Angola

Ungewisse Zukunft und grosse Ängste

31.8.2020
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5
Min.

Vor welche Herausforderungen stellt Covid-19 das Land?

In Angola scheinen die Zahlen um einiges tiefer als in Europa. Allerdings werden wesentlich weniger Tests gemacht. Betagte Menschen gibt es hier nur wenige, diese Risikogruppe ist also klein. Dagegen ist ein grosser Prozentsatz jüngerer Menschen geschwächt durch Malaria, Sichelzellanämie (eine erbliche Erkrankung der roten Blutkörperchen), Diabetes, Herzerkrankungen und viele andere Krankheiten. Avelino Rafael, Lehrer an der theologischen Hochschule der Evangelischen Allianz Angolas (ISTEL), beschreibt die Situation wie folgt: Am 31.7.2020 gab es in Angola 1’148 bestätigte Infektionen mit Covid-19 und 52 Todesfälle, was einer Sterberate von 4,52% entspricht. Nach Studien einer privaten Universität Angolas wird sich diese Zahl im August verdoppeln und somit werden nicht mehr genug Betten in Intensivstationen vorhanden sein. Sollte diese Voraussage eintreffen, wird die Zahl der Todesfälle ansteigen. Die drei Gebiete Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind stark durch Covid-19 betroffen. Die meisten privaten Unternehmen können die Löhne seit mehr als zwei Monaten nicht mehr bezahlen. Viele sprechen davon, Angestellte entlassen zu müssen. Andere wiederum stehen kurz vor dem Bankrott. In der Provinz Huila verloren in den letzten drei Monaten zirka 3’000 Angestellte den Arbeitsplatz. Die Zukunft ist ungewiss und führt zu vielen Ängsten! Es stellt sich die Frage, welche Aufgabe der christlichen Gemeinde in dieser neuen Realität praktisch zukommt. Welche Stärken stellt sie in- und ausserhalb von Angola den durch Covid-19 verursachten Schwächen und Gefahren entgegen?
Avelino R.

So gut wie möglich weiterarbeiten

Während dem acht Wochen dauernden Ausnahmezustand (Lockdown) war die Situation sehr schwierig. Es gab überall Strassenkontrollen. Wegen zu wenig Abstand durfte ich meine Frau Therese, welche im selben Gesundheitszentrum arbeitet, nicht auf dem Motorrad mitführen (wir hatten keinen zivilen Trauschein). Da keine Busse und Taxis zirkulierten, musste ich oft grosse Umwege fahren und Schleichpfade benutzen, um ins Gesundheitszentrum zu gelangen. Trotz entsprechendem Schreiben unserer Direktion wurde mein Motorrad zweimal konfisziert. Dank der Hilfe von Freunden bekamen wir es beide Male wieder zurück. An einigen Tagen war es sogar ganz unmöglich, ins Gesundheitszentrum zu gelangen. Mit Gottes Hilfe konnten dennoch täglich einige Mitarbeitende den Arbeitsort erreichen und die Patienten betreuen, welche sich bis heute überaus dankbar zeigen. Inzwischen ist es wieder etwas einfacher. Ich kann mit meinem Motorrad zusammen mit meiner Frau den zehn Kilometer langen Weg nach Mapunda zurücklegen – aber natürlich mit Helm und Gesichtsmaske.
Fernando, Verantwortlicher der Rehabilitationsarbeit in Mapunda

Fernando und seine Frau Therese

Ermutigende Bibelverse – jetzt erst recht!

António ist Wächter im Nachbarhaus und hat ein besonderes Anliegen, Menschen mit der Frohen Botschaft zu ermutigen. In den vergangenen Jahren erhielten wir jährlich kostenlose Abreisskalender zum Verteilen. Diese Kalender mit Bildern, Bibelversen und Kurzbotschaften sind sehr beliebt, und zwar sowohl bei Menschen, die Jesus nachfolgen, als auch bei solchen, die mit dem Glauben nicht viel am Hut haben. Bereits anfangs Dezember fragen jeweils die Nachbarn, deren Wächter, Mitarbeitende in den Gesundheitszentren, Gemeindeglieder und viele andere Personen nach den Kalendern. Aus Versehen kamen im vergangenen Jahr zwei Schachtel mit französischen Kalendern, die gingen etwas weniger rasch weg. Aber die wenigen portugiesischen waren schnell verteilt. Kalender für Kinder lösen die grösste Begeisterung aus. Antonio hat sich zu einem engagierten Verteiler entwickelt. – So sehr, dass er schon mehrmals in seinen arbeitsfreien Wochen von zu Hause aus (nun mit der obligatorischen Maske) zirka fünfzehn Kilometer zu Fuss gegangen ist, um wieder einen Rucksack voller Kalender abzuholen und zu verteilen. Sicher werden wir eines Tages in der ewigen Heimat erfahren, wie viele Menschen durch diese Aktionen ermutigt und gesegnet wurden!

Das war knapp!

Pedro ist Laborant aus Kalukembe, 63 Jahre alt und bereits pensioniert. Vor 36 Jahren wurde ihm im Ausland eine künstliche Herzklappe eingesetzt. Er braucht bis heute spezielle Tabletten, welche nur in Europa erhältlich sind. Zu normalen Zeiten ist es nicht allzu aufwendig, diese Medikamente zu beschaffen und mitzubringen. Seit März allerdings reiste niemand mehr nach Angola. Als Pedro nur noch Medikamente für fünf Wochen hatte, rief er mich an. Er konnte oftmals nicht mehr schlafen vor Sorge. Mein SOSRuf in die Schweiz fand sofort Antwort. Die Medikamente konnten, wenn auch unter teuren und schwierigeren Bedingungen, via DHL nach Angola gesandt werden. Sie kamen gerade noch rechtzeitig in Angola an – Pedro hatte nur noch Medikamente für drei Tage!

Die Reha-Arbeit in Mapunda geht weiter

Bitte um Gottes Wirken

Wie mehr oder weniger in den meisten Ländern der Erde verändert die Pandemie auch in Angola das tägliche Leben und die Sicherheit der Familien. Armut und Arbeitslosigkeit, welche auch in normalen Zeiten einen grossen Teil der Bevölkerung betreffen, haben massiv zugenommen. Die Frage von Avelino R. ist äusserst aktuell: Welche Aufgaben stellen sich der christlichen Gemeinde in dieser neuen Realität? Allerdings können bereits kleine Handreichungen im Namen Jesu Grosses bewirken, davon bin ich überzeugt! Herzlichen Dank allen, welche über Distanzen hinweg und trotz eigener Einschränkungen die Arbeit in Angola unterstützen und mittragen.
Elisabeth G., Rehabilitation (aktiver Ruhestand)

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