Kamerun

Unsere Pläne wurden durchkreuzt

3.12.2020
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10
Min.

Unsere Pläne wurden durchkreuzt

Als Leitung des ISTEM (Institut Supérieur de Théologie Evangélique Maroua) hatten wir Treffen mit anderen Institutionen geplant, um Partnerschaften einzugehen und beispielsweise eine Bibliothek gemeinsam zu nutzen. Durch die Schliessung der Grenzen aufgrund von Covid-19 wurde das verunmöglicht, insbesondere mit FATES im Tschad und FATEB in Bangui (Zentralafrikanische Republik). Ausserdem konnten Lehrpersonen von auswärts nicht wie geplant zu uns kommen, was die Effizienz und die Qualität des Unterrichts beeinträchtigt hat. Auch sonst hatte die Pandemie weitreichende Auswirkungen. So konnte keine Feier für die Abschlussklasse durchgeführt werden und die Studierenden und das Personal konnten das Gelände nur eingeschränkt für Besorgungen verlassen. Gottesdienste fanden ausschliesslich innerhalb jeder Klasse statt, um eine Durchmischung zu verhindern. Das ISTEM versorgte die Studierenden und Mitarbeitenden mit Masken sowie mit Seife und Wasser.
Weil wir am Tor keinen Wächter mehr hatten, kamen zahlreiche Leute auf das Gelände, beispielsweise um auf dem Campus Wasser zu holen, die sich leider nicht an die Schutzmassnahmen hielten.

Theologiestudierende

Grosse Nachfrage nach Studienplätzen

Wir haben für den neuen Studienbeginn mehr als 50 Bewerbungen erhalten. Die meisten dieser Kandidaten kommen aus Gebieten, in denen die Unsicherheit aufgrund von Boko Haram real ist. Wir hätten gerne alle genommen, da es dringend gut ausgebildete Pastoren braucht. Leider konnten wir aufgrund der Einschränkungen und der fehlenden Infrastruktur aber nur 38 Paare aufnehmen. Schon jetzt sind wir am Limit und es fehlt an Klassenzimmern und Wohnräumen. Für sechs Familien haben wir Häuser der ehemaligen Bibelschule aufgefrischt. Unsere Kindertagesstätte ist klein, und weil wir zu grosse Gruppen vermeiden wollten, haben wir die Kinder in mehrere Kindergartenklassen eingeteilt. Aber es fehlt an Räumen. Einen öffentlichen Kindergarten gibt es in unserer Umgebung nicht. Aber alles in allem sind wir Gott dankbar für seine Durchhilfe in dieser Zeit der Pandemie.

Kindergarten an der Bibelschule

Start des neuen Studienjahres

Am 7. September 2020 starteten wir mit 54 Studentenfamilien, 16 für das Bachelorstudium (bisher) und 38 für das Bibelschulniveau. Das ist ein neuer Rekord seit Beginn des ISTEM. Nun haben wir 18 Studierende für den Bachelor im dritten Jahr (16 Männer und 2 Frauen); 44 Bibelschüler im ersten Jahr (38 Männer und 6 Frauen); 12 Studentinnen im dritten Jahr der Bibelschule und 34 Frauen, die die Grundausbildung besuchen.
Wir leben und unterrichten weiterhin mit den Einschränkungen aufgrund von Covid-19. Ausserdem sind die Studierenden wegen der mangelnden Infrastruktur auf zwei Orte aufgeteilt: den Campus hier und in Djarengol-Kodek. Das macht die Sache nicht einfacher.

Dringendes Bauprojekt

Der Bau von neuen Räumlichkeiten ist eine der grössten Herausforderungen, die uns beschäftigt. Die sechs Familien, die ausserhalb des Campus untergebracht sind, leben in je nur einem Raum in alten, provisorisch reparierten Häusern. Wir benötigen also mehrere Wohneinheiten, um alle Studierenden hier auf dem Gelände der Institution unterbringen zu können, und wenn möglich ein Gebäude mit zwei Zimmern für die Kindergartenkinder. Auch eine Umzäunung des Geländes ist dringend nötig.
Wir beten darum, dass Gott seine Kinder vor einer Ansteckung bewahrt, dass er die Infizierten heilt und dass die Aktivitäten normal wieder aufgenommen werden können. Wir danken Ihnen herzlich für alle Unterstützung, sei es im Gebet oder finanziell, und wir beten für Europa, wo die Ansteckungszahlen mit Covid-19 so hoch sind. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen in Kontakt zu bleiben.
Fidèle J., Direktor des ISTEM/IBM


