Ein Tag im Leben von Robert

Robert ist ausgebildeter Lehrer und derzeit gerade für (mindestens!) ein Jahr in Guinea – und beschreibt hier auf sehr humorvolle Art (und in der dritten Form Singular) einen typischen Tagesablauf:


Normalerweise wird er vom Wecker um 06.30 Uhr geweckt. Die Überzeugung, dass es Zeit ist, aufzustehen, übermannt ihn jeweils um 06.40 Uhr und um 06.45 Uhr findet er dann auch noch die Willensstärke, seiner Überzeugung zu folgen. Nach einem müden «Morgä» an die Adresse des ebenfalls aufgestandenen Lukas machen ein «Nutella»-Brot und Schwarztee aus dem hungrigen und schweigsamen Zeitgenossen einen nicht weniger schweigsamen, aber etwas weniger hungrigen Gesellen. Ein zweites und drittes Brot eliminieren letzteres Problem und unterdessen bemüht sich sein Bluetooth Speaker, unter dem Kommando von Lukas‘ Applemusic-Playlist, etwas Leben in die Szenerie zu hauchen. Nicole gesellt sich dazu und bald darauf waschen alle ihr Geschirr ab, greifen ihre Schlüssel und «Arrivederci!».



Der Bejubelte auf dem Schimmel ... oder so

«Porto, Porto!», schallt es immer wieder vom Strassenrand und Hauseingängen her und hinter Zäunen hervor. Die Kinderaugen scheinen morgens um halb acht schon sehr aufmerksam die Strasse zu beobachten und die dazugehörigen Kehlen posaunen des Portos Hautfarbe freudig in die Welt hinaus, als ob sie die Rückkehr eines siegreichen Feldherrn ankündigten. Mit vor Stolz geschwollener Brust winkt der Bejubelte dann jeweils von seinem Schimmel herab seinen Bewunderern zu und sonnt sich im Beifall der Menge. «Komm runter, du bist auch nur ein Mensch!», mahnt ihn plötzlich eine innere Stimme und ehe er sich versieht, sitzt er wieder auf seinem Velo und strampelt unter den leicht nervigen «Porto!»-Rufen den Berg zur Schule hoch, den Kopf meist geradeaus gerichtet und mit Lenkstangen-Klammergriff Schlaglöchern in der Strasse ausweichend. Ein paar Minuten später sitzt er schweissgebadet im Schulzimmer und fragt sich, ob er sich mit dem Velofahren womöglich einer kulturellen Entgleisung schuldig mache. Der Töff allein zu Hause ... er wischt die Gewissensbisse rasch beiseite und redet sich ein, dass ihm der Sport trotz des feuchtwarmen Klimas gut tue.


Von «Schnägge sammle» und Geschwisterstreit

«Guete Morge, Mössiö Robääär», ertönt Erinns Stimme. «Chani no chli go Schnägge sammle?» «Ja klar, du häsch na 15 Minute», erwidert der Monsieur leicht stirnrunzelnd. Das war jetzt kein alltägliches Beispiel, aber was ist schon Alltag in der Schule? Zum Beispiel Amaels plötzliches und lautes «Erinn!», das den Lehrer innerlich aufseufzen lässt. Da ist wohl wieder mal ein Gewitter im Anzug und mit Erinns «Was isch dänn? Ich ha ja gar nüt gmacht!» werden die Wolken nur noch finsterer. Wenn Blicke töten könnten, hätten die beiden Geschwister schon so manches Leben verloren. Und dies meist wegen irgendwelcher Lappalien, beispielsweise eines herrenlosen Radiergummis («Das isch miine!» - «Nei, miiine!») oder Geschenken («Du häsches mir gschänkt!» - «Stimmt nid, du häsches gstohle!»). Erinns gemurrtes «ich habe ja Ordnung, einfach meine» darf natürlich auf dem Tagesprogramm genauso wenig fehlen wie Monsieur Robääärs «so wirsch im Fall d‘Gymiprüefig nid schaffe!». Trotzdem und auch wenn es jetzt nicht gerade danach getönt hat: Der Lernhelfer mag die beiden aufgeweckten und klugen Jungs und hilft ihnen gerne bei der Bewältigung ihrer Aufgaben.


Zum Zmittag? Reis mit Sosse!

Mittagspause beim Restaurant. Es ist eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass es Reis mit Sosse gibt. Meist setzt sich Monsieur Robääär nach einem in die Runde geworfenen «On Jaarama» auf den nächsten freien Platz am Tisch, wartet, bis ihn die Frau bei der Reisschüssel anschaut und irgendwas fragt und nennt dann seine Lieblingssosse: «Mafe Supo». Schweigend, nur hin und wieder ein paar Worte auf Französisch mit den etwas später dazugestossenen Lehrlingen des Ateliers austauschend, isst er seinen Teller voll Reis und geht bald wieder.


Der Nachmittag

Am heutigen Nachmittag hat er frei. Im Supermarché kauft er sich ein Bifarella, drei Pack Spaghetti, eine Dose Erbsen und 1 Kilo Zucker für 61´000 GF. Zum Glück hat er gerade noch 65‘000 im Portemonnaie. Voll Garacho braust er nun auf seinem Drahtesel den Berg runter, ohne Halt bis nach Hause. «Kong kong!» Die nachmittägliche Ruhe wird ausnahmsweise mal pünktlich um 15.00 Uhr gestört. Ein paar Kinder werden reingelassen, mit Wasser, Stiften und Memorykärtchen versorgt und sich selbst überlassen. Sie scheinen zufrieden zu sein. Heute braucht der Monsieur seine Wunde am Fuss nicht mehr zu salben, sie ist verheilt, endlich. Sie hat einfach nach drei Monaten angefangen zu eitern, aber nun ist gut. Um 18.00 Uhr werden die Kinder nach Hause geschickt, unterdessen kocht Lukas Spaghetti mit Tomaten-Auberginen-Sosse, ein Standardmenu, sozusagen der Reis der Portos. Anschliessend backt die Hauptperson dieser Geschichte noch ein Brot, das macht sie gerne und mehrmals wöchentlich. Manchmal nur, weil es sonst nichts zum Frühstück gäbe. Jetzt noch ein bisschen schreiben (manchmal auch Film oder zeichnen oder eher selten lesen), duschen, Zähne putzen und ins Bett.


Robert, Kurzzeiter im ActionVIVRE Süd, Guinea

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