Sri Lanka

Eine herausfordernde Zeit

2.10.2020
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10
Min.

Eine herausfordernde Zeit

Im ersten Teil dieser Ausgabe der Sri Lanka NEWS kommen Faith und Krishan Thomas von der Lanka Hope Mission International zu Wort. Sie sind schon in der Februar-Ausgabe kurz erwähnt worden. Faith schult Verantwortliche für Sonntagschulen und Kinder-Klubs aus verschiedenen Denominationen und entwickelt das entsprechende Material weiter. Krishan komponiert und produziert Musik und ist zu einem Halbzeitpensum als Pastor angestellt, mit Schwerpunkt Anbetung und Gebetsgruppen. Sie berichten von den letzten Monaten, die, bedingt durch die Covid-19-Pandemie, ganz anders als geplant verlaufen sind:

Plötzlich war die tägliche Routine weg

In den ersten beiden Monaten dieses Jahres legten wir Termine fest und planten das Jahr im Blick auf unseren Dienst, unsere Familie und verschiedene andere kirchliche Aktivitäten. Da tauchte plötzlich das Corona-Virus auf und der Lockdown legte nach und nach das ganze Land lahm. Das veränderte auch unsere tägliche Routine radikal. Die Schulen wurden geschlossen und so blieben unsere Kinder zu Hause. Am Anfang waren sie ganz glücklich darüber, aber je länger die Zeit verging, desto unruhiger wurden sie. Der Online-Unterricht funktionierte recht gut, aber ich (Faith) musste doch bei ihnen sein und sie beaufsichtigen, was eine zusätzliche Aufgabe bedeutete. Aber wir sind froh, dass sie auf diese Art das zweite Semester absolvieren konnten.

Die Sonntagschularbeit musste unterbrochen werden

Was die Sonntagschularbeit anbelangt, konnten wir wegen des Lockdowns keine Kirchgemeinden mehr besuchen. Der Lockdown wurde im Land sehr strikt befolgt. Vielleicht lag es auch daran, dass sich die Pandemie nicht allzu sehr ausbreitete. Aber die Menschen gerieten in Not, weil sie nicht zur Arbeit gehen konnten, um ihren Lohn zu verdienen. Das hat besonders die Tagelöhner hart getroffen. Gott sei Dank ebbt die Pandemie hier ab und wir hoffen, recht bald zu einer gewissen Normalität zurückkehren zu können. Am 15. August konnten wir in der Kirchgemeinde Seeduwa wieder ein Sonntagschulprogramm durchführen. Und am 30. August haben wir beide die Sonntagschule für die Kinder der Kirchgemeinde in Wellawatte wieder aufgenommen – vorläufig allerdings per Zoom.

Zuversicht trotz schwieriger Situation

Wir danken Gott, dass wir mit dem, was wir hatten, einigen wenigen Familien mit Bargeld und Lebensmitteln helfen konnten. Nun sieht es so aus, dass die Covid-19-Massnahmen bald gelockert werden und wir in der Lage sein sollten, die Arbeit vor Ort in Sonntagschulen und Kinder-Klubs wieder aufnehmen zu können. Als Familie haben wir die Möglichkeit von Online-Gottesdiensten sehr geschätzt. Nun besuchen wir wieder den Gottesdienst, wenn auch vorsichtig und mit Wahrung der Abstandsregeln. Wir sind dankbar, dass die Kinder seit Anfang September wieder zur Schule gehen können. Wir hörten von verschiedenen Seiten, dass viele Familien in den vergangenen Monaten Probleme mit den Kindern hatten und es für die Eltern schwierig war, den Bedürfnissen der Familie gerecht zu werden. Eine zusätzliche Schwierigkeit war und ist für uns, dass ausgerechnet in dieser Zeit unser Fahrzeug plötzlich kaputt ging. Da es schon alt ist, sind die Mechaniker nicht in der Lage, es zu reparieren – und die Beschaffung der nötigen Ersatzteile aus Singapur wäre zu kostspielig. Das ist ein Problem für uns, da wir für unseren Dienst ein Auto dringend brauchen. Normalerweise fahren wir als Team in die Kirchen und transportieren alles von Ort zu Ort. Diese Situation ist für uns ein grosses Gebetsanliegen.

Politische Situation im Land

Vor kurzem wurden Parlamentswahlen durchgeführt und die Regierung hat eine Zweidrittelmehrheit erhalten. Wir freuen uns auf weitere Verbesserungen. Die Staats- und Regierungschefs brauchen unsere Gebete um Gottes Weisheit, damit sie unser Land gerecht regieren können.

