Burkina Faso

Im Land brach Panik aus

10.9.2020
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5
Min.

Wir konnten es gar nicht fassen

Es war im Monat März – im CEFM ging noch alles seinen gewohnten Gang. Da kam plötzlich die Nachricht, die alle beunruhigte: Eine neuartige Krankheit breite sich aus! Im Land brach Panik aus. Wie schlimm ist diese Krankheit? Wie sehr wird unser Land davon betroffen sein? Wie sollten wir, die wir jetzt schon mit einer grossen Krise kämpften, auch das noch bewältigen können?

Einschneidende Veränderungen im Land

In den letzten Jahren hat sich die Situation ist unserem geliebten Land leider sehr verschlechtert. Das hängt mit der in der Sahelzone herrschenden Unsicherheit zusammen. Die zunehmenden Überfälle von islamistischen Gruppen und die ständige Bedrohung haben das Land fast flächendeckend in eine humanitäre Krise gestürzt. Der Versuch, aus dieser Krise herauszukommen, wurde durch die Corona-Pandemie zunichte gemacht. Diese doppelte Bedrohung hat natürlich auch Auswirkungen auf die Kirche und die transkulturelle Arbeit. Unsere transkulturellen Mitarbeitenden, die in anderen Gegenden Burkina Fasos oder in den Nachbarländern tätig sind, sind auf die eine oder andere Weise Opfer dieser Ereignisse geworden.

Der Unterricht musste unterbrochen werden

Als der Bescheid kam, dass unsere Kurse gestoppt werden müssen, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, wussten wir zuerst nicht, wie wir reagieren sollten. In den Gesichtern der Studierenden und der Lehrpersonen war eine grosse Traurigkeit zu sehen. Wir waren am Boden zerstört. Nach intensivem Gebet beschlossen wir, die Massnahmen umzusetzen, die von den Behörden angeordnet worden waren: Hände regelmässig waschen, Masken tragen, möglichst zu Hause bleiben, im Abstand von mindestens einem Meter grüssen, in die Armbeuge niesen etc. Bei jeder Familie auf dem Gelände wurde ein Wasserkanister mit Seife deponiert und alle blieben dann möglichst zu Hause. Es wurde still und einsam auf dem Gelände, denn wir hielten die beiden Tore geschlossen und empfingen keine Gäste mehr.

Die Tore blieben geschlossen

Es folge eine wochenlange Unterrichtspause. Das hatte natürlich zur Folge, dass wir mit dem Schulstoff ins Hintertreffen gerieten. Aber alle versuchten, die Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Es wurde eine Zeit der grösseren Nähe zu Gott. Die Studierenden verbrachten mehr Zeit im Gebet, mit Bibelstudium und der Lektüre von christlicher Literatur. Auch wurde mehr geputzt und auf die Sauberkeit und Hygiene geachtet. Und: Die Studierenden verbrachten einfach viel Zeit in ihren Familien, was ein Segen war.

Mehr Zeit als Familie

Mitarbeitende in Nöten konnten unterstützt werden

Mit dem Nothilfe-Beitrag von SAM global konnten wir verschiedene unserer Mitarbeitenden, die aufgrund von Covid-19, der unsicheren Lage oder anderer gesundheitlichen Schwierigkeiten in Not geraten sind, unterstützen. Einer unter ihnen ist Simeon. Konfrontiert mit Menschen, die flüchten mussten und weder einen Platz zum Schlafen noch Nahrung hatten, nahm er zahlreiche bei sich zu Hause und im Kirchengebäude auf, weil ihn das Elend tief berührte. Aber seine Möglichkeiten waren natürlich begrenzt. Dass er Unterstützung in Form von je einem Sack Hirse pro Familie bekam, hat ihn enorm gestärkt und ermutigt, in seinem Dienst weiterzufahren. Ein weiterer Mitarbeiter, der Nahrungsmittelhilfe erhalten hat, ist Diabila. Aufgrund der akuten Bedrohung durch die Islamisten sah er sich gezwungen, seinen Wohn- und Arbeitsort mit seiner Familie fluchtartig zu verlassen. Sie hatten nicht einmal mehr die Zeit, alle ihre persönlichen Sachen mitzunehmen. Das war für die ganze Familie sehr traurig. Nebst dem Verlust der Arbeit und des Einkommens belastet Diabila auch die Sorge um die Christen, die noch vor Ort sind, und besonders diejenigen, die noch nicht lange mit Jesus unterwegs sind und den Pastor brauchen. Auch Schweres ertragen musste Jérémie und seine Familie. Sie erhielten zusätzliche finanzielle Unterstützung, weil die Frau von Jérémie, Martine, sehr krank war. Leider konnte ihr nicht geholfen werden und sie ist gestorben. Zwei anderen Frauen von Mitarbeitenden geht es Gott sei Dank besser. Die gesundheitlichen Probleme sind nicht ganz weg, aber es gab eine grosse Verbesserung. Weil die Kosten für die Behandlung ihre Ersparnisse aufgezehrt haben, erhielten die beiden Familien finanzielle Hilfe. Dafür sind sie sehr dankbar.

Wertvolle Nothilfe

Sensibilisierung der Kinder

Das von SAM global zur Verfügung gestellte Comic-Büchlein für die Corona-Sensibilisierung von Kindern haben wir, in Zusammenarbeit mit der Kirche, auf Gourmanchéma übersetzt und 2000 davon drucken lassen. Wir konnten diese an die 1500 EE/SIM-Sonntagschulen und zahlreiche christliche Schulen weiterleiten.

Sensibilisierung in einer Schulklasse

Die Lehrerinnen und Lehrer haben das Material sehr gerne angenommen und schätzen es. Sie finden es nicht nur im Zusammenhang mit Covid-19 hilfreich, sondern auch im Blick auf andere übertragbare Krankheiten wie die Cholera oder die Grippe. Die Kinder selber sind begeistert davon, malen es gerne aus und verstehen die Botschaft. Wir denken, dass es hilft, ihren Charakter und ihr Verhalten positiv zu beeinflussen und auch das Miteinander und die Rücksichtnahme aufeinander zu fördern. Und es spornt sie an, die Hygieneregeln konsequent einzuhalten.

Jonathan F.O., Leitung CEFM

SAM global
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