Kamerun

Leben in ständiger Anspannung

30.3.2021
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6
Min.

Hanna W. ist im März von einer Besuchsreise in Kamerun zurückgekehrt. Sie hatte die Gelegenheit, verschiedene Verantwortliche der medizinischen Arbeit zu interviewen.

Aus Sicherheitsgründen veröffentlichen wir hier nur Auszüge, ohne Namen und Ortschaften. Wenn Sie die kompletten News in Papierform erhalten möchten, bestellen Sie diese bitte unter: news@sam-global.org.

An Feiern war nicht zu denken

Von Oktober bis Dezember 2020 gab es laufend Angriffe auf nahegelegene Dörfer. Die Leute wurden ausgeraubt, eine katholische Station wurde fünfmal geplündert. Das dauerte solange, bis alle Bewohnenden weggezogen waren. Immer wieder wurden Menschen umgebracht, in erster Linie Familienväter. Die Angst wurde immer grösser, die Leute schliefen in den Bergen zwischen den Felsen, was auch wieder Gefahren mit sich bringt: beispielsweise schwere Erkältungen in der kühlen Jahreszeit und eine Frau ist wegen eines Schlangenbisses gestorben. Die Gerüchte über geplante Angriffe auf die Klinik häuften sich. Wir haben zeitweise Patienten nicht mehr stationär
aufgenommen und unsere Fahrzeuge in Sicherheit gebracht. Und die meisten Mitarbeitenden verbrachten die Nächte im benachbarten Städtchen. Einmal war ein Zettel beim Dorfeingang angeheftet mit der Drohung: «Nächste Nacht wird das Gesundheitszentrum abgebrannt!» Der Heiligabend 2020 war besonders schlimm, da habe auch ich nicht mehr zuhause übernachtet. An Feiern war nicht zu denken!
Seit Januar hat sich die Situation etwas entspannt. Doch auf der anderen Seite des Berges wurde erst Anfang März wieder geplündert, auch in allen Häusern der Gemeindeältesten. Ein Mann wurde getötet und viele Leute sind von dort weggezogen. In der Ebene in Richtung Nigeria läuft es seit Jahren so, viele Dörfer sind schon entvölkert. Auch uns bei uns ist die Angst ein ständiger Begleiter, wir sind immer in einer gewissen Anspannung. Wir können nur auf unseren Gott vertrauen, dass er uns beschützt. Danke, wenn Sie für uns beten.
A.

In einigen Zentren sind Konsultationen möglich

Ich mache mir Gedanken über die Zukunft des Landes

Die Stadt wird immer grösser. Viele Leute aus anderen Gegenden des Landes ziehen hierher, weil es in ihren Gebieten zu unsicher geworden ist. Andere sind aus der Zentralafrikanischen Republik geflüchtet. Man weiss oft nicht, mit welcher Einstellung und welchen Motiven diese Leute gekommen sind. Ich mache mir Gedanken über die allgemeine Zukunft des Landes, wenn Unordnung und Gewalt so zunehmen. Wenn die Bevölkerung nicht mehr in Sicherheit leben kann, schwindet das Einkommen und die Menschen leiden. Für uns als Personal ist es nicht einfach, so weit weg von unseren Ursprungsfamilien zu leben. Wenn jemand schwer krank ist oder gar stirbt, können wir nicht dabei sein. Ein Besuch bei der Familie bedeutet eine Reise von mehreren Tagen.
M.

Türen schliessen sich - aber dafür öffnen sich andere

Das Gesundheitszentrum von T. wurde 2019 und 2020 bei zwei Angriffen schlimm zerstört und ist seit April 2020 geschlossen. Das macht mich traurig. Wir wollen dort jedoch im Mai einen kleinen Neuanfang wagen. Das Hauptgebäude kann wegen der Schäden im Moment nicht genutzt werden, aber wir werden Räume, die ursprünglich für stationäre Patienten vorgesehen waren, anpassen und sie nur als Tagesklinik nutzen. Die Arbeit darf nicht zu auffallend sein und wir werden keine grossen Medikamentenvorräte vor Ort haben. Das kleine Team wird auch nicht im selben Ort wohnen.
Dankbar bin ich, dass das neue Zentrum «Espérance» so gut läuft. So haben sich zwar Türen geschlossen, aber andere geöffnet.

