Guinea

Bis jetzt relativ ruhig - Gott sei Dank!

30.6.2020
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5
Min.

Bis jetzt relativ ruhig – Gott sei Dank!

Die Corona-Pandemie hat auch in Guinea das Leben auf den Kopf gestellt. Seit mehr als zwei Monaten finden keine Gottesdienste statt, die Schulen und andere Ausbildungsstätten sind geschlossen und es besteht die Pflicht, in der Öffentlichkeit einen Mundschutz zu tragen. Ausserdem herrscht eine nächtliche Ausgangssperre und es gibt Reisebeschränkungen…
Unser ganzes ProTIM2-2-2-Team ist in Kissidougou geblieben. Wir sind gesund und arbeiten weiter, wenn auch angepasst an die veränderte Situation. Wir sind dankbar, dass es bis heute nicht mehr Kranke als sonst zu geben scheint, doch die Leute sind verunsichert und mittlerweile auch etwas müde, die Massnahmen einzuhalten.

Sensibilisieren und vorsorgen

Wir begannen sofort damit, die Menschen zu sensibilisieren: die verantwortlichen Pastoren der Präfektur Kissidougou, die Studierenden der Bibelschule, unsere Lernenden und Mitarbeitenden. Wir erklärten, mit welchen Symptomen sich die Krankheit äussern kann und wie man eine Ansteckung möglichst verhindert. Wir regten den weisen Umgang mit den vorhandenen Lebensmitteln an, da eine Verteuerung zu erwarten war. Auch hielten wir die Leute an, möglichst viele Lebensmittel anzupflanzen, um gerüstet zu sein, wenn es Lebensmittelengpässe geben sollte. Darüber hinaus erstellte Cédric mit Leuten aus unserer Partnerkirche eine umfassende Sensibilisierungs-Broschüre. So erhielten alle Kirchen des Landes diese wichtigen Informationen.

Sensibilisierung im Blick auf Covid-19

Diese spezielle Zeit hat auch positive Seiten

Jeden Tag um 18 Uhr treffen sich alle vom Team, die es einrichten können, zum Gebet. Es tut uns gut, unsere Bitten gemeinsam vor Gott zu bringen und ihm zu danken. Kürzlich haben wir bewusst zusammengetragen, was diese Zeit an Positivem gebracht hat.

  • Normalerweise findet der Unterricht in Télékoro am Mittwochmorgen statt. Als dies nicht mehr möglich war, halfen wir einer Familie bei den Feldarbeiten. Das war eine neue Erfahrung, die mir viel Freude bereitet hat. (Juliane)
  • Wir feiern Gottesdienst mit der einen oder anderen guineischen Familie. Auch entdecken wir neue Formen. Zudem konnten wir unsere Beziehungen mit den lokalen Mitarbeitenden festigen.
  • Mit den Kirchenverantwortlichen von Kissidougou konnten wir eine bereichernde Weiterbildung durchführen. (Gaëlle und Cédric)
  • Für mich ist es schön, dass Mama und Papa mehr daheim sind! (Lélia)
  • Seit Corona schauen wir als Familie am Abend via Internet die Nachrichten im Schweizer Fernsehen – das ist spannend. (Matthieu)
  • Im Medizinalgarten erneuerten wir die Schilder und haben vermehrt an der Dokumentation von Pflanzen geschrieben. Wir pflanzten und ernteten viel Moringa.
  • Wir hatten die Gelegenheit, Dinge anzupacken, die schon lange liegengeblieben sind. Und wir hatten mehr Zeit, um neue Ideen zu entwickeln.
  • Die Reisebeschränkungen ergaben weniger Reisestress.
  • Endlich hatten wir Zeit, ein neues Kaninchengehege zu machen.
  • Wir konnten über 600 kg Maissamen zu günstigen Preisen weiterverkaufen oder verschenken. Als der erste Regen fiel, wurde es auch Zeit, das Saatgut auszupflanzen. Viele nutzten die zusätzliche Zeit, um andere Kulturen wie Auberginen, Chili, Süsskartoffeln etc. anzupflanzen.
Junge Kaninchen im neuen Gehege

Ein bereicherndes Erlebnis

«Einen Gottesdienst daheim mit der Familie zu feiern, ist eine ganz neue Erfahrung. Ich merke, dass ich zuhause den Bibeltext besser verstehe als in der Kirche, da wir natürlich Kissi, unsere Muttersprache, sprechen. Ausserdem kann man direkt Fragen stellen und die Ansichten der anderen kören. Wir tauschen uns aus über das, was wir mit Gott erlebt haben, erzählen einander von unseren Schwierigkeiten und beten füreinander. Wir haben uns abgewechselt, je an einem Sonntag einen Bibeltext auswählen und unsere Gedanken dazu zu sagen. Das war sehr interessant.»
Ruth, eine 19-jährige junge Frau

Ruth ist im Glauben gewachsen

Schwerpunkt auf der praktischen Ausbildung

Da der theoretische Unterricht für unsere Lernenden in den Bereichen Mechanik und Landmaschinen unterbrochen werden musste, nutzten wir die Zeit für mehr praktische Arbeit. So konnte eine Egge gebaut, die Sämaschine verbessert und damit zum ersten Mal einige Hektaren Mais und auch Mucuna, eine Gründüngung, gesät werden. Ein Hackgerät wurde fabriziert, um damit maschinell jäten zu können. Und mit dem Häcksler, der trotz der Corona-Pandemie mit dem Schiff von der Schweiz nach Guinea kam, wurde zum ersten Mal im grossen Stil Kompost hergestellt. Kompost ist eine gute Sache, um den Boden, der in Guinea generell nährstoffarm ist, nachhaltig zu verbessern und somit auch den Ertrag zu steigern. Selbstverständlich geschieht das alles immer in Zusammenarbeit mit unseren einheimischen Mitarbeitenden.

Freude über die Ankunft des Häckslers

Wie geht es weiter?

Die Bibelschule in Télékoro nimmt nun den Unterricht wieder auf und verlängert ihn um einen Monat, sodass es möglich sein sollte, den Stoff aufzuholen. Der Unterricht für unsere Lernenden in der Mechanik wird im Oktober wieder aufgenommen werden. Wann die Kinder und Jugendlichen wieder zur Schule gehen können, ist noch nicht bekannt. Seit wir in Guinea sind, hat es noch kein Jahr gegeben, in dem es nicht zu grösseren Unterrichtsausfällen gekommen ist. Einmal mehr ist auch dieses Jahr ein Jahr, dass Guinea in seiner Entwicklung bremst. Aber wir bleiben dran, mit Gottes Hilfe! Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.
Emanuel und Renate Wieland

Emanuel und Renate Wieland
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