Brasilien

(Theologische) Bildung verändert Leben

1.11.2020
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5
Min.

(Theologische) Bildung verändert Leben

Natürlich sind wir überzeugt, dass es Jesus ist, der Leben grundlegend verändern kann. Aber er hat uns den Auftrag gegeben, Menschen in seiner Nachfolge zu fördern. Das ist der Grund, warum seit dem Start des Projektes ProRIBEIRINHO Wert auf theologische Bildung gelegt wurde. So wählte man interessierte und geeignete junge Männer und Frauen aus, die für einen Monat pro Jahr nach Belém (Abaetetuba) reisten, um sich dort für den pastoralen, sozialen und missionarischen Dienst ausbilden zu lassen.
So ein theologischer Leiterkurs beinhaltet nicht nur Ausbildung in Bibelkenntnis und Theologie, sondern immer auch Formung des Charakters und Förderung der Leiterfähigkeit und der Sozialkompetenz. Diese angeeigneten Kompetenzen wiederum dienen der ganzheitlichen Förderung der Flussbewohner. Im Moment sind sechs ehemalige Studierende im vollzeitlichen Dienst. Drei von ihnen, früher sogar vier, arbeiten im Projekt ProRIBEIRINHO mit.
Dieser Fokus auf Ausbildung hat sich im Projekt ProRIBEIRINHO nie geändert – im Gegenteil: Man merkte, dass man zusätzlich zur erwähnten Leiterschulung noch mehr und effektiver in die (zukünftigen) Leitenden investieren muss. ProRIBEIRINHO arbeitet an drei Flüssen und unterstützt über 12 Gemeinden, wobei sich die am weitesten entfernte Kirchgemeinde rund 12 Bootsstunden von Portel entfernt befindet. Diese Stationen werden nur etwa alle 6-8 Wochen angelaufen und meistens ist nicht genügend Zeit vorhanden, um die Leitenden vor Ort auszubilden.

Der Kurs geht weiter - mit den nötigen Schutzmassnahmen

Mehr Investition in zukünftige Leitende

Durch verschiedene Umstände wurde es möglich, eine Partnerschaft mit IBN (eine Teilzeitbibelschule) von Belém zu schliessen. Seit Februar 2018 läuft so eine Bibelschule im Zentrum des Projektes ProRIBEIRINHO in Portel. Der ganze Kurs dauert drei Jahre und findet monatlich an zwei Tagen statt. Im Moment bestehen zwei Klassen mit total 18 Studierenden. Von der zweiten Klasse (ursprünglich 8 Studierende) gaben zwei das Studium auf und zwei zogen weg. Ende dieses Jahres ist die erste Diplomfeier geplant, an der 14 Studierende ihr Diplom erhalten werden. Sieben der Absolventen sind Leiter in vier verschiedenen Kirchen an den Flüssen. Die Übergabe der Diplome soll im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes stattfinden. Man kann davon ausgehen, dass einige Vertreter ihrer Gemeinden es sich nicht nehmen lassen werden, daran teilzunehmen, sofern der Anlass aufgrund von Covid-19 überhaupt stattfinden kann.

Eine kleine Gemeinde an den Flüssen

Neuer Kursstart geplant

Auf den nächsten Kursbeginn im Februar werden wieder mindestens 10 neue Studierende erwartet. Die angemeldeten Personen haben klar signalisiert, dass sie diesen Kurs absolvieren wollen. Und die Kirchgemeinden beginnen zu realisieren, dass sie nur gewinnen, wenn sich ihre Leitenden (weiter)bilden. Die Studierenden bezahlen ca. 30 Franken pro Mal (zwei Tage pro Monat). Damit decken sie Kursunterlagen, Essen und teilweise die Spesen der Lehrpersonen. Darin sind ihre persönlichen Reisespesen nicht mit inbegriffen. Das Projekt ProRIBEIRINHO stellt die Lokalität zur Verfügung und ist jeweils mit zwei Mitarbeitenden während der zwei Tage für die Logistik zuständig. Diese Kosten sind nicht durch das Kursgeld gedeckt und belaufen sich auf ca. 100 Franken monatlich.

