Kambodscha

Fertig mit der Highschool - und jetzt?

17.7.2020
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5
Min.

Fertig mit der highschool – und jetzt?

Bis vor zwei Jahren mussten unsere Studierenden nach Abschluss der 12. Klasse das Lighthouse verlassen. Oft wussten sie nicht wohin und fragten an, ob sie während ihres Studiums bei uns bleiben könnten. Diese Anfragen waren die Initialzündung zu dem, was heute Lighthouse Training ist. Erst zweijährig, ist dieses Programm bereits zu einem wichtigen Pfeiler des Lighthouse Battambang geworden und es entwickelt sich stetig weiter.

Wertvolle Arbeitserfahrung sammeln

Das Lighthouse Training ist eine super Sache: Man kann es sich ein bisschen wie die Lehre in der Schweiz vorstellen – Praxis verbunden mit Unterricht. Oder, wie man in Kambodscha eher sagen müsste, Unterricht verbunden mit Praxis. Der allmorgendliche Unterricht an der Universität wird mit 10 Wochenstunden praktischer Arbeit ergänzt – oder besser gesagt: ausgeglichen. Im Gegensatz zur Schweizer Lehre müssen sich Praxis und Studium beim Training nicht ergänzen. Was bei der Lehre Sinn ergibt, gilt nämlich nicht unbedingt für das Studium. Auch in der Schweiz gibt es dieses Konzept der «Gegensatzerfahrung» oder «Horizonterweiterung». Vor Jahren musste ich als angehender Lehrer ein dreimonatiges Praktikum in einem nichtpädagogischen Tätigkeitsfeld absolvieren. Gerade darin sehe ich eine besondere Stärke dieser Vorgehensweise: Man sammelt ganz allgemein Arbeitserfahrung und sieht auch in Lebensbereiche hinein, die nichts mit dem aktuellen Studium zu tun haben. Für Lighthouse Battambang und die Studierenden ist dies eine Win-Win-Situation, denn bei Lighthouse Battambang gibt es mehrere «Stellen», die von den Trainees – so werden die Uni-Studierenden genannt – besetzt werden können, beispielsweise in der Administration oder bei der Unterstützung anderer Leitungspersonen.

Trainee Minea bei der Arbeit in der Administration

Persönliche Begleitung

Und wenn es bei Lighthouse Battambang keinen Platz mehr gibt? Dann werden die Trainees ausgelagert. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zurzeit ist eine der Studentinnen als Hilfslehrerin bei einer Primarschule angestellt. Das gefällt ihr so gut, dass sie am liebsten ihr Studium abbrechen würde, um ganz als Hilfslehrerin zu arbeiten. Aber das wollen wir natürlich nicht! Deshalb ist auch die persönliche Unterstützung in Studienbelangen wichtig. Allerdings sind die Studierenden fachtechnisch auf sich alleine gestellt und müssen den Stoff selbstständig bewältigen, wofür ihnen Lighthouse Battambang aber genügend Zeitfenster unter der Woche gibt.

Bereichernder Gedankenaustausch

In meiner Arbeit als Training Manager hat mir insbesondere der tiefgehende Gedankenaustausch während unseres wöchentlichen Nachtessens gefallen. Wir erzählten von unseren Freuden, Nöten und Ängsten, unseren Wünschen und Träumen. Wir sprachen über Beziehungen, Erziehung und Religion, über den Glauben, Gott und Jesus. Es war jedes Mal unglaublich spannend. Diese Abende haben unser aller Horizont erweitert und ich bin sicher, dass sie uns noch lange in guter Erinnerung bleiben werden.

Wöchentliches Abendessen mit allen Trainees

Mehr als einen Gedanken wert

Obwohl Lighthouse Training aus einer logischen Schlussfolgerung heraus entstand, ist dieses Programm zukunftsweisend. Jede universitäre Bildungseinrichtung sollte sich wenigstens einmal damit auseinandergesetzt haben. Da steckt viel Potential drin!
Robert S., ehemaliger Kurzzeiter und während seines Einsatzes verantwortlich für Lighthouse Training

Die Corona-Pandemie hat andere Auswirkungen als erwartet

«Jöng tou pteah bpipruä Coronaaa» – «Wir gehen nach Hause wegen Corona». So tönte es aus den Mündern der Schülerinnen und Schüler am Donnerstag, den 19. März 2020, als das Lighthouse Living vorübergehend geschlossen wurde. Die Schule war bereits seit Montag derselben Woche zu und die Schülerinnen und Schüler sahen sichtlich aufgeregt, freudig und teils auch etwas verängstigt dem kommenden – vielleicht monatelangen - Aufenthalt zu Hause entgegen. Eine ungewisse Zeit war angebrochen und man konnte kaum vorausplanen.

Gruppenfoto, bevor wegen Corona alle nach Hause fahren

Die Kurzzeiter müssen abreisen

Auf die sich weltweit ausdehnende Krise folgten rasch personelle Veränderungen. Alle ausländischen Kurzzeit-Mitarbeitenden wurden abgezogen, ersatzlos und Monate zu früh. Schon bald stellte dieser Umstand das Management vor eine grosse Herausforderung: Wie kann all die Arbeit bewältigt werden, wenn die Schülerinnen und Schüler wieder zurückkommen?

Die Kurzzeiter mussten früher abreisen (links Robert Steiner)

Homeschooling im Lighthouse Battambang

Und sie kamen zurück, die Schülerinnen und Schüler, nur einige Wochen nach dem schulischen Lockdown. Inzwischen hatten die Schulen auf Fernunterricht umgestellt und der Schulstoff wurde übers Smartphone vermittelt, was besonders auf dem Land eine grosse Herausforderung war: geringe bis keine Internetverbindung, offene Häuser mit Kindern, Nachbarn und Tieren wie beispielsweise Hühnern sind nur einige der Herausforderungen. Mit dem Segen des Gemeindepräsidenten öffneten wir darum unser Living-Programm wieder und stellten kurzerhand um: unser Learning-Programm, das heisst das öffentliche Jugendzentrum mit Nachhilfeunterricht, wurde in ein geschlossenes Fernunterrichts-Lernbegleitzentrum für unsere Living-Schülerinnen und Schüler umgewandelt.

Homeschooling

Bei uns gab es keine Kurzarbeit, sondern wir haben im Gegenteil seit dem Ausbruch von Covid-19 mehr Arbeit, insbesondere in der Administration. Deshalb suchen wir dringend Mitarbeitende und hoffen auf Verstärkung aus der Schweiz. Danke für die Mithilfe bei der Suche, für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung.
Lukas B., Leitung Lighthouse Battambang

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