Den Blick auf Jesus richten

Es sieht so aus, als befände sich die ganze Welt in einer verstörenden Situation. Für uns bedeutet das, uns erst recht auf die Wiederkunft unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus vorzubereiten. Deshalb nehmen wir im Unterricht auch dieses wichtige Thema auf. Wir wissen zwar nicht, wann Jesus wiederkommt, aber es ist uns wichtig, mit den Kindern darüber zu sprechen. Wir sind Gott sehr dankbar für alles, was er in und durch unser Leben in diesem Jahr bisher getan hat. Obwohl es uns bekümmert, dass weltweit viele Menschen an Covid-19 gestorben sind, halten wir daran fest, dass Gott eine Bestimmung für unser Leben hat und wir sind ihm dankbar für seine Gnade. Und wir danken auch Ihnen für Ihre unermüdliche Unterstützung und Ihre Gebete in dieser schwierigen Zeit. Gott möge Sie alle segnen.
Faith und Krishan Thomas

Unfreiwillig langer Aufenthalt in der Schweiz

Mit einem Schengen-Visa, ausgestellt über die Schweizer Botschaft in Colombound vermittelt durch SAM global, erreichten Lal und Lalitha Senanayake(Leiterehepaar vom Lanka Bible College and Seminary in Sri Lanka) am 13. März 2020 die Niederlande. Geplant war eine Rundreise mit Besuchen bei verschiedenen Partnern in Europa, um die zukünftige Zusammenarbeit zu besprechen. Kurz nach ihrer Ankunft kam es zum Lockdown, und damit war eine Rückkehr nach Sri Lanka für die folgenden Monate nicht mehr möglich.

Bald kein Ferienfeeling mehr

Ursprünglich war vorgesehen gewesen, dass Lal und Lalitha während einer Woche bei uns in Aadorf zu Gast sein sollten. Dank ihrem Rückflugticket ab Zürich gelang es ihnen, trotz Einreisesperre, am 6. April in die Schweiz einzureisen. Aus einer Woche wurden schlussendlich 4 ½ Monate. Wir waren dankbar für ihre Freundschaften und Kontakte in der Schweiz, welche sie mal für eine Ferienwoche oder einen Ausflug mitnahmen. Doch das Ferienfeeling war bald vorbei. Mit dem Lockdown in Sri Lanka hatten die Bibelschulen und viele christliche Gemeinden von einem Tag auf den nächsten kein Einkommen mehr. Fragen wie: «Wie bezahlen wir die Löhne der Angestellten? Wie können die Studierenden weiter unterrichtet werden? Wann können wir wieder zurück und uns selber um die Angelegenheiten vor Ort kümmern?», blieben über längere Zeit unbeantwortet. Auch das Aushalten der kulturellen Unterschiede war für unsere Gäste oft nicht so einfach. Beispielsweise geniessen sie in Sri Lanka ein hohes Ansehen, in der Schweiz ist man schnell einfach «nur» per Du. Weiter galt es auch, die Spannung auszuhalten zwischen dem Luxus und dem verhältnismässig lockeren Lockdown in der Schweiz gegenüber dem kompletten Lockdown in Sri Lanka – mit wöchentlich nur einer Möglichkeit zum Einkauf von Lebensmitteln während weniger Stunden und dem Verlust der Existenzgrundlage bei einem beachtlichen Teil der Bevölkerung.

Lal und Lalitha S. in der Schweiz

Gemeinsame Gebetszeiten machen einen Unterschied

So wurden wir tagtäglich an das Leiden in anderen Teilen der Welt erinnert und konnten trotzdem nicht viel dagegen unternehmen. Dass dies zu Spannungen auch innerhalb unserer nach aussen hin relativ harmonisch erscheinenden WG führte, ist offensichtlich. Manches konnten wir von Zeit zu Zeit durch Gespräche klären. Gelegentlich setzten wir uns am Abend zum Gebet zusammen und es war eindrücklich, was für einen Unterschied diese Gebetszeiten machten. Sie halfen, trotz unserer unterschiedlichen kulturellen Prägungen, Vorstellungen und Erwartungen den zu erkennen, der uns durch seinen Heiligen Geist verband, um die verschiedenen Schwierigkeiten wusste und uns seinen Frieden schenkte, der die Umstände dieser Welt immer wieder zu überwinden vermag. Wäre nicht Christus auch in dieser Zeit das Haupt unserer Gemeinschaft gewesen, wäre wohl die eine oder andere Situation eskaliert.

