Burkina Faso

Dran bleiben trotz Pandemie und Unsicherheit

27.1.2021
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10
Min.

LIEBE BURKINA FASO-FREUNDE

Im Zuge der Vereinheitlichung unserer Kommunikation und der Erneuerung unserer Webseite haben wir aus dem Projekt Burkina Faso «ProBAAGI» gemacht. Baagi heisst in der Sprache der Gourmanché «Versöhnung». Uns gefällt der von unseren lokalen Mitarbeitenden vorgeschlagene Name, denn das ist doch unser Ziel: dass Menschen in versöhnter Beziehung mit Gott, mit Anderen (auch Menschen anderer Kulturen und Religionen) und mit sich selbst leben.

Versöhnung über Kulturgrenzen hinweg

Diese erste Ausgabe der ProBAAGI NEWS gibt einen Einblick in die Motivation und die Arbeit von einigen unserer Begünstigten, aber auch von unseren lokalen Mitarbeitenden. Dies hilft, deren Situation besser zu verstehen und zeigt auf, welchen Unterschied unsere Arbeit in ihren Leben bewirkt.
Andreas Zurbrügg

DRAN BLEIBEN TROTZ PANDEMIE UND UNSICHERHEIT

Nach meiner Ausbildung zum Pastor verspürte ich den starken Wunsch, die Frohe Botschaft an Menschen weiterzugeben, die noch nie davon gehört haben. Mein Name ist Hamadou O., ich bin verheiratet und meine Frau und ich haben fünf Kinder. Das Ausbildungszentrum CEFM, das eine Berufsausbildung für den transkulturellen Dienst anbietet, kann mir die notwendige Ausrüstung für diese Arbeit geben. Es befindet sich im Osten von Burkina Faso. Trotz der zunehmenden Unsicherheit im Land durch die Gefahr von Übergriffen von islamistischen Gruppen startete unser Jahrgang im Januar 2020. Durch den Beginn der Covid-19-Pandemie im März 2020 verschlimmerte sich die Situation dann noch zusätzlich. Das CEFM musste den Präsenzunterricht unterbrechen und die Tore schliessen.

Leere Klassenzimmer wegen Covid-19

Die Angst raubt den Schlaf

Das war sehr einschneidend. Wir haben die Massnahmen der Regierung eingehalten, um die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Und wir haben viel gebetet. Ich versuchte, die Situation mit Ausdauer und Vertrauen zu ertragen, im Glauben an die schützende Macht Gottes (Jesaja 41,10). Aber wegen der Gefahr durch Übergriffe von islamistischen Gruppen gab es dennoch Tage und vor allem Nächte, in denen ich wirklich Angst hatte. Ich konnte nicht ruhig schlafen, weil Dschihadisten in der Nähe waren und Sicherheitskräfte ihre Runden zogen. Es machte mir Angst, dass sie kommen könnten und mir Informationen über die jeweils andere Seite entlocken würden. Ich fühlte mich wie zwischen Hammer und Amboss. Aber ich hielt mich an Gott fest (Psalm 91,12).

Das mutige Ehepaar O. bereitet sich für einen Einsatz vor.

Wie geht es weiter?

Ich mache Fortschritte in meinem Studium am CEFM und will es durchziehen, egal wie die Situation ist. Ich glaube fest daran, dass Gott mir helfen wird, auch über das Studium hinaus. Zur Ausbildung gehört ein Praktikum und ich bete, dass Gott das im kommenden Frühling möglich machen wird, auch wenn die Pandemie noch nicht vorbei sein wird.

In so einer jungen Gemeinde könnte ein Praktikum stattfinden.

Meiner Berufung folgen

Mein Ziel ist nach wie vor der transkulturelle Dienst, sofern das aufgrund von Covid-19 und der unsicheren Situation möglich sein wird. Es ist mein tiefes Anliegen, den Menschen von Jesus Christus und seiner Botschaft der Erlösung zu erzählen. Und ich möchte das nicht nur mit Worten tun, sondern mich für ihr ganzheitliches Wohlbefinden interessieren und einsetzen, indem ich bei und mit ihnen lebe.
Hamadou O.

WERTVOLLE WEITERBILDUNG

Ich habe mich für den Bachelor-Studiengang am Missiologischen Institut für das Frankophone Afrika eingeschrieben. Das erste Jahr mit 11 von gesamthaft 37 Modulen liegt bereits hinter mir. Das zweite Jahr beginnt mit dem ersten Kursblock vom 18. Januar bis 28. Februar 2021 und wird mit dem zweiten Kursblock von Anfang September bis Mitte Oktober 2021 fortgesetzt. Von dieser Weiterbildung erhoffe ich mir ein noch tieferes Verständnis für die transkulturelle Arbeit, welches ich als Lehrkraft am CEFM an unsere Studierenden weitergeben will.
Jonathan F.O., Leitung CEFM

Pastor Jonathan F.O.

