Der Kampf gegen Lepra

Lepra kennen wir meistens vor allem aus irgendwelchen Geschichten aus dem Mittelalter. Dementsprechend vage ist oft auch unser Bild davon. Lepra – da löst sich doch irgendwie der Körper dann auf, oder?!


Zuerst ganz allgemein: Lepra, auch «Aussatz» genannt, ist eine chronische Infektionskrankheit. Übertragung geschieht durch Tröpfcheninfektion. Lepra führt dazu, dass Nerven absterben und die Betroffenen so das Schmerzempfinden verlieren. Wunden sind nicht mehr spürbar und werden deshalb nicht behandelt. Die Folge: Entzündungen – die bis zum Absterben und Abfallen von zum Beispiel Fingern und Zehen führen können. Leprakranke haben dann manchmal nur noch Stummel statt Hände und Füsse. Besonders wichtig ist deshalb, dass Betroffene ihre Wunden entdecken und behandeln. So kann der Verlust von Gliedmassen verhindert werden. Das Gute: Lepra ist heute heilbar! Dafür braucht es eine längere Therapie.

In Europa kommt Lepra seit dem 18. Jahrhundert kaum mehr vor. In südlichen Regionen kommt es aber immer noch jährlich zu rund 200 000 Neuansteckungen – besonders oft sind Kinder betroffen. Leprakranke, manchmal aus «Aussätzige» bezeichnet, werden oft von der Gesellschaft verstossen und leben vereinsamt und verarmt.


SAM global und Lepra

In den 50er-Jahren begann SAM global, sich in Angola im Kampf gegen Lepra zu engagieren – mit Erfolg. In den 80er-Jahren wurde der guineische Staatspräsident auf diese Arbeit aufmerksam und bat das Team deshalb, auch in Guinea eine solche Arbeit zu starten. Vor allem in der Waldregion Guineas gab es damals unzählige Leprakranke. Sie wurden von allen gemieden, niemand wollte sich um sie kümmern. So reisten 1982 die ersten Mitarbeitenden aus und starteten eine Gesundheitsarbeit. Später entstand daraus das Spital «CHRS». Ein guineischer Arzt meinte damals zu einer der ersten Mitarbeiterinnen: «Die Tatsache, dass Sie bis nach Guinea gekommen sind und so viel erduldet haben, um dieses medizinische Werk aufzubauen, zeigt uns, dass Ihr Gott wirklich mächtig ist.»


30 Jahre Einsatz

Martha reiste 1988 nach Guinea aus. Sie erzählt:

Der Liedtext «Neues wagen im Vertrau’n auf einen guten Weg …» begleitete mich damals schon seit einiger Zeit, als Gott mich auf einen Einsatz mit SAM global (damals Schweizer Allianz Mission) aufmerksam machte. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich niemanden von SAM global, musste im Atlas nachsehen, wo Guinea liegt, und von Lepra hatte ich nur eine vage Ahnung. Doch ich war bereit, auf Gott zu vertrauen und mich auf das «Abenteuer Guinea» einzulassen. Ich war absolut überzeugt, dass dies Gottes Idee für mich war. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Ich reiste in die Waldregion Guineas, nach Macenta, wo ich sofort nach meiner Ankunft in der Apotheke des Lepra- und Tuberkulosespitals von SAM global stand und, instruiert durch eine Kollegin, versuchte, den Arbeitsablauf zu verstehen. Zudem wurde mein vom Spitalalltag in der Schweiz geprägter Sinn für Sauberkeit am Anfang arg strapaziert, denn überall lag Staub … doch ich gewöhnte mich daran. Generell veränderten sich meine Sicht und Wahrnehmung mit der Zeit sehr stark: Je mehr ich die Menschen, das Personal und die Patienten kennenlernte, desto weniger bemerkte ich das so typisch Afrikanische meines Alltags und meiner Arbeit, das ich zu Beginn vielleicht als befremdlich und anstrengend empfunden hatte.

Trotzdem waren die ersten zwei Jahre sehr intensiv: Wir waren mit Bürgerkrieg im Nachbarland, tödlichen Unfällen und Konflikten im Team konfrontiert. Nach diesen zwei Jahren sagte ich zu Gott: «Wenn das so weitergeht, wenn das Mission bedeutet, darfst du dir eine andere Person suchen. Ich mag nicht mehr.» Drei erholsame Monate in der Schweiz mit vielen Gesprächen und Stille vor Gott halfen mir, zu wissen, dass mein Platz in Macenta war.

