Der schweizerische Standard – Selbstverständlichkeit?

Der gute Ruf in Bezug auf Sicherheit, Effizienz und Pünktlichkeit eilt Herr und Frau Schweizer voraus. «Made in Switzerland» garantiert Qualität. Doch wie sieht es aus, wenn man einen Blick hinter die Kulissen der Grosskonzerne wirft – kann der Standard über die ganze (Liefer-)Kette hochgehalten werden? Die beschämende Realität regt zum Nachdenken an – auch zum Umdenken?


Rund 2/3 des weltweit vorhandenen Goldes gehen bei der Aufbereitung und Fertigstellung den Weg durch die Schweiz, dies gemäss Hochrechnungen von swissinfo.ch. Nicht selten stammt das Gold aus Burkina Faso. (In Burkina Faso schulen wir als SAM global einheimische Ehepaare, um sie für ihren Dienst in verschiedenen Regionen des Landes vorzubereiten.) Als pflichtbewusste Eidgenossinnen und Eidgenossen verschaffen wir relativ vielen Anliegen ein Gehör und stehen auf, wenn es nicht mit rechten Dingen zu und her geht. Zumindest, wenn es mit dem eigenen Weltbild nicht übereinstimmt. Weshalb also hier die Zurückhaltung? Wie Public Eye in einem Bericht veröffentlichte, werden zehntausende Kinder mit dem Goldschürfen in kleingewerblichen Minen beschäftigt. Die Bedingungen sind – abgesehen vom Fakt der Kinderarbeit – lebensbedrohlich und alles andere als menschenwürdig. Dieses geschmuggelte Gold wird dann an eine Genfer Handelsfirma exportiert und an eine Tessiner Raffinerie (Name bekannt) weiterverkauft. Verletzung der Menschenrechte vor unseren Augen und in unserem Land. Und jetzt? Die Konzernverantwortungsinitiative, über die im Herbst abgestimmt wird, fordert, dass Konzerne für ihre skrupellosen Geschäfte geradestehen sollen. In diesem Sinne hinkt die Schweiz einem so dringend notwendigen Standard hinterher.


Ähnlich sieht es im Tschad aus, wo wir mit dem Projekt ProRADJA‘ Veränderung in den Bereichen Bildung und medizinische Arbeit bewirken. Dort in der Nähe gab es einen Dammbruch, bei welchem Abwasser mit Chemikalien der Erdölproduktion in einem Auffangbecken gestaut war, als die Erddämme aufgrund des vielen Regens und der schlechten Konstruktion brachen. Dieses vergiftete den Fluss Nya Pende, der überlebensnotwendig für Mensch und Tier gewesen ist. Vertreter des Konzerns erachteten die Situation nicht als bedrohlich und behaupteten, dass das Wasser weiterhin konsumierbar sei. Die Folgen waren beispielsweise zentimetergrosse Brandblasen auf der Haut der Opfer. Als SAM global unterstützen wir die Initiative zum Schutz der Menschen im Tschad und können die Dringlichkeit gar nicht genug unterstreichen!


Eines unserer Hauptanliegen ist es, in der Schweiz auf die Möglichkeiten der Unterstützung im Ausland aufmerksam zu machen. In dieser Angelegenheit ist aktives Handeln in der Schweiz angesagt. Wenn wir die Menschen dort schützen wollen, müssen wir hier anfangen umzudenken. Mit der Initiative für Konzernverantwortung soll sichergestellt werden, dass Schweizer Konzerne bei ihren Geschäften die Menschenrechte respektieren und Umweltstandards einhalten. Sollten die Vorgaben nicht eingehalten werden, müssten die Konzerne für die verursachten Schäden haften.


Die Schweizer Qualität soll in allen Bereichen überzeugen und für faire Arbeit und Produktion stehen. Jeder Mensch hat das Recht auf Achtung und Würde. Machen wir als Schweizerinnen und Schweizer aktiv einen Unterschied: hier können Sie Kampagnenmaterial zur Initiative bestellen.




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