MUSLIMEN ZUM SEGEN WERDEN - EINE WUNDERBARE MÖGLICHKEIT

Bei meinen Besuchen war ich freudig überrascht zu sehen, mit wieviel Freude und Begeisterung alle Gruppenmitglieder des Projekts «Peul» in ihren jeweiligen Dörfern und Umgebungen am Werk sind. Zahlreiche Kontakte wurden geknüpft, Beziehungen aufgebaut und man trifft sich hier und dort in den Häusern. Bereits haben sich einige Muslime für Jesus geöffnet und beginnen, ihren christlichen Glauben diskret in ihren Familien zu leben. Das motiviert uns natürlich sehr, weiterzumachen.

Beziehungen wachsen

Yariga M.D. wohnt in Dori, weil ihr Mann dort als Lehrer tätig ist. Sie engagiert sich in der Gruppe von Dori, weil es ihr wichtig ist, ihren muslimischen Nachbarn von Jesus Christus zu erzählen. Früher war sie Muslimen gegenüber sehr misstrauisch. Durch die Schulung hat sie gelernt, sie besser zu verstehen und wie sie ihnen näherkommen kann. Sie knüpft Kontakte und unterhält nun unter anderem eine freundschaftliche Beziehung mit ihrer muslimischen Nachbarin. Die beiden Frauen können miteinander über die Frohe Botschaft sprechen und die Nachbarin ist offen, denn sie hat die Kraft Gottes durch das Gebet im Leben von Yariga gesehen. Yariga verkauft Lebensmittel auf dem Markt und hat immer wieder Gelegenheiten, mit Menschen über Gott zu sprechen.

Die motivierte Gruppe in Dori

«Ich habe keine Angst mehr vor den Muslimen»

Boutiana R.D. ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie arbeitet als Grundschullehrerin an der öffentlichen Schule und ist Mitglied der Gruppe von Comi-Yanga. Auch ihr ist es ein grosses Anliegen, den muslimischen Nachbarn die gute Nachricht von Jesus Christus weiterzugeben. Früher fürchtete sie sich vor den Muslimen und blieb auf Distanz. Aber durch die Schulung hat sich vieles in ihrem Leben verändert. Sie kann nun leichter auf Muslime zugehen, hat jetzt sogar muslimische Freundinnen und pflegt gute Beziehungen. Eine dieser Freundinnen beginnt sich für den christlichen Glauben zu interessieren. Boutiana will sich dafür einsetzen, auch andere Christen für diese neue Herangehensweise an Muslime zu sensibilisieren, denn der Bedarf ist gross und dieser neue Weg ist sehr gut angepasst.
Aristarque D.L.

Gruppe in Comi-Yanga mit ihren Kursdiplomen

GOTT HAT ES SO GEFÜHRT

Am 13. Januar 2021 hat die Generalversammlung der EE/SIM den Mitbegründer des Evangelischen Zentrums für Transkulturelle Arbeit (CEFM) und langjährigen Mitarbeiter von SAM global, Pastor Aristarque D.L., zum Präsidenten gewählt. Mit Jonathan F.O., dem Direktor des CEFM, nimmt noch ein weiterer enger Mitarbeiter von uns im Vorstand Einzug. Die Amtsübergabe wird im Februar stattfinden. Wir haben Pastor Aristarque zu seiner Wahl gratuliert und bei der Gelegenheit auch gleich ein paar Fragen gestellt:

Herzliche Gratulation zu Ihrer Wahl zum Präsidenten der EE/SIM. Was waren Ihre ersten Gedanken, als das Wahlresultat bekannt wurde?
Ich wollte zuerst gar nicht kandidieren, denn ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste. Ein guter Freund und Mentor hat mir aber geraten, auf die Forderung von zahlreichen Gemeinden, die mich als Kandidat haben wollten, einzugehen. Meine Kandidatur würde es Gott und dem Heiligen Geist ermöglichen, Die Wahl so herauskommen zu lassen, wie sie es für richtig halten. Als dann bei einer sehr ruhigen Wahl eine grosse Mehrheit für mich stimmte, wusste ich: Es ist der Wille Gottes, dass ich diesen Posten nochmals übernehme.

