Fredi: Ein neues Kapitel

Aktualisiert: 10. Dez 2018

Vor 8 Monaten habe ich Guinea verlassen und lebe wieder in der Schweiz, habe ein neues Kniegelenk, das sich auf dem langsamen Weg der Besserung befindet, und bin wieder verheiratet. Mein Leben ist und bleibt interessant, abwechslungsreich und ich bin einfach dankbar, wie Gott mich und uns alle als neue, grosse Patchworkfamilie begleitet hat und jeden Tag neu führt! Ich möchte euch liebe Leser, liebe Freunde, liebe Beter, jetzt teilnehmen lassen am aktuellen Geschehen in Kissidougou. Natürlich, es liegen ein paar tausend Kilometer zwischen Grabs und Kissi. Aber dank Internet mit allen Optionen und neuer Antenne in Kissi können wir sogar per WhatsApp oder Messenger telefonieren.


Zwei Beispiele möchte ich aus vielen anderen erwähnen:


Kampf gegen Genitalverstümmelung

Mich berührt es immer wieder, wenn ich sehen darf, wie Einheimische ähnliche Anliegen und Ideen haben wie wir als Expats. Vor ein paar Jahren hat ein uns gut bekannter Pastor auf unsere Initiative hin einen Verein gegründet. ACAF, Association Chrétienne pour Aide aux Femmes, auf Deutsch: Christlicher Verein für die Hilfe für Frauen. Er ist staatlich anerkannt und das entsprechende Dokument ist vom Préfet (das wäre hier der Kantonspräsident) persönlich unterzeichnet! Jetzt haben sie ein Projekt für die Finanzierung gemacht und es ist von der Stiftung gegen Mädchenbeschneidung akzeptiert worden. Auch dort war ich als Übersetzer und Fürsprecher involviert. Dieser Verein hat aktuell 12 Mitglieder und macht vor allem Aufklärungsarbeit. Er ist aber finanziell und administrativ weder an die einheimische Kirche noch an eine Organisation gebunden und ist nur der Stiftung gegenüber verantwortlich. Der Verein besucht ein Dorf nach dem anderen. Der Ablauf ist immer ähnlich. Der Besuch von ACAF wird angekündigt und die Leute zu einem Nachtessen eingeladen. Das Essen wird von der lokalen Bevölkerung organisiert und kostet pro 100 Einwohner etwa € 30.- Das übernimmt die Stiftung. Dann wird in der einheimischen Sprache (und es gibt sehr viele davon, die sich nicht ähnlich sind!) eine Rede gehalten und dabei nachgefragt, wie es dem Dorf so geht. Geschickt wird der Fokus auf die Familie und die Eheleute gelenkt, weil das an praktisch allen Orten ein Problemfeld ist. Jetzt ist es Zeit, dass die Männer von den Frauen getrennt werden, weil der Referent ein paar Dinge anspricht, die den Leuten ein bisschen peinlich werden. Past. Paul nimmt sich den Männern an, seine Frau, Past. Christine den Frauen. Die Begleitpersonen werden auch nach Geschlecht aufgeteilt, damit offen gesprochen werden kann. Sehr viele Nöte in den Ehen sind auf die Beschneidung der Frau zurückzuführen. Die eheliche Sexualität ist für die Frauen eher eine schmerzhafte Tortur als ein beglückendes Erlebnis. Laut UNO sind in Guinea 96 % der Frauen genitalverstümmelt.

Da praktisch alle Dörfer im Raum Kissidougou animistisch geprägt sind mit Einflüssen des Islam, kommen die Leute schnell ins Gespräch, wenn z. B. Sure 95,4 zitiert wird:

Auf Arabisch: لَقَدْ خَلَقْنَا الْإِنْسَانَ فِي أَحْسَنِ تَقْوِيمٍ

Oder auf Deutsch: Wahrlich, Wir (Allah und Mohamed) haben den Menschen in bester Form erschaffen. Wenn Gott (resp. Allah) den Menschen in bester Form, oder vollkommen erschaffen hat, warum meint ihr denn, müsse man etwas weg schneiden … Wer mehr Infos über die Aussagen des Korans möchte, kann sich gerne bei mir persönlich melden.