Eine Perspektive für die Jugend

Das Col.Pro.Ma (Collège Protestant de Maroua) öffnete vor drei Jahren seine Pforten. Es befindet sich im Stadtgebiet von Maroua. Die Kirche (UEEC) hat als Teil der ganzheitlichen Sicht ihres Auftrags nebst anderen sozialen Werken auch an den Aspekt der Bildung gedacht. Die Idee, eine Schule für diese Altersgruppe zu gründen, kam hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Phänomen von Boko Haram auf. Diese Gruppierung wirbt Jugendliche an, macht sie zu Anhängern und benutzt sie zur Ausführung von Verbrechen: Angriffe auf Dörfer, Massenmorde, Zerstörung von Häusern, Hab und Gut usw. Es zeigte sich zur Genüge, dass die Jugendlichen trotz einer Grundschulausbildung ein geistliches und moralisches Problem haben, denn viele haben mitgemacht.

Die Gründung des Col.Pro.Ma hatte darum zum Ziel, der Jugend zusätzlich zur klassischen Ausbildung, die die offiziellen Lehrpläne der Schulen bieten, auch die ethische, geistliche und moralische Komponente zu vermitteln. Dadurch sollen die jungen Leute geprägt werden und entsprechende Entscheidungen treffen, die sich positiv auf sie selber, aber auch auf die Familie und die ganze Gesellschaft auswirken.
In den drei Jahren unserer Tätigkeit haben mehr als 316 Schülerinnen und Schüler von unserem Unterricht und unserer Betreuung profitiert. Die dankbaren Rückmeldungen der Eltern und Familien freuen und ermutigen uns. Im 3. Betriebsjahr ereignete sich jedoch etwas Besonderes: die Covid-19-Pandemie.

Das College musste schliessen

Diese Pandemie hat die Dinge auf den Kopf gestellt. Tatsächlich wurden den Schulen im Laufe der Entwicklung der Pandemie verschiedene Anweisungen gegeben. Am 17. März 2020 kam dann der Bescheid, dass der Unterricht per sofort und bis auf weiteres eingestellt werden musste. Dadurch wurden alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten lahmgelegt. Das hatte schwerwiegende Konsequenzen für uns, denn viele Jugendliche hatten ihr Schulgeld noch nicht fertig bezahlt und die Eltern sahen sich nicht mehr in der Lage, ihre Schulden zu begleichen. So konnten wir unsere Kosten nicht mehr decken. Nur dank der Unterstützung von SAM global und von Sahel Life war es uns möglich, diese Zeit von sechs Monaten Stillstand zu überbrücken.

Schülerinnen und Schüler am Col.Pro.Ma

Start des neuen Schuljahres 2020-2021

Im September konnte der Start für das neue Schuljahr stattfinden, allerdings unter Beachtung der Vorschriften und der Schutzmassnahmen. Es wurde eine Höchstzahl von 50 Schüler pro Klasse festgelegt. Schulen, die nicht über genügend Klassenräume verfügten, dürfen auf Halbzeitbasis arbeiten. Während einige neue Schülerinnen und Schüler ins Col.Pro.Ma aufgenommen werden konnten, schickten doch einige Eltern ihre Sechstklässler Kinder wieder in öffentliche Schulen. Dadurch verringerte sich unsere anfängliche Schülerzahl um etwa fünfzig, was ein Defizit von rund 3.350.000 CFA-Francs (rund 5‘500 Schweizer Franken) bedeutet. Aufgrund der Pandemie begannen wir das Schuljahr mit zusätzlichen finanziellen Anforderungen, insbesondere für den Kauf von Material zum Schutz gegen Covid-19. Nun haben wir insgesamt 185 Schüler, 89 Jungen und 96 Mädchen, verteilt auf fünf Klassen. In diesem Jahr wollen wir unsere Schulabgänger gut auf den Sekundarschulabschluss vorbereiten. Unser Ziel ist es, dass alle diesen schaffen. Die ganze Lehrerschaft setzt sich mit Hingabe dafür ein.

Mitarbeitende am Col. Pro. Ma

Insgesamt sind 18 Personen im Col.Pro.Ma im Dienst: 5 Festangestellte, 3 Verwaltungsangestellte, 2 Lehrer, 2 Wächter und 11 Lehrkräfte auf Honorarbasis.

