Guinea

Ausbilden und Arbeitsplätze schaffen

31.8.2020
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5
Min.

Mit Bildung Leben verändern – auch die Leben junger Frauen in Conakry

Wir arbeiten und wohnen nun seit eineinhalb Jahren in Conakry und sind für das Gästehaus und die Administration der Mission Philafricaine in Guinea zuständig. Schon vor unserer Ausreise war es uns klar, dass neben diesen Hauptaufgaben noch Kapazität für weitere Projekte bleiben würde. Die erste Zeit war wertvoll, um uns in Guinea einleben und akklimatisieren zu können. Wir knüpften erste Beziehungen, versuchten die Leute und ihre Kultur zu verstehen. Im Gegensatz zu den anderen Teams in Guinea leben wir in der Grossstadt, und das ist doch ziemlich anders als auf dem Land. Hier geht es wirtschaftlich eher etwas aufwärts, auch wenn das nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Es gibt eine gewisse Anzahl reicher Leute hier, die für die Regierung, die Rohstofffirmen und die Botschaften arbeiten. Deshalb entstand die Idee, eine Hauswirtschaftsschule für junge Frauen zu gründen. Sie können nach der Ausbildung in diesen Haushalten arbeiten und sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Wir konnten für diesen Zweck ein grosses Haus ganz in der Nähe des jetzigen Gästehauses mieten und werden ab September dort leben und arbeiten.

La Maison jaune

Dieses Haus bietet Platz für das Gästehaus, die Administration, Privatwohnungen und eben die Hauswirtschaftsschule. Wir werden die jungen Frauen in Unterrichtseinheiten ausbilden und sie können das Gelernte im Gästehaus praktisch umsetzen. Parallel dazu werden wir eine Arbeitsvermittlungsagentur gründen, die diese ausgebildeten Frauen an Arbeitgeber vermitteln und sie gleichzeitig auch absichern und schützen wird. Unser lokaler Partner wird die GBEEG sein, die guineischen Studentenbibelgruppen. Der Schulstart ist für Anfang 2021 geplant.
Cornelia Flückiger

Conakrys Abfall und was das mit uns zu tun hat

Der Taouyah-Strand nach der Regenzeit

Conakry ist eine schnell wachsende Stadt an der Atlantikküste Westafrikas. Wer von den vielen jungen Menschen – die Hälfte aller Guineer sind unter 17 Jahre alt – auf dem Land keine bezahlte Arbeit findet, sucht sein Glück in dieser Metropole oder im Rohstoffabbau. Doch die meisten Ankömmlinge schaffen es nur bis in die Slums am Stadtrand oder schlüpfen bei Verwandten unter. Nur wenige erreichen eine qualifizierte Ausbildung, eine gut bezahlte Arbeit und Wohlstand. Ohne Arbeit und ohne Hoffnung hängen viele junge Leute in der Stadt herum und schlagen sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Es braucht Arbeitsplätze. Mit N’Kossa aus Kissidougou (hier in Guinea läuft fast alles über Kontakte und Beziehungen) bin ich auf die senegalesische Firma Sodiaplast gestossen, die auch in unserer Stadt Plastikrecycling im grösseren Stil betreibt. Sie beschäftigt einige Hundert Guineer und verarbeitet täglich bis zwanzig Tonnen Polyäthylen. In der Millionenstadt Conakry entstehen aber rund 270 Tonnen Plastikabfall pro Tag. Obwohl es bereits Hunderte von Sammlerinnen und Sammler gibt, wird doch zu wenig Polyäthylen eingesammelt und verarbeitet. Viel Plastik wird verbrannt oder landet in der Regenzeit an der Meeresküste und gelangt irgendwann als Mikroplastik über die Fische in die Nahrungskette. Dank einem Projektkredit von 2‘000 Euro konnten wir einen gebrauchten Lieferwagen anschaffen und zum Abfallwagen umbauen lassen.