Esther ist heute glückliche Mama.

Bei den Frauen wird der Fokus eher auf die Folgen der Beschneidung gelegt. Dazu ein Zeugnis von Esther (Name geändert): Nach der Geburt des ersten Kindes verlor sie als Folge der Verstümmelung so viel Blut, dass sie dem Tod nahe war. Eine Bluttransfusion mit Blutstillung kostet rund 50 €. Das ist ein halber Monatslohn eines gut Verdienenden – und kaum jemand kann einfach so so viel Geld aufbringen ... Wenn du nicht bezahlen kannst, gibt es im Spital weder Operation noch Blut. Darum sterben so viele junge Mütter in Guinea. Esther betete mit letzter Kraft zu Isa (Jesus), von dem im Koran steht, dass er Leben einhauchen kann. Past. Paul, der ein Freund der Familie ist, konnte dank der Stiftung helfen und die zusätzlichen Kosten übernehmen. Diese gelebte Nächstenliebe löste bei Esther viele Fragen aus und sie öffnete ihr Herz für Gott. Heute ist sie glückliche Mutter und singt im Chor einer neuen, kleinen Kirche in einem muslimischen Quartier. Ihr Mann ist in der Kirchenleitung und hilft als Maurer mit, den Neubau auf einem eigenen Gelände zu realisieren. Inzwischen hat die kleine Kirche bereits 90 Gottesdienstbesucher. Bezahlt hat das Gelände die SAM global mit Hilfe des Vizepräsidenten Past. Jean der Kirche. Auch er gehört zu meinen vertrauten Freunden und trägt das Anliegen des Gemeindebaus mit uns mit.



Die berufliche Ausbildung geht weiter

Dieses Bild zeigt den Occasion-Traktor, der vom Verein «Solidarität für eine Welt, Grabs» im Rahmen eines Projektes für die Erweiterung der Werkstätten finanziert wurde. Ganz links ist Salomon, einer meiner ersten Lehrlinge, der heute ein fähiger Berufsschullehrer an der staatlichen Berufsschule ist. Weiter sieht man auf dem Bild Abel, der von unserem Ausbildungsprojekt ein Stipendium erhielt und als Automobildiagnostiker ausgebildet ist. Noch ein paar weitere liebe Ehemalige sehe ich, aber zu meiner grossen Freude sind sieben neue Lehrlinge auf dem Bild. Die jetzigen Mitarbeiter geben viel Herzblut in die Ausbildung der Landmaschinenmechaniker. Ich bin überzeugt, dass die gute Ausbildung, die Jüngerschaftsschulung und Gott aus diesen jungen Menschen Hoffnungsträger bilden wird für Guinea!


Neue Aufgaben

Mit grosser Freude habe ich in der Schweiz neue Aufgaben und Herausforderungen übernommen. Ein Beispiel sind meine 12 Mechanikpraktikerlehrlinge, die ich in Rorschach unterrichten darf. Das sind 12 junge Menschen, die einen so schweren Rucksack tragen, dass sie keine anspruchsvolle Ausbildung stemmen können – und genau diese sind bei gelandet oder, besser gesagt, ich bei ihnen!

Auch wenn ich Ende Jahr nicht mehr offiziell bei der SAM global arbeite, werde ich mit viel Einsatz die Arbeit in Guinea weiter begleiten und unterstützen. Und euch möchte ich einmal mehr herzlich danke sagen für alles Begleiten, Beten und unterstützen. All die Jahre in Afrika, zuerst in Angola und nachher in Guinea, erlebten wir weder finanzielle Engpässe noch andere unüberwindliche Probleme, auch wenn es genügend Herausforderungen gab. Gott möge seine Gemeinde weiter bauen, hier und in aller Welt. Dabei braucht er uns alle, jeden auf seinem Platz. Nur – möchte ich anmerken – wer für eine Zeit unsere Komfortzone verlassen möchte, den kann Gott auch im fernen Guinea brauchen. Melde dich bei mir – ich kenne dutzende von offenen Stellen …


Fredi, ehemaliger Mitarbeiter in Angola und Guinea

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