Es braucht Unterstützung von aussen

Die Personen, die diese Bibelschulausbildung absolvieren, sind wichtige Impulsgeber in ihren Siedlungen und leisten eine wertvolle Arbeit. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, den Horizont der jungen Bevölkerung zu erweitern und ihnen eine Perspektive aufzuzeigen.
Leider ist es für die meisten Teilnehmenden unmöglich, alle Kosten selber zu tragen. Wer gerne als Sponsor mithelfen möchte, beispielsweise mit 100 Franken monatlich, um den Kurs komplementär zu unterstützen (Nebenkosten), oder mit 60 Franken monatlich, um dem Kursleiter die Spesen und eine Gratifikation zahlen zu können, oder mit 30 Franken monatlich, um einer Person in Ausbildung den Kurs zu ermöglichen, darf sich gerne bei SAM global melden.

Kurznachrichten

  • Geplant ist der Besuch einer Journalistin, die einen Monat in Portel verbringen wird, um eine Person des Teams im Blick auf die Nutzung der Sozialen Medien und die Pflege der Homepage anzuleiten.
  • Eine Schwester dieser Journalistin ist Agronomin und bereitet sich vor, einen Ferieneinsatz zu machen und ihr Wissen und ihre Fähigkeiten einzubringen.
  • In den letzten Wochen und Monaten kam es vermehrt zu Kontakten mit interessierten Gemeinden und Personen.
  • Gleich wie im Anfang dieses Jahres soll auch im kommenden Januar wieder ein Einsatz mit jungen Leuten aus São Luis-MA stattfinden.

Beat R. und Daniel D. (Projektleiter)

Abschied von Heiri Aeberhard

Am 20. Mai ist Heiri Aeberhard nach längerer Krankheit in seinem 84. Lebensjahr verstorben. Heiri (Ari) war wahrhaftig einer der «History Makers» von SAM global in Brasilien! Im Jahr 1964 reiste er nach Brasilien aus und widmete sich zuerst dem Erlernen der portugiesischen Sprache. Nach einem Praktikum zog er nach Caracol, wo er Werner und Emmi Hediger in einer Pionierarbeit unterstützte. Im Januar 1967 heiratete er seine liebe Elsbeth, die er ein Jahr zuvor an einer Missionarskonferenz kennengelernt hatte. Den beiden wurden in den folgenden Jahren drei Kinder geschenkt. Heiri und Elsbeth waren an verschiedenen Orten im Inland tätig, meist in einer Gemeinde-Aufbauarbeit. Anfang 1993 zogen sie nach Portel, an die Flüsse des Amazonasgebietes, wo sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2002 blieben. An all den verschiedenen Einsatzorten spricht man heute noch von Heiri und Elsbeth! Heiri und seineWeggefährten haben in Brasilien tiefe Segensspuren hinterlassen und Menschen geprägt!

Heiri und Elsbeth bei einem Besuch in Brasilien 2014

Viele von uns kannten Heiri auch als den «Geschichtenerzähler», der mit viel Humor und Tiefgang Spannendes aus seinem «Alltag in Brasilien» erzählen konnte und die Zuhörer dabei in seinen Bann zog. Besonders von den letzten Jahren an den Flüssen, als er mit dem SOS RIBEIRINHO unterwegs war, gibt es viele spannende Geschichten, sogar in Buchform. Auch nach der Rückkehr in die Schweiz hat sich Heiri weiterhin für Brasilien und speziell für die Ribeirinhos eingesetzt, immer wieder Gemeinden und Gebetskreise besucht und Predigten und Vorträge gehalten oder diese ProRIBEIRINHO NEWS geschrieben.
Wir werden Heiri vermissen, sind aber gleichzeitig Gott von Herzen dankbar für das Leben von Heiri und für den Segen und die Frucht, die aus seinem Wirken entstanden sind.

Beatrice Ritzmann, Länderverantwortliche

SAM global
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