Tschad

Winter in der Oase

8.12.2020
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5
Min.

Winter in der Oase

Von Juni bis Ende August werden hier Höchsttemperaturen von 45-47 Grad erreicht. Ab Mitte Oktober lässt die Hitze deutlich nach. Es wird von Tag zu Tag kühler. Von 40 Grad im September sinkt die Tagestemperatur kontinuierlich bis auf etwa 15 Grad Ende Dezember. Nachts kann es um den Jahreswechsel auch mal unter null Grad sein!
Mit der «Kälte» verändert sich auch das Leben hier. Wenn die Sonne untergegangen ist, so um 17 Uhr, zieht man sich in die Häuser zurück und es wird still draussen. Nur das Brummen der Generatoren ist zu hören. Sogar die Ziegen und Esel, die in der warmen Jahreszeit oft viel Lärm machen, verstummen und suchen sich ein warmes Plätzchen für die Nacht. In der heissen Jahreszeit nützen viele die weniger heissen Abend- und frühen Morgenstunden für verschieden Tätigkeiten. Bei Mondschein spielen die Kinder oft noch lange draussen. Erst gegen 22 Uhr zieht Ruhe ein. Wenn es warm ist, geht nach dem Frühgebet (kurz nach 5 Uhr morgens) das geschäftige Leben los.

Heizungen sind kaum bekannt

In der kühlen Zeit jedoch bleibt man am liebsten unter den warmen Decken, bis die Sonne hervorkommt und man sich an den warmen Strahlen erwärmen kann. Nur die Frauen sind schon früh auf. Sie backen das beliebte Fladenbrot zum Frühstück. Oft sind die Kinder bei ihnen und wärmen sich am Feuer. Über dem Tal schwebt eine bläuliche Dunstdecke vom Rauch der Feuer. Die Männer tragen nun dicke, meist braune Mäntel oder Winterkleider aus Europa aus dem Secondhandverkauf. Die Frauen tragen mehrere Röcke übereinander und darunter lange Hosen. Eine Heizung kennt man noch kaum. Das könnte sich aber bald mal ändern: Vieles kommt aus Libyen und dort gibt es auch kleine Heizkörper, die mit Gas betrieben werden. Der Ofen wird auch mal draussen aufgestellt, wenn viele Gäste da sind und nicht im Haus untergebracht werden können. Traditionell werden glühende Kohlen in einem kleinen Tonbecken ins Zimmer gestellt. Manchmal wird Duftholz daraufgelegt und das Zimmer füllt sich mit rauchigem Parfumduft.

Mädchen aus Libyen besuchen das Kulturzentrum und freuen sich über den Kontakt mit Helen

Nur wenige werden reich

Der Goldrausch geht weiter. Auf den abgelegenen Gold-Feldern sind an einige Orten wieder Masern ausgebrochen. Die Krankheit verläuft in Afrika in der Regel mit schweren Komplikationen und endet oft tödlich, vor allem in der heissen Jahreszeit. Jetzt, in der kalten Jahreszeit, wird es weniger schlimm sein, und nun werden auch alle Goldgräber, die sich dort aufhalten, geimpft. Sie kommen teilweise aus den Nachbarländern und bringen so die Krankheit in die Region.
Es kommt auch immer wieder zu Zwischenfällen im Zusammenhang mit dem Gold: Unfälle oder Verletzte durch Streitereien. Man hört auch von viel Ungerechtigkeiten (keine Lohnzahlungen, schlechte Behandlung und Ausnützung der Goldgräber durch Einheimische usw.).
In der Stadt werden die traditionellen Stein- und Lehmhäuser immer mehr durch Zementbauten ersetzt. Oft wird ein Stück gebaut, dann kommt es zum Stillstand, bis der Besitzer wieder Gold hat und weiter bauen kann. Die Stadt wächst weiter durch (vor allem männliche) Zuwanderer, die hier durch die Goldgräberei reich werden wollen oder einfach eine (schlecht bezahlte) Arbeit suchen und meist auch finden.

