Sri Lanka

Ausnahmezustand mit Potenzial am CCS

12.6.2020
|
5
Min.

Seit dem 20. März hat sich einiges für uns am CCS verändert und gleichzeitig scheint alles wie gewohnt. Der 20. März war der Tag, an dem die sri-lankische Regierung eine landesweite Ausgangssperre verhängte, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Die Ausgangsperre wurde keine 12 Stunden vor deren Beginn angekündigt und es wurde nicht mitgeteilt, wie lange sie anhalten würde. Nun galt es, schnell zu handeln. Nein, kein WC-Papier einkaufen! Wir mussten alles auf unserer Aussenbaustelle in Trincomalee aufräumen und das ganze Material ans CCS zurückholen. Alle Lernenden, die eine Möglichkeit hatten, nach Hause zu reisen, schickten wir nach Hause. Die übrigen sechs Lernenden und auch die Vorarbeiter blieben bei uns am CCS.

Wie sieht unser Alltag nun aus?

Gleich geblieben ist, dass wir jeden Morgen um 06.00Uhr alle in der Halle stehen. Die Arbeiten werden eingeteilt und dann legen wir los. Wir haben das Privileg, noch einige Baustellen bei uns auf dem Gelände zu haben. So hatten wir in dieser Zeit immer eine sinnvolle Beschäftigung. Wir wohnten, assen und verbrachten unsere Freizeit mit den gleichen Menschen wie sonst auch.
Geändert hat sich, dass wir mehr und weiter im Voraus planen mussten. Anfänglich wurde bei uns in Trincomalee die Ausgangssperre etwa einmal pro Woche für sechs bis acht Stunden aufgehoben. Oft wurde diese Aufhebung jedoch erst kurz im Voraus angekündigt oder auch geändert. So mussten wir in der Küche immer genügend Lebensmittel auf Vorrat haben. Aber auch die Handhabung der Finanzen war herausfordernd. Die Banken hatten jeweils nur zwei Stunden offen und die Schlange der davor wartenden Personen konnte mehrere hundert Meter lang werden. Dazu kam, dass wir zu Beginn der Ausgangssperre feststellen mussten, dass wir kein Wasser mehr von der Stadt erhielten und unsere Zisterne nicht einmal mehr halbvoll war. Es galt also, Wasser zu sparen, zu hoffen und zu beten. Dank Massnahmen konnten wir unseren Wasserverbrauch stark senken und es reichte aus, bis wir wieder Wasser von der Stadt erhielten. Da nur noch ein Teil der Lernenden am CCS war, konnten wir nicht wie üblich mit dem Unterricht weiter machen, da sonst diejenigen, die zu Hause waren, sehr viel verpasst hätten. Daher beschlossen wir, an zwei Nachmittagen in der Woche Mathematik (1x1 und Denksport), Englisch (mündlich) und Ethik zu unterrichten, damit nicht alles vergessen geht.

Elektroinstallationen

Wertvolle Dienste

Unsere Köchin und ihr Mann zogen während dieser Zeit vorübergehend bei uns ein. So konnte sie trotz Ausgangssperre weiterarbeiten, wofür wir enorm dankbar sind! In dieser Zeit durften wir sie auch besser kennen und schätzen lernen. Sie haben viel Zeit mit den Jungs verbracht und der Mann hat oft auch am Sonntagmorgen gepredigt. Da wir keinen Gottesdienst mehr besuchen konnten, haben wir begonnen, einen eigenen Gottesdienst abzuhalten.

Verteilung von Lebensmitteln

Leider hatten nicht alle Leute in unserem Umfeld das Privileg, immer genug Essen auf dem Tisch zu haben. Die Regierung verteilte zwar Essenspakete, diese erreichten jedoch nicht alle Notleidenden. Wir hörten von immer mehr Menschen um uns herum, die Hunger litten und so entschlossen wir uns, Essenspakete zu verteilen. Einer unserer Vorarbeiter und seine Frau haben die Aktionen geleitet. Anfänglich war das ziemlich herausfordernd: In sechs Stunden Lebensmittel für 50 Personen einkaufen, abpacken und dann wieder verteilen. Oft kamen sie erst in letzter Minute zurück ans CCS. Insgesamt haben wir bis jetzt sechs Verteilaktionen gemacht. Wir sind unseren Freunden und Familien sehr dankbar, die diese Verteilaktionen finanziell überhaupt erst möglich gemacht haben. Die Leute waren enorm dankbar, denn einige von ihnen lebten mehr oder wenig nur noch von einer immer wässriger werdenden Reissuppe.

Wertvolle Lebensmittel

Grund zur Dankbarkeit

Wir und auch unsere Mitarbeitenden und Lernenden haben in den vergangenen zwei Monaten viel gelernt. Einer von ihnen bemerkte kürzlich, wie viel Geld er gespart habe in der letzten Zeit, weil er keine Möglichkeit hatte, etwas auszugeben. Wir haben wieder neu erfahren dürfen, dass wir uns auf Gott verlassen können. Egal was kommt, er hat einen Weg und lässt uns nicht allein. Wir sind alle seit dem 20. März ohne Unterbruch zusammen. Da kam schon mal etwas Lagerkoller auf und die Gesamtsituation war mental immer wieder herausfordernd. Trotzdem gab es keine grösseren Auseinandersetzungen und wir durften wirklich eine gute Zeit miteinander erleben. Wahrscheinlich hat uns das alles auch enger zusammenwachsen lassen.

Gemeinsame Spiele

Die Ungewissheit bleibt

Zurzeit herrscht immer noch ein Reiseverbot und die Schulen sind nach wie vor geschlossen. Wir hoffen, dass wir in den nächsten Wochen den Schulbetrieb wieder offiziell aufnehmen dürfen. Wir wünschen uns auch, dass wir bald wieder mehr Aufträge von aussen erhalten, um ein Einkommen zu erwirtschaften. Im Moment sind Gespräche im Gange, wann das Land wieder für Touristen geöffnet werden soll. Wir hoffen, dass dies bald der Fall sein wird, damit Familie B. zu uns stossen darf und wir gemeinsam loslegen können.

SAM global
Beitrag Drucken