Ein Tag im Leben von Philippe


Noch etwas verschlafen geniesse ich das Frühstück mit meiner Familie – französisches Baguette und Cornflakes. Unsere drei Kinder – wann sind Kinder eigentlich je müde?! – bereiten gerade fröhlich plappernd ihr Znünibrot vor, als ich das Haus verlasse und mit dem Motorrad in Richtung Atelier brause. Dort fängt die Arbeit mit den Lehrlingen pünktlich um 8.00 Uhr an. Schon eine einzige Minute Verspätung hat eine Geldstrafe zur Folge, die auch der Maître, der Lehrmeister, zu bezahlen hat. Es ist uns wichtig, dass wir den Lehrlingen neben Fachwissen und praktischen Kompetenzen auch gute Werte vermitteln können. «Travail, justice, solidarité», auf Deutsch «Arbeit, Gerechtigkeit, Solidarität», steht auf der guineischen Nationalflagge, aber genau diese Dinge fehlen in diesem Land. Wir wollen die Zeit mit unseren Lehrlingen dazu nutzen, um mit ihnen eine gute Arbeitsmoral einzuüben – Pünktlichkeit, Freude an der Arbeit, Fleiss, gute Qualität. Wir möchten sie dabei unterstützen, ihr Leben gut zu gestalten und sowohl im Beruf als auch privat ehrlich zu sein, gute Entscheidungen zu treffen und zu Fehlern zu stehen. Wir wollen ihnen vorleben, wie man Konflikte bewältigt und dass Freundschaften an schwierigen Situationen nicht zerbrechen müssen, sondern wachsen können; wir möchten ihnen helfen, ein guter Sohn, Ehemann, Vater zu sein oder zu werden sowie ein wichtiges Mitglied der Gesellschaft, welches die nachkommende Generation positiv prägt.

Arbeit und Leben teilen Im Atelier werden am Morgen als Erstes die verschiedenen Arbeitsgruppen für den Tag zusammengestellt und die Aufgaben verteilt. Heute braucht es Maurer für eine Baustelle, Dachdecker für eine andere und eine Schreinergruppe in der Werkstatt. Die Bevölkerung hier vor Ort hat unsere Arbeit zu schätzen gelernt und so haben wir immer mehr als genug zu tun. Ich schaue in der Schreinerei vorbei. Hier läuft alles bestens – Alpha hat die Arbeit und die ihm zugeteilten Lehrlinge gut im Griff. Er hat letztes Jahr die Lehre bei uns abgeschlossen und wir haben ihn danach als Vorarbeiter angestellt. Ibrahima, unser zweiter Vorarbeiter, betreut die Maurerarbeiten. Auch hier läuft alles gut. So gehe ich mit der Dachdecker-Equipe mit. Die Arbeit am Dachstock ist geometrisch recht herausfordernd. Am letzten Freitag haben wir im Theorieunterricht versucht, die Dachschrägen im Modell zu konstruieren. Für die meisten Lehrlinge war dies eine riesige Herausforderung. Ihre Schulbildung weist leider sehr grosse Lücken auf, das guineische Schulsystem krankt in vielen Bereichen.

Die Arbeit macht allen Spass, nur der Meister – also ich – betet im Stillen, dass der Übermut nicht zu einem Sturz aus dem hohen Gebälk führt; die ernüchternde Erinnerung an meine letzte Besichtigungstour des örtlichen Spitals lässt mich die Lehrlinge zur Vorsicht mahnen. Die gemeinsame Arbeit und die Mittagspause bieten viel Raum für ein gutes Miteinander und wertvolle Gespräche. Nicht selten ergibt sich eine Situation, in der ich eine Geschichte aus meinem Leben oder dem Leben der alten Propheten teilen kann.

Nach getaner Arbeit mache ich mich auf den Heimweg. Dort habe ich zuerst eine Stunde Pause vor mir, danach geniesse ich den Abend mit meiner Familie. Die Kinder haben viel zu erzählen von der Schule und auch Sandra hatte einen ausgefüllten Tag mit ihren verschiedenen Projekten. Bald sind wir alle müde und Ruhe kehrt in unser Haus ein. In der nächtlichen Stille können wir uns erholen und den Geist für den neuen Tag vorbereiten.

Philippe, Mitarbeiter im ActionVIVRE Süd, Guinea


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