In der täglichen Arbeit begleitet uns ständig die Frage, wie es weitergeht. Die Unsicherheit in der Gegend, Covid-19, die Programme des staatlichen Gesundheitsdiensts usw. erfordern viel Flexibilität. Ebenfalls sind Einsatz und Ausdauer nötig, um die Qualität der Arbeit aufrechtzuerhalten. Wir möchten, dass die jungen Mitarbeitenden unser Berufsethos und unser Ziel, Hoffnung zu vermitteln, verinnerlichen – damit ihre Arbeit für sie mehr bedeutet als ein «Job».
M.

Die Patienten warten geduldig, bis sie an der Reihe sind

Wir würden gerne mehr Menschen helfen

Die Sicherheitsvorkehrungen haben bei uns in M. schon seit Jahren die Patientenzahl schrumpfen lassen. Seit wegen Covid-19 die Grenze zum Tschad hermetisch abgeriegelt ist, kommen aus dem Nachbarland überhaupt keine Patienten mehr. Das ist schade, denn wir würden gerne mehr Menschen helfen! Ich bin dankbar, dass ich immer wieder Augeneinsätze in anderen Gesundheitszentren des OM machen kann.
I.A.

Die Patientenzahl schrumpft - obwohl der Bedarf gross ist

FREUDE ÜBER VIELE STUDIERENDE AM ISTEM

Die Gemeinden der UEEC werden immer zahlreicher, und damit auch der Bedarf an Pastoren. Deshalb ist am ISTEM die Freude über die zahlreichen Studierenden und zukünftigen Pastoren gross! Die 18 Studierenden auf dem Licence-Niveau werden dieses Jahr abschliessen. 44 Studierende haben mit dem neuen 4-jährigen Zyklus angefangen. Es gibt spezielle Programme für die Ehefrauen, doch manche sind in die Programme der Männer integriert. Insgesamt sind 54 Familien am ISTEM. Es wurde sogar ein eigener Kindergarten gegründet.

Eine grosse Kindergartengruppe

EIN ERMUTIGENDER BESUCH

Der designierte neue Direktor unserer deutschen Partnermission SAHEL LIFE e.V., Ben S., kam im Februar zu Besuch nach Kamerun. Seine Reisen im Land waren abenteuerlich, mit vielen Verschiebungen und Ungewissheiten wegen Covid-19, nicht funktionierender nationaler Fluggesellschaft und Harmattan (dichter Saharastaub), sodass ein Flugzeug nicht in Ma. landen konnte. Zum Glück kennt Ben Afrika – er hat mit seiner Familie zuvor in N’Dja. unter Strassenkindern gearbeitet!
Ben konnte die Verantwortlichen der UEEC, viele Arbeitsbereiche und Projekte und so manche Mitarbeitende kennenlernen. Er war zu Besuch im ISTEM, im Col-ProMa und im OM sowie bei den Freunden der EEMM. Ein Highlight war die Fahrt nach M. mit dem Besuch des Gesundheitszentrums G., des CEFMA und der Bibelschule in K. – wegen der Nähe zur Gefahrenzone mit Bewachung.
Ben schreibt: «Schön fand ich die Begegnung mit der Kirchenleitung, die sehr unkompliziert war. Das CEFMA hat mich beeindruckt – trotz der gefährlichen Lage werden viele junge Frauen positiv fürs Leben geprägt und ausgebildet. Ich freute mich, die gute Teamarbeit im OM zu sehen, und eine grosse Ermutigung sind die zahlreichen Bibelschülerinnen und -schüler, die im ISTEM trotz schlichter Einrichtung für den Dienst für Gott und die Gemeinde ausgebildet werden.»
Hanna W.

Strahlende Schülerinnen am CEFM

ANTEILNAHME TUT WOHL

Die letzte Regenzeit (Sommer 2020) war recht gut, aber an einigen Orten gab es zu viel Regen mit Überschwemmungen und entsprechenden Schäden an den Infrastrukturen und den Feldern. So verloren einige Familien, die es aufgrund ihres Glaubens sonst schon nicht leicht haben, einen Teil oder die ganze Ernte. In dieser Zeit erhielt ich eine Gabe, die ich an sie weiterleiten konnte. Ich schrieb einer Person, dass es nur ein kleiner Anteil der Entschädigung sei (5%), doch sie antwortete, es sei nicht die Höhe des Betrags, die zähle, sondern die Geste und Anteilnahme. Der Rest sei in Gottes Hand!
Helen

Überschwemmungen im Hohen Norden von Kamerun

SAM global
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