Es ist wunderbar, wirksame Medikamente zu haben

Im Spital haben wir weiterhin regelmässig Leishmaniosefälle. Das ist eine chronische Krankheit, die unregelmässig hohes Fieber hervorruft und unbehandelt vor allem bei kleinen Kindern tödlich verlaufen kann. Sie wird durch eine sehr kleine Sandfliege übertragen, die in Wüstengebieten vorkommt. Nur ein kleiner Teil der Infizierten erkrankt und stirbt daran. Wir bekommen die Medikamente gratis, weil die WHO auf unser Spital aufmerksam geworden ist. Die Krankheit ist eher selten und wird in den Gesundheitszentren oft nicht erkannt. Im Tschad gibt es ausser in der Hauptstadt nur hier und dann in Libyen die Möglichkeit, sich behandeln zu lassen. Die Medikamente sind toxisch (also mit einer gewissen Giftigkeit). Etwa 5 % der Kinder sterben unter der Behandlung. Wir hoffen, dass es eines Tage Medikamente gibt, die weniger gefährlich sind! Anfangs erhielten die Kinder während 30 Tagen je eine Spritze. Nun gibt es eine Kombination mit einem anderen Medikament, und die Behandlung dauert nur noch 17 Tage. Immer wieder staunen wir, wie plötzlich schwerstkranke Kinder sich unter der Behandlung erholen und die letzten Tage ihres Aufenthaltes im Spital herumtollen.
Helen M., Gesundheitsarbeit

Kinder kommen gerne zu Helen und schauen sich Bilderbücher oder einen kurzen Film in ihrer Sprache an

Zur Bildung gehört auch die Vermittlung von christlichen Werten

Seit der Eröffnung des CEFE (Evangelisches Lehrerseminar) vor 4 Jahren haben schon drei Lehrgänge mit gesamthaft rund 60 Lehrpersonen und ein Lehrgang mit 15 Französischlehrpersonen stattgefunden. Das CEFE bietet Lehrgänge für Primarschullehrer (1 Jahr) und für die meisten Fächer der Oberstufe (3 Jahre) an. Es ist geplant in Zukunft auch Kurse für Schulleiter und Buchhalterinnen christlicher Schulen anzubieten. Die ausgebildeten Lehrpersonen werden an ihren Arbeitsorten sehr geschätzt. Unser Ziel ist es, dass die Lehrpersonen ein Plus mitbringen, das an anderen Schulen fehlt: Die Vision der christlichen Erziehung. Das Programm «Bildung für das Leben» bezweckt, dass Gottes Liebe und seine guten Werte quer durch alle Fächer hindurch vermittelt werden. Ein besonderer Schwerpunkt wird auch auf die Vorbildfunktion der Lehrpersonen gelegt und dass sie ein Anliegen bekommen, die Schüler und ihr Lernumfeld ganzheitlich zu betrachten und zu fördern.
Florent N., Projektleiter

Unterricht am CEFE (ein Facheinsatz)

Eine Tortur mit glücklichem Ausgang – Gott sei Dank!

Im Mai wurde Damian, ein 7-jähriger Junge, der sich durch einen Sturz in heisses Öl schwer verbrannt hatte, in den Gesundheitsposten gebracht. Weil die finanziellen Mittel fürs Spital fehlten, versuchten es die Eltern mit traditionellen Heilmitteln: sie legten Kaninchenfelle auf die Brandwunden. Als diese entfernt wurden, kam das ganze Ausmass der Verbrennungen zum Vorschein: Damians unterer Rücken, das Gesäss, ein grosser Teil des Oberschenkels und ein Arm sahen schlimm aus. Aufgrund der Schwere der Verletzungen musste er ins Krankenhaus, wo er etwa zehn Tage lang blieb. Anschliessend, das war im August, als ich wieder zurückkam, kam er zum regelmässigen Verbandswechsel in den Gesundheitsposten. Das war jedes Mal sehr schmerzhaft und anstrengend für ihn. Dann wurde eine Hauttransplantation vorgenommen, leider jedoch ohne Erfolg. Viele Menschen beteten für seine Heilung. Schliesslich, nach 2 ½ Monaten, gelang die Transplantation und die Wunden heilten nach und nach ab. Dass es Damian nun wieder gut geht, stimmt uns sehr dankbar.
Agathe B., Medizinische Arbeit, Förderung von Gemeinden

Nur ein kleiner Teil der schlimmen Verbrennungen

SAM global
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