Der neue Präsident Pastor Aristarque D.L. mit seinem Vorgänger

Sie waren ja von 1993 bis 2001 bereits einmal in diesem Amt. Wo sehen Sie heute die grössten Unterschiede zu damals?
Damals war ich noch relativ jung und unerfahren. Heute kenne ich den Dienst im Vorstand bereits sehr gut. Zudem kann ich auf eine reiche Leitungserfahrung zurückgreifen. Ich kenne alle Mitglieder im Vorstand sehr gut und ich werde sie alle bestmöglich in der Verwaltung einsetzen. Ich werde auch die Mitglieder der Generalversammlung einbeziehen. Alle sollen ihren Beitrag zur Gestaltung der Kirche leisten. Die Situation der Kirche ist leider etwas im Argen. Es gibt viele Pläne, aber wenig wird umgesetzt. Es ist in den letzten Jahren viel Vertrauen in die Leitung verloren gegangen.

Welches sind denn die grössten Herausforderungen, die Sie angehen wollen?
Wir müssen einen Schwerpunkt auf die Beziehungen setzen. Nicht nur in der Kirche, sondern auch mit den Partnern. Die SIM steht zwar noch in unserem Namen, aber wir haben kaum mehr Beziehungen zu dieser Organisation. Es gibt auch andere Partnerschaften, die wir auffrischen sollten. Dann braucht es eine klare Entwicklungsstrategie für die Kirche. Die Leitung darf sich nicht ins Büro zurückziehen, sondern muss nach aussen wirken und mit der Basis zusammenarbeiten. Wir müssen uns «im Feld» investieren. Die Mitglieder der Kirche sollen unsere Entwicklungsziele kennen und diese mittragen. Als dritter Schwerpunkt sehe ich die geistliche Entwicklung. Auch da braucht es noch viel Arbeit in den Gemeinden.

Wie beurteilen Sie die Zusammenstellung des neuen Vorstands?
Mit mindestens fünf der Mitglieder bin ich schon länger unterwegs. Wir haben häufig miteinander debattiert und unsere Visionen ausgetauscht. Wir sind bereits ein Team, bevor wir überhaupt angefangen haben, unsere Ämter einzunehmen. Leider erlaubt es die bisherige Verfassung der Kirche nicht, Laien (Nicht- Pastoren) im Vorstand zu haben, aber wir werden mit Ad-hoc-Komitees arbeiten, in welchen wir Laien mit Management-, Kommunikations- oder Finanzkompetenzen haben werden. Auch die Frauen und die Jungen sollen durch solche Komitees in die Kirchenentwicklung einbezogen werden.

Sie haben ein Herz für die transkulturelle Arbeit. Welchen Einfluss auf diese Arbeit können Sie als Kirchenpräsident nehmen?
Mein Herz schlägt immer noch für diese Arbeit, sie bleibt für mich eine Priorität. Ich bin überzeugt, dass Gott uns helfen wird, diese Arbeit auszubauen. Mein Vizepräsident wird mich in der Verwaltung häufig vertreten müssen, damit ich mich auch weiterhin dafür einsetzen kann, dass Menschen die frohmachende Botschaft von Jesus erfahren. Mit Pastor Jonathan vom CEFM und Pastor Tandamba vom Missionsdepartement sind wir drei Vorstandsmitglieder, die ein Herz für die transkulturelle Arbeit haben. Dieser Umstand sowie mein Wort als Präsident werden Gewicht haben und etwas in unserem Umfeld und hoffentlich auch an der Basis bewirken.

Ich wusste: Es ist der Wille Gottes.

Sie haben bereits erwähnt, dass Sie gewisse Partnerschaften ausbauen oder auffrischen möchten. Haben Sie bereits eine Idee, wie sich die Zusammenarbeit mit SAM global entwickeln könnte?
Bereits 2015 haben wir mit dem alten Vorstand, ich war damals auch noch Mitglied, über andere Arbeitsgebiete nachgedacht, in welchen wir mit SAM global zusammenarbeiten könnten. Im Moment ist es aber noch zu früh, um etwas dazu zu sagen. Aber offen sind wir auf jeden Fall.

Pastor Aristarque, wenn Sie ein wichtiges Gebetsanliegen mit uns teilen könnten, was wäre dies?
Ich wünsche mir, dass Sie um Einheit in unserem Vorstand beten. Nur wenn wir uns verstehen und gemeinsam für unsere Ziele einstehen, wenn wir uns alle bemühen und alle alles geben, dann können wir erfolgreich sein.

Dafür werden wir gerne beten. Ganz herzlichen Dank für das Gespräch und Gottes Segen im neuen Mandat.

Andreas Zurbrügg, Länderverantwortlicher

SAM global
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