Brasilien

Es kommt ganz anders als geplant

14.9.2020
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5
Min.

Es kommt ganz anders als geplant

Aussergewöhnliche Zeiten kommen häufig überraschend. Gerade war die Zeit der Jahresplanung und der Vorbereitungen vorbei und wir starteten mit voller Motivation in die Projekte, als uns auch hier in Brasilien die Corona-Pandemie erreichte. Überfüllte Krankenhäuser, eine schlimme Wirtschaftslage, Arbeitslosigkeit, viele sterbende Menschen und Furcht beherrschten auf einmal den Alltag. Besonders die Menschen, die sonst schon unter Armut leiden, wurden in dieser Zeit stark getroffen.

Im Stadtteil Jurunas

Eine Antwort vom Himmel

Dass wir den Menschen in dieser Zeit in ihrer Not begegnen und Hilfe und Segen in ihre traurige Lage bringen konnten, machte uns froh und lässt uns trotz der schweren Umstände dankbar zurückschauen. Durch die Verteilung von Nahrungsmittelpaketen konnten wir Hoffnung und Liebe weitergeben. Wir haben auf diese Weise knapp 460 Familien helfen können. In Jurunas, einem der Armenviertel, in denen wir ein Kinderprojekt und unseren Fussballclub haben, hatten wir zu Beginn des Jahres begonnen, Kontakt mit den Familien aufzunehmen und Hausbesuche zu machen. Viele Eltern waren jedoch zurückhaltend und eher verschlossen. Nach unserem Hilfseinsatz spürten wir von vielen Menschen grosse Dankbarkeit und hörten, was für ein Segen es für sie gewesen war. Deise, die Mutter eines der Kinder aus dem Kidsclub, erzählte mit Freude, dass die Nahrungsmittel für sie wie eine Antwort vom Himmel waren. Sie kamen genau in dem Augenblick, als die Hilfe am notwendigsten war. Gott hat dadurch Türen weit geöffnet und die Herzen der Menschen erreicht. Wir hoffen, bald wieder zu unseren Aktivitäten zurückkehren und diese Familien mit der frohen Botschaft von Jesus Christus erreichen zu können. Besonders in diesem Viertel ist dies dringend notwendig, da es ein Ort ist, an dem es sehr viel Kriminalität und Leid, Drogensucht und zerstörte Familie gibt. Wir wissen jedoch, dass das Licht Gottes umso heller in der Finsternis scheint!

Die vorbereiteten Lebensmittelpakete

Keine Besuche in den Gefängnissen mehr erlaubt

Auf Anweisung der Regierung wurden alle Aktivitäten und die Besuchsmöglichkeiten in den Jugendgefängnissen, in denen wir arbeiten, abgesagt. Trotz dieser Einschränkungen haben wir nicht aufgehört, unsere Arbeit fortzuführen, wenn auch auf andere Art. Dass äussere Umstände Gottes Handeln nicht einschränken, hat sich wieder wunderbar bewiesen. Wir können zwar in der Quarantäne eingesperrt sein, aber Gott wirkt trotzdem. Paulus schreibt in 2. Tim. 2,9: «… ich bin gebunden wie ein Übeltäter, aber Gottes Wort ist nicht gebunden.» Genau das haben wir erlebt! Als Team haben wir von zuhause aus Briefe geschrieben, Audio- und Videobotschaften aufgenommen und diese an die Mitarbeitenden der Gefängnisse gesandt. Auf diese Weise hielten wir mit den Jugendlichen Kontakt und konnten sie weiterhin erreichen. Und wir konnten Literatur in die Gefängnisse bringen, um die Jugendlichen zumindest mit gutem Lesestoff zu versorgen und ihnen damit zu helfen, diese Zeit besser zu überbrücken.

Literatur für die Jungs in den Gefängnissen

Auch die Mitarbeitenden spürten den Unterschied

Dass wir als einzige Organisation unsere Arbeit fortführten, während alle anderen damit aufhörten, hat die Mitarbeitenden in den Gefängnissen sehr beeindruckt und sie sind fragend geworden, was dahintersteht. So konnten neben den Jugendlichen auch viele der Aufsichtspersonen und Pädagogen durch unsere Botschaften erreicht werden, was normalerweise nicht geschehen wäre. Uns war es wichtig, den Mitarbeitenden zu zeigen, dass wir sie unterstützen wollen. Es ergab sich dann die Möglichkeit, einige Treffen mit den Mitarbeitenden zu organisieren, was sehr hilfreich war, um die partnerschaftliche Arbeit aufrechtzuerhalten. Es war ausserdem eine grossartige Möglichkeit, die Gefängnismitarbeitenden mit der Guten Nachricht zu erreichen. Wir hatten an diesen Treffen Gelegenheit, eine Botschaft aus der Bibel weiterzugeben und für die Leute zu beten, was mit Offenheit und Freude angenommen wurde.

Eine tolle Möglichkeit, die anderen Jugendlichen zu ermutigen

Da die Situation je nach Gefängnis unterschiedlich war und unsere Arbeitsmöglichkeiten von der Kooperation der Beamten abhing, konnten nur wenige aus unserem Team auch Videoanrufe tätigen. Dies geschah öfters in den Mädchengefängnissen. Als sich nach vielen Wochen ohne direkten Kontakt die Möglichkeit ergab, einen Videoanruf mit Abelardo, einem der Jungs aus einer unserer Jüngerschaftsgruppen zu machen, hörten wir gute Neuigkeiten. Er erzählte, dass er im Gefängnis einen Freund gefunden hat, der auch Christ ist, und sie sich nun gemeinsam im Gebet und mit Gottes Wort stärkten. Und er freute sich, dass sie von den Aufsichtspersonen fast jeden Abend die Möglichkeit erhielten, durch ein Mikrofon zu allen Mitgefangenen zu sprechen. So konnten sie Gottes Wort teilen und für die anderen Gefangenen beten! Diese treue Vorsorge Gottes hat uns ermutigt und motiviert.

Das Team möchte so bald wie möglich wieder Besuche machen

Die Beziehungen aktiv pflegen

Mit den Jugendlichen, die bereits das Gefängnis verlassen hatten, konnte die Arbeit relativ normal weitergeführt werden, da die Möglichkeit von Hausbesuchen grösstenteils weiterhin bestand. Erst vor kurzem besuchten wir eine kleine Familie. Mit Pizza und der Gitarre im Gepäck hatten wir einen schönen Gottesdienst und genossen die Gemeinschaft, die uns für längere Zeit verwehrt gewesen war.
Wir blicken auf eine herausfordernde Zeit zurück, die uns dazu brachte, umzudenken und neue Wege zu finden. Diese Phase hat uns als ProVIDA-Team gestärkt und wir konnten sie gemeinsam als Einheit durchstehen. Am Ende bleibt nur zu sagen, dass wir Gottes Treue erleben durften und wir hoffnungsvoll nach vorne blicken, um das zu tun, wozu wir berufen wurden.

Samuel T.

SAM global
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