Und heute bin ich immer noch hier. Weshalb? Gott füllte mein Herz mit einer ausserordentlichen Liebe für Menschen, die von Lepra betroffen sind. Dank Aufklärungskampagnen ging die Zahl der Neuansteckungen in den letzten 30 Jahren stark zurück und die Ablehnung gegenüber Leprakranken nahm ab. Während 1988 noch fast 2000 neue Fälle von Lepra entdeckt und über 2600 Personen im CHRS in Behandlung waren, waren es 2016 nur noch 53 neue Fälle und 47 Personen in Behandlung. Es konnten riesige Fortschritte gemacht werden.

Doch es kommt auch immer noch zu Neuansteckungen, vor allem in abgelegenen Gebieten. Viele Betroffene wissen nicht, wie sie ihre Wunden richtig behandeln können, und verlieren deshalb Gliedmassen. Und Leprapatienten, die bereits eine Therapie gemacht haben, sind zwar geheilt, leiden aber unter Verstümmelungen und körperlichen Behinderungen, können keiner richtigen Arbeit nachgehen, werden gemieden und ausgegrenzt. Aus dieser Not heraus ist die Rehabilitationsarbeit von SAM global entstanden: Vor einigen Jahren haben wir begonnen, umherzureisen und diese Menschen gezielt zu suchen, zu behandeln, im Alltag zu unterstützen, ihr Umfeld zu sensibilisieren und ihnen auf dem Weg zurück in die Gesellschaft und ins Arbeitsleben zu helfen, zum Beispiel auch mit Mikrokrediten und Kleingewerbeförderung.

Wir durften durch diese Arbeit unzählige positive Zeugnisse hören. Aber solange es noch unentdeckte Leprakranke oder ehemalige Leprapatienten gibt, die unsere Hilfe brauchen, werden wir weitermachen. Mein Traum und grosser Wunsch, meine Vision ist es, in den nächsten Jahren möglichst ALLE Leprakranken zu finden und zu behandeln, bevor sie bleibende körperliche Behinderungen aufweisen. Ich bin überzeugt, dass dies mit einem Totaleinsatz von allen Beteiligten, möglich ist. Ich bin mir aber auch bewusst, dass dieser Traum nur mit Gottes Hilfe Wirklichkeit werden kann.

Keinen Moment bereue ich es, damals den Schritt ins mir unbekannte Land Guinea gewagt zu haben. Gottes Treue und seine unaufhörliche Fürsorge haben mich durchgetragen.


Ein Beispiel aus der Lepraarbeit

S.E.K. ist ein mittlerweile 55jähriger Mann, der als junger Mann an Lepra erkrankte. Leider bekam er damals zu spät eine Behandlung, weshalb er schwerwiegende Verstümmelungen an den Händen und Füssen erlitt. Nach der erfolgreichen Behandlung der Lepra selber konnte er 1996 als 33-jähriger im Spital CHRS eine Arbeit finden, und zwar als «Medikamenten-Abzähler» in der Apotheke. Im CHRS werden Medikamente aus Kostengründen in grossen Dosen mit je 1000 Tabletten eingekauft. Anschliessend müssen diese Medikamente für die Abgabe an die Patienten in kleine Säckchen abgepackt werden. Trotz seinen verstümmelten Finger hat S.E.K. eine grosse Fingerfertigkeit entwickelt – die Präzision und Geschwindigkeit, mit der er die Medikamente abfüllt, ist erstaunlich. Dank dieser Aufgabe konnte er heiraten und eine Familie gründen. Leider waren seine Probleme noch nicht ausgestanden. Trotz aller Präventionsmassnahmen und Spezialschuhe entwickelte er hartnäckige Infektionen an den gefühllosen Fussstümpfen. Schlussendlich musste der Chirurg im CHRS vor ein paar Monaten schweren Herzen eine Unterschenkelamputation auf der einen Seite vornehmen. Da aber das CHRS über die einzige Orthopädie-Werkstatt der ganzen Region verfügt, konnte S.E.K. kurz nach der Operation mit der Anpassung einer provisorischen Prothese beginnen. Mittlerweile ist er bereits wieder weitgehend ohne Krücken unterwegs – und kann weiter seiner Arbeit nachgehen und seine Familie versorgen. Und obwohl er selber kaum eine Schulbildung geniessen konnte, konnte sein ältester Sohn vor kurzem die Schule abschliessen und ein Studium beginnen!

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