Kambodscha

Der Mensch denkt, Gott lenkt - und bewahrt!

14.1.2021
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5
Min.

Der Mensch denkt, Gott lenkt - und bewahrt!

Srey war im kühlen Eierraum, wo sie eine Ladung frischer Eier aus den Ställen in die Behälter legen wollte. Am Nachmittag, nach einem intensiven Lege-Tag, liegen da schnell mal mehrere tausend frische Eier. Diese müssen vorsichtig gelagert und für den Transport bereit gemacht werden. Und dann passierte es: Beim Verschieben eines Eier-Stapels fauchte plötzlich eine schwarze, aufgebäumte Kobra Srey an. Schreiend rannte sie nach draussen, wo sofort die Männer herbeigeeilt kamen. Ausgerüstet mit Stecken, gelang es ihnen durch geschicktes und flinkes Eingreifen, die Kobra zu beseitigen, ohne dass jemand verletzt wurde. Gott sei Dank!

Frische Eier einsammeln

Übergabe war bis ins Detail vorbereitet gewesen

Diesen Schreckmoment erlebten die Mitarbeitenden von eggscellent, einer Eierfarm auf dem Land mit dem dazugehörenden Vertriebsnetzwerk in der Touristenstadt Angkor Wat und der Hauptstadt Phnom Penh. Meine Frau und ich haben eggscellent vor rund 10 Jahren als «Soziales Unternehmen» gegründet und über Jahre vor Ort aufgebaut und etabliert. Die Stabsübergabe an die einheimischen Mitarbeitenden hätte im März 2020 stattfinden sollen. Über viele Monate hatten wir hart daraufhin gearbeitet. Abläufe wurden angepasst, Checklisten geschrieben, Aufgaben und Verantwortungen übergeben und der Kundenstamm mit Hotels und Restaurants in den beiden Städten ausgebaut. Alles sollte so gut wie möglich auf Hochglanz poliert und bereit sein. Wir waren auf sehr gutem Kurs …

Die Eierfarm auf dem Land

Plötzlich war alles anders

Und dann nahm die Corona-Pandemie die Welt in den Schwitzkasten. Hotels und Restaurants schlossen urplötzlich ihre Türen und Tore, die Touristen blieben aus. Unsere Lagerräume platzten aus allen Nähten. Praktisch über Nacht verloren wir die allermeisten unserer Kunden, und dies kurz vor unserer Rückreise in die Schweiz nach fast 14 Jahren Einsatz. Kambodscha, das stark vom Tourismus abhängig ist, wurde wirtschaftlich sehr hart getroffen. Tausende Menschen verloren ihre Arbeit. Würden wir unsere Mitarbeitenden auch entlassen müssen? Denn grundsätzlich hat eggscellent keine Spenden erhalten, sondern der ganze Betrieb des Unternehmens wurde durch den Verkauf von Hochqualitäts-Eiern erwirtschaftet.

Vollgeladen mit Eiern geht es auf Verkaufstour in die Stadt

Neue Herausforderungen – neue Ansätze

Schnell merkten wir, dass wir unsere Ausreise nicht wie geplant und auch nicht notfallmässig durchführen konnten und wollten. Wie sollte es mit eggscellent weitergehen? Gott schenkte uns eine neue Idee: Das Eierspende-Projekt. Die Eier, die wir normalerweise an die besten Adressen der Hotellerie liefern, kommen nun den Notleidenden zugute. Denn Eier sind vollgepackt mit Vitaminen und Proteinen – genau das, was die Leute in dieser Situation brauchen. Über Kirchengemeinden und Hilfsorganisationen, die Essenspakete verteilen, gelangt nun ein Grossteil unserer eggscellent-Eier an die breite Bevölkerung. Um diese Kosten zu decken, haben wir einen Spendenaufruf gemacht – mit erfreulichem Echo: Seit dem Beginn der Pandemie konnten wir auf diese Weise bereits 200’000 Eier an Bedürftige verschenken. Wir sind dankbar für diese Win-Win-Win-Möglichkeit: Vielen Bedürftigen kann praktisch geholfen werden und sie kommen durch die Mitarbeitenden der lokalen Kirchengemeinden und Hilfsorganisationen mit Gottes Liebe in Berührung. Und die Jobs der Mitarbeitenden von eggscellent bleiben hoffentlich erhalten.

Eierspende-Projekt: Die Vitaminbomben werden an bedürftige Menschen verteilt und mit Freude entgegengenommen.

Seit Mitte 2020 führen nun 18 lokale Angestellte an drei verschiedenen Standorten den ganzen operativen Betrieb von eggscellent selbständig. Als Asienverantwortlicher kann ich seit meiner Anstellung bei SAM global im vergangenen September das kambodschanische Leitungsteam von der Homebase aus betreuen und coachen. Seit Ende 2020 gehört eggscellent (www.eggscellent.org) zu den Partnern von SAM global.

Konsequenzen ziehen - neue Chance geben

Die meisten Mitarbeitenden sind schon seit vielen Jahren mit dabei. So auch O. Sie war früher meist nachts mit dem Velo unterwegs. Während ihr kleiner Junge im Becken auf dem Gepäckträger unter alten Lumpen schlief, durchwühlte die alleinerziehende Mutter die Abfallhaufen. Als wir dann eine Eierputzerin für eggscellent suchten, konnten wir sie anstellen. Das war vor rund sieben Jahren. Seither haben sich ihre Zukunftsaussichten enorm verändert und ihr Sohn kann eine gute Schule besuchen. Doch dann bemerkten wir plötzlich, dass bei ihrer Abrechnung der verkauften Brucheier etwas nicht stimmte. Sie hat Geld abgezweigt und unser Vertrauen missbraucht. Was nun? Wir mussten Konsequenzen ziehen, aber eine Entlassung käme einem Stoss von einer Klippe gleich. Nach langem Ringen und Beten fanden wir eine gute Lösung: eine Art Schneiderlehre für Frauen vom Abfallberg. Dort geht O. nun täglich hin, lernt das Schneiderhandwerk und hat so vorerst Abstand zu unserem Team. Wir hoffen und beten, dass sich ihre Herzenshaltung verändert und eine Rückkehr ins Team möglich wird.

Wir beten, dass sich ihre Herzenshaltung verändert!

Durchhalten auch im Lighthouse Battambang und Pursat

Die letzten Monate waren für die Projekte von Lighthouse Battambang und Pursat eine grosse Herausforderung. Die wertvollen Kurzzeit-Mitarbeitenden mussten das Land im Frühling mit Mitarbeitende auf der Farm dem von der Schweizer Regierung organisierten Evakuierungsflug verlassen. Viele Arbeiten mussten plötzlich von den lokalen Mitarbeitenden übernommen werden, andere blieben liegen. Doch wir sind dankbar, dass der Betrieb immer aufrechterhalten bleiben konnte. Lukas B. und ich kennen uns bereits aus Kambodscha, aber ich freue mich sehr, wenn ein Besuch vor Ort im 2021 möglich sein wird.

David Keller, Länderverantwortlicher

Computer-Kurs im Lighthouse

SAM global
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