Versammlung und Andacht am Montagmorgen

Laufende Projekte

Der Bau eines neuen Gebäudes ist im Gange. 8 Klassenzimmer sollen entstehen, 4 im Parterre und 4 im ersten Stock. Dank der Unterstützung von SAM global konnten die Mauern errichtet und der Zwischenboden gegossen werden. Aber es bleibt noch viel zu tun, bis die Schüler einziehen können: zuerst im Erdgeschoss die Wände verputzen und streichen, dann der Ausbau des ersten Stocks mit allem, was dazu gehört. Dafür werden immer noch etwa 35 bis 40 Millionen CFA-Francs (58‘000 bis 66‘000 Schweizer Franken) benötigt.

Das Erdgeschoss steht

Die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind:

  • Einige Eltern sind in Verzug mit der Bezahlung des Schulgeldes
  • Gewisse Familien sind so arm, dass sie überhaupt nicht in der Lage sind, Schulgeld bezahlen zu können
  • Sozialfälle unter den Schülern: Waisen und andere, die ohne jegliche Unterstützung dastehen
  • Die Corona-Pandemie, die eine Schwierigkeit bleibt, da wir zusätzliche Mittel für die Schutzmassnahmen aufwenden müssen
  • Die geringere Anzahl an Schülern, wodurch die Gehaltskosten nicht abgedeckt werden können

Lambert K., Direktor des Col.Pro.Ma

Eine grosse Arbeit, die sich bestimmt lohnt!

Nach den Al Massira-Kursleiter-Schulungen im Dezember 2019 in Maroua und im Februar 2020 in Ngaoundéré wurde der Wunsch, das gesamte Material in Fulfuldé zu übersetzen, mehr und mehr zum konkreten Plan. Das für Juni dieses Jahres geplante Training in Yaoundé, in welchem die Übersetzer und Mitarbeitenden in diesem Projekt geschult werden sollten, fiel Covid-19 zum Opfer. Nach einigem Hin und Her fand die Schulung dann im Oktober online statt. Die teilnehmenden Kameruner versammelten sich dazu an einem Ort und setzten viel ein, um eine stabile Internet-Verbindung zu halten. Der Übersetzungs-Verantwortliche von Al Massira International in Wales leitete den Kurs. Es wurde allen bewusst, welch umfangreiches Unternehmen es ist, die Texte für die 13 Filme zu übersetzen und die Videos dann zu synchronisieren. Und es ist eine grosse Verantwortung, die Kernbegriffe korrekt zu übersetzen. Inzwischen hat sich das Team an die Arbeit gemacht. Sie brauchen viel Ausdauer, und eine gute Zusammenarbeit zwischen Übersetzern, Revisoren und allen Beteiligten ist wichtig.

Al Massira-Kurs online

Dort, wo es möglich ist, funktioniert die Gesundheitsarbeit

Im Oeuvre Médicale geht die Arbeit in den funktionierenden Gesundheitszentren normal weiter. Der Oktober war wieder «Malaria-Monat» mit grossem Patientenandrang. Leider wurde noch keine Lösung für eine Minimalversorgung in Tourou gefunden, wo die Krankenstation im April zum zweiten Mal zerstört wurde. Auch Limani bleibt wegen der Sicherheitssituation weiterhin geschlossen.
Zwei junge Männer, die fast drei Jahre praktisch im Oeuvre Médicale mitarbeiteten, haben ein Jahr am Bibelinstitut absolviert und befinden sich inzwischen im Kongo für das Medizinstudium.
Hanna W.

Andrang beim Gesundheitszentrum

Viele Menschen leiden

In den Grenzgebieten zu Nigeria hat sich die Sicherheitslage weiter verschlechtert. Von Nigeria vertriebene Anhänger der Terrorgruppe Boko Haram sind in die Grenzregion von Kamerun gezogen. Sie besetzen zum Teil die reifen Hirsefelder und töten die Bauern, die ernten wollen.
Die Kirchgemeinden versorgen dort viele Witwen. Herzlichen Dank allen, die für diese Frauen und Familien beten und sie finanziell, via Nothilfe von SAM global, unterstützen. Die Kirche hat auch von anderen Organisatoren Hilfsgelder erhalten für diejenigen, die am schlimmsten betroffen sind. Unter anderem wurde ein Schafprojekt gestartet: dabei bekommen Witwen zwei Schafe oder Ziegen. Das Erstgeborene weibliche Tier müssen sie dann abgeben, damit es einer anderen Witwe gegeben werden kann.
Im Sommer führte der viele Regen zu Hochwasser und Überschwemmungen mit Schäden an der Infrastruktur (Stromversorgung, Brücken). An gewissen Orten wurden auch die Felder überflutet und die Ernte vernichtet. Andere hatten eine zufriedenstellende bis gute Ernte.
Helen M.

Notlinderung mit Lebensmitteln, Matten, Kleidung und Hygieneartikel
SAM global
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