Guinea

Ein Schlussspurt sondergleichen

10.11.2020
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5
Min.

Liebe Pro ESPOIR-Freunde und -Paten

Diese Ausgabe der ProESPOIR-News möchte ich mit einem persönlichen Gedanken beginnen: Am 13. März 1990 setzte ich zum ersten Mal meine Füsse auf guineischen Boden. Die beste Zusammenfassung der vergangenen 30 Jahre und 8 Monate steht in 2. Mose 34,6: «Herr, Herr, Gott, barmherzig, gnädig, geduldig und von grosser Gnade und Treue……», und in der Liedstrophe: «Bleibend ist deine Treu, o Gott mein Vater, du kennst nicht Schatten, noch wechselt dein Licht. Du bist derselbe, der du warst vor Zeiten, an deiner Gnade es niemals gebricht.» Mein Herz und meine Seele sind voll Dankbarkeit diesem ewig treuen Gott gegenüber. Das Vergangene lege ich zufrieden zurück in seine Hände und schaue voll Zuversicht und Freude in die Zukunft.

Es kam alles anders als geplant

Im Oktober 2019 besuchten uns Ruth und Paul Schindler in Macenta. Im Januar 2020 entschieden sie sich für einen Langzeiteinsatz im ProESPOIR (Orthopädie, Betreuung von Menschen mit körperlichen Einschränkungen und Begleitung der Pflegepersonen) und begannen mit den entsprechenden Vorbereitungen für die Ausreise im Mai. Wir als bestehendes Team beschäftigten uns mit Abschiedsgedanken und dem Übergeben der Aktivitäten an Schindlers und an unsere guineischen Mitarbeitenden. Im März brachte Covid-19 ein weltweites Durcheinander, von dem auch wir betroffen waren. Die ständig wechselnden Informationen auf allen Ebenen verunsicherten oder verunmöglichten jegliches Planen. David Leuenberger und Christina Amann arbeiteten in diesen Monaten oft bis spät in die Nacht hinein, um im CHRS das spitalinterne Netzwerk so einzurichten, dass alle Mitarbeitenden dort davon Gebrauch machen konnten.

Arbeiten mit dem internen Spitalnetzwerk

Ein Hürdenlauf bis zur Abreise des Teams

Irgendwann wurde dann klar, dass Familie Büchli nach Conakry vorausreisen sollte, um Flugtickets für alle ausser mir zu organisieren. Geplant war, dass ich noch einige Monate bleiben würde, um Ruth und Paul ins Leben hier in Macenta und in die Arbeit einzuführen. Für Gideon und Sarah war es ein Monat voller Stress und ein energieraubender Hürdenlauf, bis sie endlich im Besitz der 15 Tickets waren und der Abreisetag feststand. Vor allem für die drei jungen Kurzzeit-Mitarbeiterinnen und für Drusilla war es traurig, dass das Abschiednehmen von den Freunden und Nachbarskindern aufgrund von Corona nur aus Distanz möglich war – sich zum definitiven Abschied nicht umarmen zu dürfen, war emotional nicht einfach. Etliche vom Team waren körperlich sehr müde und es war dann einfach gut, durften sie nach zwei Tagesreisen wohlbehalten in Conakry ankommen. Am 12. Juli wurde es tatsächlich möglich, dass alle im gleichen Flugzeug via Paris nach Zürich fliegen konnten. Dieu merci!

Das ProESPOIR-Team im Januar 2020

Übergabe und Abschluss vorbereiten

Da ich kaum mehr Aufgaben im CHRS zu erledigen hatte, blieb mir Zeit, die fünf Wohnhäuser und die Werkstatträume für die Übergabe an Schindlers vorzubereiten. Das war eine enorme Puzzle-Arbeit. Vieles verschenkte, anderes verkaufte ich. Am 31. August beschlossen Ruth und Paul, nicht an der Ausreise nach Macenta festzuhalten. Ich verstand ihren Entscheid voll und ganz, trotzdem war es im ersten Moment eine kalte Dusche. Uns wurde bald klar, dass wir auf die Schnelle keine Dauerlösung aus dem Boden stampfen konnten. Also buchte ich meinen Rückflug auf den 9. Oktober und wir strebten eine Übergangslösung an. Diese ergab sich ziemlich rasch: Wir wählten vier Vertrauenspersonen, die nun für den Unterhalt aller Gebäude, die Sicherheit des Geländes und den eventuellen Gästebetrieb verantwortlich sind. Es handelt sich um den ehemaligen Werkstattchef Daniel Siba, den medizinischen Direktor des CHRS, Daniel Galada, und die beiden treuen, langjährigen Haushalthilfen Suzanne und Elisabeth. Es ist ein Gebetsanliegen, dass die Zusammenarbeit und die Kommunikation unter ihnen und mit uns gut klappt.
Gute Freunde von mir, Ruth und David Guilavogui, waren mir in meinen beiden letzten Wochen in Macenta eine unschätzbare Hilfe, einerseits durch ihre Gegenwart und andererseits bei der Erledigung von vielen praktischen und administrativen Dingen. Vielen herzlichen Dank!

Ein Abschiedsfest voller Dankbarkeit

Mir war es sehr wichtig, ein echtes Abschiedsfest zu gestalten, um allen nochmals Danke sagen zu können. Es kam eine bunte Schar vom CHRS, von der Kirchenleitung, ehemalige Mitarbeitende und Leprapatienten, Wächter und Gärtner. Viele ergriffen das Wort, um irgendein Erlebnis, das sie mit mir gemacht hatten, zu erzählen. An etliches konnte ich mich nicht mehr erinnern, aber für sie war es prägend und unvergesslich. Es war ein gutes, fröhliches Fest voll Dankbarkeit und gegenseitiger Wertschätzung.

Gäste beim Abschiedsfest vom Martha

Wie geht es weiter?

Somit verabschieden sich fast alle vom ProESPOIR-Team als aktive Ausland-Mitarbeitende. Das Projekt ProESPOIR bleibt bestehen zur Begleitung des CHRS, auch wenn im Moment keine weiteren Mitarbeitenden in Sicht sind. Wir bleiben dran im Gebet. Gott ist es, der es den Menschen, die er bereits berufen hat für einen solchen Dienst, klar und verständlich machen kann, dass Macenta ihr Platz ist. Ihm ist nichts unmöglich – auch zu Corona-Zeiten nicht. David Leuenberger bleibt mit einem kleinen Pensum bei SAM global angestellt, um das Projekt von der Schweiz aus zu begleiten und das Spital CHRS zu unterstützen. Er wird voraussichtlich jedes Jahr einen Monat in Macenta verbringen.

Bitte bleiben Sie dran

Wir freuen uns und sind dankbar, wenn Sie, liebe Freunde und Paten des Projekts, das ProESPOIR auch weiterhin unterstützen und bedanken uns herzlich für alles treue Begleiten, sei es durch Freundschaft, auf praktische Art, finanziell oder im Gebet!

Martha Gafafer
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