Abladen des Plastiks bei Sodiaplast

Wir sammeln Plastikabfälle ein, zurzeit leichtes Polyäthylen, und transportieren diese in die Recyclingfirma. Dort werden sie gereinigt, gewogen und verarbeitet. Pro Kilogramm erhalten wir ungefähr 25 Rappen. Davon kann Sekou C., unser einheimischer Mitarbeiter und Projektleiter, leben und sogar den Kredit in kleinen Monatsraten zurückzahlen. Mit seiner initiativen Art hat er weitere Mitarbeitende, vor allem Frauen, gefunden, die für ihn sammeln und die er auch angemessen entschädigt. Zudem rüstet er Restaurants, Läden, Schulen und später auch Kirchen mit Behältern aus, damit sie den Plastikabfall nicht mehr nach draussen werfen. Dazu sind aber auch genaue Instruktionen wichtig, um Besitzer und Mitarbeitende vom Plastiksammeln zu überzeugen. Sekou fährt regelmässig hin, leert die Eimer und bringt die Sammelware in die Fabrik. Das ist unser erster kleiner Beitrag zur Lösung des grossen Abfallproblems – er schafft Arbeitsplätze und neue Kontaktmöglichkeiten in Conakry.
Peter Flückiger

Anspruchsvolle Situation mit Covid-19

Corona hat natürlich auch vor Guinea nicht Halt gemacht. Im Verhältnis zu den umliegenden Ländern sehen die Zahlen hier noch ganz gut aus (Stand 10. August: 7’952 Infizierte, 50 Tote im Krankenhaus), wobei natürlich keiner weiss, wie hoch die Dunkelziffer ist. Der erste Fall reiste am 12. März ein, keine zwei Wochen später wurden die Schulen und kurz danach die Kirchen und Moscheen geschlossen. Manche Massnahmen wurden unterdessen wieder gelockert, aber es herrscht immer noch der Ausnahmezustand. Am 15. August hat ihn der Präsident um einen weiteren Monat verlängert. Für uns persönlich bedeutet das, dass wir nicht wie sonst Besuche empfangen. Ousmane versucht, so gut es geht, verschiedene Verpflichtungen wahrzunehmen. Ausserdem pflegt er seine Kontakte per Telefon. Gitte geht zweimal die Woche für die Buchhaltung ins Büro. Unsere Kinder sind aber recht isoliert, was gerade für unseren fünfjährigen, beziehungsorientierten Marc nicht leicht ist. Aber da das Gesundheitssystem hier sehr schlecht ist, wollen wir eine Infektion mit Covid-19 auf jeden Fall vermeiden. Ein Grossteil der Corona-Fälle des Landes sind hier in der Hauptstadt registriert worden. Und doch trägt praktisch kaum noch jemand eine Maske (trotz Pflicht), obwohl gerade in den öffentlichen Verkehrsmitteln und auf dem Markt die Leute eng auf eng sind. Darum ist es uns lieber, vorsichtig zu sein. Die Guineer haben durch Ebola ja bereits Erfahrung mit Epidemien. Schon damals haben viele das nicht ernst genommen, und so ähnlich ist das auch jetzt. Die wenigsten Menschen glauben, dass die Krankheit tatsächlich existiert. Sie denken, es sei eine politische Kampagne, um die Demonstrationen zu unterbinden. Denn der Präsident ist von seiner Partei zum dritten Mal zum Kandidaten ernannt worden, obwohl nur zwei Mandate erlaubt waren. Die Wahlen werden dann Mitte Oktober 2020 stattfinden.
Gitte Diallo

Cornelia und Peter Flückiger sind Anfang April, bedingt durch die Corona-Pandemie etwas früher als geplant, für einen Heimataufenthalt in die Schweiz gekommen. Gott sei Dank klappte es, dass sie am 16. August wieder nach Conakry ausreisen konnten. Ihr tiefes Anliegen ist es, weiterhin die Liebe von Jesus weiterzugeben und sich in neue Projekte zu investieren, um den Menschen in dieser Stadt zu dienen und die Lebensbedingungen vor allem der Frauen zu verbessern. Wir wünschen ihnen gutes Gelingen, Gottes Segen und seinen Schutz, wie natürlich auch dem restlichen SAM global-Team in Conakry, bestehend aus der Familie Gitte und Ousmane Diallo mit Marc und Ben sowie Jenny Koelbing, die die Stellvertretung für Flückigers übernommen hatte. Merci beaucoup!
Jürg Pfister, Länderverantwortlicher

SAM global
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