Gemeinsames Singen und Beten

Eine segensreiche Zeit

So dürfen wir trotz allem dankbar auf die vergangenen Wochen zurückschauen. Unsere kleine Tochter erinnert uns immer wieder daran, wie schön es für sie gewesen war, in dieser Zeit so richtig tolle «Feriengrosseltern » im Nebenzimmer haben zu dürfen. Und wir merken nun, dass wir den Haushalt wieder selber «stemmen» müssen und die Küche nicht mehr immer so tipptopp aufgeräumt ist. Doch zu wissen, dass Lal und Lalitha nun wieder bei ihren Kindern und Grosskindern sein dürfen und das Heft vom LBCS wieder selber vor Ort in die Hand nehmen können, erfüllt uns mit Dank und Erleichterung. Denn es war für Lal und Lalitha gegen Ende des Aufenthalts immer mühsamer geworden, ihre Leitungsfunktion aus der Ferne wahrzunehmen und bei der Digitalisierung der Studiengänge (mit Moodle) die nötigen Entscheidungen zu treffen. Hoffentlich kann schon bald wieder der Unterricht vor Ort auf dem belebten Campus mit den dort wohnenden Studierenden aufgenommen werden. Und wir hoffen, dass Lal und Lalitha die Schweiz mit SAM global als, laut Lal, dem «wichtigstem Partner in dieser Zeit», und mit den neu oder intensiver geknüpften Freundschaften trotzdem in guter Erinnerung behalten dürfen. Mögen sie rückblickend diesen Aufenthalt als eine besonders segensreiche Zeit sehen.
Jonas Gnehm

Leidenschaft und Herausforderungen teilen

Am 12. September konnte der frisch vermählte Supportgruppenmitarbeiter Tobias Dällenbach rund 70 Gäste zum Sri Lanka Dinner begrüssen. Schon bald lauschte die bunte Schar von ehemaligen Baucamp-Teilnehmenden, Unterstützerinnen und Unterstützern, Freunden und Bekannten den Berichten zum Thema «Leidenschaf(f)t neue Möglichkeiten». Zuerst wurden wir von Regine Finschi mitgenommen auf einen Besuch am CCS (College of Construction Skills) und in diverse theologische Institutionen. Dem Zuhörer wurde schnell klar, dass es bei ihren Einsätzen nicht einfach um die Vermittlung von theologischem Wissen geht, sondern um Beziehungen. Regine hat ein echtes Anliegen für die Studierenden wie auch für die Verantwortlichen der Schulen. Es ist schön zu sehen, wie sich über die Jahre echte Freundschaften entwickelt haben. Beim Bericht von Cornelia Bührer stach ihr Engagement für eine praktische Hilfe hervor. Nicht nur die Bilder von nachgestellten Unfallszenen, sondern auch die Tatsache, dass Studierende mit Notfallapotheken versorgt wurden, zeugen von Cornelias Leidenschaft für Hilfe, die ankommt. Es scheint klar, dass Cornelia und Regine auch künftig Facheinsätze bei unseren Partnerorganisationen leisten werden.
In einem Kurzvideo erfuhren die Anwesenden, welche Herausforderungen der Lockdown für das LBCS sowie für die Lanka Hope Mission bedeutete, aber auch, welche Chancen daraus entstanden sind. Zudem hatten wir das Privileg, in den neusten Song von Krishan Thomas hineinzuhören.

Feines sri-lankisches Essen

Ausreisen verzögern sich

Weil der strenge Lockdown in Sri Lanka die Ausreise von Ruedi und Margrit S. verzögerte, erhielten wir nun ein Life-Update von der Lage am CCS. Ruedi berichtete nicht nur über die Herausforderungen der vergangenen Monate, sondern teilte in seiner gewohnt lebhaften Art sein Herz für die Entwicklungsarbeit. Für ihn macht die handwerkliche Ausbildung der jungen Sri Lanker zwar Sinn, unser Ziel als Christen müsse es aber sein, auch ihre Herzen zu verändern.
Nun folgte wiederum eine Videobotschaft – diesmal von Lernenden, Supervisoren und den Leitenden des CCS. Auch sie berichteten kurz und knackig über Herausforderungen, neue Möglichkeiten und ihre Leidenschaft. Dass der Lockdown für Familie Brunner eher Leiden schafft, war schnell klar, als sie berichteten, dass sie bereits seit April auf eine Möglichkeit zur Ausreise warten. Glücklicherweise ist ihre Wohn-, Arbeits- und Schulsituation relativ flexibel – das ungewisse Abwarten zehrt aber an den Nerven. Daher hoffen nicht nur sie und das Team vor Ort, sondern wir alle auf eine baldige Ausreisemöglichkeit der sechsköpfigen Familie.

Mit neuer Motivation voran

Das sri-lankische Essen und die zahlreichen angeregten Gespräche bildeten sicher einen Höhepunkt des Abends. Zum Schluss durfte ich allen Anwesenden danken für ihr Interesse und ihre Unterstützung, welche es SAM global ermöglicht, diese wertvolle Arbeit in Sri Lanka zu leisten und Menschenleben ganzheitlich positiv zu beeinflussen. Viele der Besucherinnen und Besucher durften neu motiviert den Heimweg antreten, nicht zuletzt die Mitglieder der Supportgruppe, welche den Anlass organisiert hatten und weiterhin die Entwicklungen auf der «glanzvollen Insel» begleiten werden.
Herzlichen Dank allen, die auf die eine oder andere Weise das Sri Lanka Dinner gelingen liessen.
Andreas Zurbrügg, Länderverantwortlicher

SAM global
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