzige in der ganzen Region –, konnte S. kurz nach der Operation mit der Anpassung einer provisorischen Prothese beginnen. Mittlerweile ist er bereits wieder weitgehend ohne Krücken unterwegs – und kann weiter seiner Arbeit nachgehen und seine Familie versorgen. Und obwohl er selber kaum eine Schulbildung geniessen konnte, konnte sein ältester Sohn vor kurzem die Schule abschliessen und ein Studium beginnen! David, ProESPOIR, Guinea


Hoffnung für einen Jungen mit HIV und Tuberkulose

«Docteur David, venez voir ce garçon!» Der Junge, den mein Kollege Dr. Jean Hébélamou, der leitende Arzt im HIV/AIDS-Bereich im CHRS in Macenta, mir zeigen will, ist der knapp 5-jährige N‘Valy. Zuerst erkenne ich den Jungen nicht. Ein Blick in die Patientenakte bestätigt aber, dass ich bei ihm vor ein paar Monaten eine gleichzeitige HIV- und Tuberkulose-Infektion diagnostiziert habe. Dank der Tuberkulose-Therapie und der antiretroviralen Behandlung (direkt gegen HIV gerichtet) geht es dem Jungen mittlerweile blendend, er hat sein altersentsprechendes Normalgewicht erreicht und auch den Wachstumsrückstand aufgeholt. Deshalb habe ich ihn nicht mehr erkannt. Die Mutter, von der sich der Junge während der Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit angesteckt hatte, ist leider kurz nach Eintritt in unser Behandlungsprogramm verstorben. Jetzt lebt N’Valy bei der Grossmutter – ein häufiges Schicksal hier. Wie schön, wenigstens diesem Jungen eine Perspektive für eine gute Zukunft bieten zu können! David, ProESPOIR, Guinea


Jährlich erhalten über 400 000 Personen eine medizinische Behandlung oder Beratung von SAM global. 400 medizinische Fachkräfte werden aus- und weitergebildet – und können ihr Wissen weitertragen und multiplizieren, sodass noch viel mehr Personen davon profitieren.
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