Guinea

Alltag fern der Heimat: Freundschaften

12.2.2021
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3
Min.

Bei einem Spaziergang versuche ich auf dem nahegelegenen Hügel ein gutes Foto zu machen. Dabei nähere ich mich einigen Hütten. Auf einmal ruft mich eine Frau und bietet mir einen Stuhl an. Ich solle mich hinsetzen. Ein Junge schreit als ich näherkomme. Die Enkel der Frau fürchten mich zuerst. Sei es, das ich eine für sie unbekannte und dazu noch weisse Person bin, sei es, das die Frau den Kindern weiss ich was erzähle, was die weissen Menschen ihnen antun, wenn sie nicht gehorchen. Ein Mädchen ist mutiger und reicht mir zur Begrüssung die Hand. Sie lacht den Jungen laut aus, dass er wegrennen wollte und dabei hingefallen ist. Die Frau beachtet die Kinder nicht weiter und geht ihrer Tätigkeit nach. Sie röstet eine Schüssel geschälter Erdnüsse, wahrscheinlich, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Wir plaudern miteinander und sie bietet mir gekochte Süsskartoffeln an. Gerne folge ich der Aufforderung, mich zu bedienen. Nach einiger Zeit des Schweigens verabschiede ich mich. Sie lädt mich ein, wieder vorbeizukommen.

Beim nächsten Besuch werde ich von allen fröhlich begrüsst und wieder darf ich Süsskartoffeln und Erdnüssli naschen. Bei einem weiteren Besuch meint eine der Frauen, ich soll nächstes Mal früher kommen, damit ich ihnen zeigen kann, wo ich wohne, damit auch sie mich besuchen können. Mit der Zeit entstehen Freundschaften und ich geniesse es, mit meinen neuen Freundinnen Zeit zu verbringen. Das klingt nicht produktiv. Aber es tut gut einmal nicht nur das Geleistete zu messen, wie wir das im «Chläggi» gewohnt sind, sondern die Zeit mit Menschen zu geniessen. Den Moment bewusst erleben, der dadurch etwas Besonderes wird. Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem wichtig sind.

Besonders während der Adventszeit fehlt uns die erweiterte Familie und wir pflegen Traditionen, die in der Schweiz gepflegt werden. Ich habe mit meiner Tochter «Weihnachtsguetsli» gebacken und einen Adventskalender vorbereitet. Wir geniessen die speziellen Momente als Familie – und das wünsche ich euch ebenfalls von Herzen: schöne Momente mit euren Liebsten, besondere Zeiten geniessen.

(Veröffentlicht am 5. Januar 2021 im Klettgauer Bote)

Michelle V.
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